Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.09.2015

11:11 Uhr

Neuer Standard DVB-T2 HD

Das Überallfernsehen stellt scharf

VonChristof Kerkmann

Schritt nach vorn in die Gegenwart: Das Antennenfernsehen stellt bald auf einen neuen Standard um, Zuschauer sehen dann endlich scharfe Bilder in HD-Qualität. Das neue DVB-T2 hat allerdings seinen Preis.

Viele Kunden werden sich für den neuen Standard auch neue Geräte anschaffen müssen. dpa

TV-Geräte auf der IFA 2015 in Berlin

Viele Kunden werden sich für den neuen Standard auch neue Geräte anschaffen müssen.

BerlinOb zu Hause, im Wohnmobil oder auf der Wiese: Antennenfernsehen lässt sich überall empfangen. Monatliche Gebühren werden nicht fällig, auch die Empfangsgeräte sind günstig. Allerdings nehmen Zuschauer bei DVB-T – so der technische Name – bislang Einschränkungen in Kauf. So ist die Senderauswahl begrenzt, die Qualität beschränkt.

Damit soll es bald vorbei sein: Das Überallfernsehen stellt scharf. Ab dem zweiten Quartal 2016 wird der Nachfolgestandard DVB-T2 HD eingeführt. 40 bis 45 Programme sollen bald über den Äther gehen, darunter die Privatsender, die derzeit nur eingeschränkt über Antenne ausgestrahlt werden (siehe Infokasten). Ein Teil der Kanäle wird sogar in HD-Auflösung ausgestrahlt, die auf modernen Geräten für deutlich bessere Bilder sorgt.

Die Zuschauer bekommen also künftig mehr Angebot und mehr Qualität. Allerdings zahlen sie dafür auch einen Preis: Zum einen brauchen die meisten vermutlich neue Empfänger, um den Standard decodieren zu können, etwa eine Set-Top-Box. Zum anderen müssen sie eine monatliche Gebühr zahlen, um die Privatsender sehen zu können, dann allerdings in hochauflösender Qualität.

Zahlen und Fakten zum Antennenfernsehen

Wer nutzt noch Antennenfernsehen?

Das Fernsehsignal erreicht den Bildschirm auf unterschiedlichen Wegen: Per Satellit, Kabel und Internet, aber auch immer noch per Antenne. 3,8 Millionen Haushalte in Deutschland empfangen DVB-T, mit leicht sinkender Tendenz. Das entspricht von einem Marktanteil von 9,7 Prozent. Hinzu kommen Computer und Tablets, die sich mit einem USB-Stick aufrüsten lassen.

Wofür steht überhaupt DVB-T und DVB-T2 HD?

Die technisch klingende Abkürzung bedeutet „Digital Video Broadcasting“, das T steht für „terrestrial“. Auf Deutsch: DVB-T bezeichnet die digitale Ausstrahlung von Videobildern über Antenne. DVB-T2 HD ist der Nachfolgestandard – das HD steht für „High Definition“, also eine hohe Bildauflösung.

Wie viele Programme sind im Angebot?

Bislang sind in den Kerngebieten 24 Sender im SD-Format verfügbar. Außerhalb der Kerngebiete ist das Programm allerdings eingeschränkt. Künftig sollen Zuschauer bis zu 45 Sender empfangen können, ein Teil davon in der hochauflösenden HD-Qualität.

Welche Sender gibt es künftig?

Verfügbar sind zum einen die öffentlich-rechtlichen Programme. Zum anderen wollen die beiden großen TV-Gruppen den Standard DVB-T2 unterstützen. Die Mediengruppe RTL geht davon aus, alle bestehenden HD-Sender über das neue DVB-T anbieten zu können: RTL, Vox,  n-tv, RTL Nitro, Super RTL und RTL II. Prosieben Sat.1 will alle sechs kostenlosen Sender in HD-Qualität zur Verfügung stellen: Prosieben und Sat.1, dazu Kabel eins, Sixx, Sat.1 Gold und Prosieben Maxx.

Wo sind die privaten Sender verfügbar?

Derzeit können 50 Prozent der Haushalte private Fernsehsender über DVB-T empfangen. Die Abdeckung soll sich mit dem Nachfolgestandard auf bis zu 80 Prozent verbessern. Ob der eigene Wohnort im Sendegebiet liegt, können Nutzer online auf der Website ueberallfernsehen.de überprüfen.

Was müssen Zuschauer zahlen?

Um das ganze Paket inklusive der Privatsender sehen zu können, müssen Zuschauer voraussichtlich einen mittleren einstelligen Eurobetrag im Monat zahlen. Details will der Betreiber Media Broadcast später bekanntgeben.

Wer einen Fernseher mit HD-Auflösung hat und darauf Antennenfernsehen guckt, weiß: Für die Umstellung wird es Zeit. Auf den großen Bildschirmen, die in vielen Wohnzimmern an der Wand hängen, sehen Bilder im DVB-T-Format matschig und unscharf aus.

Als die Landesmedienanstalten 1998 die Einführung beschlossen, war HD Zukunftsmusik. „DVB-T ist seit geraumer Zeit technisch renovierungsbedürftig“, sagt Holger Meinzer, Mitglied der Geschäftsleitung beim Dienstleister Media Broadcast, der die Sender im neuen Standard ausstrahlt.

Nun soll also DVB-T2 die Entwicklung der vergangenen Jahre nachvollziehen. Mit dem Standard wird ein effizienteres Kompressionsverfahren namens HEVC eingesetzt, das auch als H.265 bekannt ist. „Wir können die Programmkapazität verdoppeln“, sagt Meinzer. Ein Teil der Sender werde zudem im hochauflösenden Format ausgestrahlt.

Das neue Antennenfernsehen erlaubt die Verschlüsselung von Programmen. Das dürfte für die privaten Anbieter ein Grund sein, DVB-T künftig entschiedener zu unterstützen: Sie können für hochauflösende Bildqualität künftig ebenso Geld verlangen, wie das bereits beim Satelliten- und Kabelfernsehen der Fall ist. Die RTL-Gruppe und Prosieben Sat.1 wollen jeweils sechs Sender im HD-Format anbieten (siehe Infokasten). Das alte SD-Format werden sie nicht mehr unterstützen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×