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07.03.2017

09:21 Uhr

Neuer TV-Standard DVB-T2 HD

Eine Million Haushalte müssen noch nachrüsten

Ende März wird das Antennensignal DVB-T für den TV-Empfang in weiten Teilen Deutschlands abgeschaltet. Die Nachfrage nach Settop-Boxen für den neuen Standard DVB-T2 HD ist groß, es gibt aber auch Alternativen.

In der Nacht zum 29. März 2017 wird das Signal von DVB-T auf den neuen Standard DVB-T2 HD umgestellt. dpa

Neuer Fernseh-Standard

In der Nacht zum 29. März 2017 wird das Signal von DVB-T auf den neuen Standard DVB-T2 HD umgestellt.

BerlinDie Uhr tickt: In weiten Teilen Deutschlands werden Fernsehzuschauer das TV-Signal bereits in drei Wochen nicht mehr wie herkömmlich über Antenne empfangen können. Der Grund: Ab dem 29. März wird das terrestrische Signal von DVB-T auf den neuen Standard DVB-T2 HD umgestellt.

Etwa 3,4 Millionen Haushalte sind nach Angaben der Deutschen TV-Plattform davon betroffen. Rund 1,5 Millionen empfangen ausschließlich über diesen Weg das TV-Signal. Sie müssen sich für den Umstieg rüsten, sofern sie nicht bereits ein brandneues TV-Gerät mit einem eingebauten DVB-T2-Empfänger besitzen. Und wer auf diesem Weg privaten Sender anschauen möchte, wird künftig zur Kasse gebeten.

Der Verkauf der für den Empfang benötigten neuen Settop-Boxen nimmt an Dynamik zu, berichtete die Deutsche TV-Plattform in dieser Woche. Im Januar hat sich die Zahl der verkauften Receiver demnach im Vergleich zum Vormonat verdoppelt. Während im Dezember noch 79.000 Stück über die Tresen gingen, waren es im Januar 165.000.

Was Sie zu DVB-T2 HD wissen müssen

Wer nutzt noch Antennenfernsehen?

Das Fernsehsignal erreicht den Bildschirm auf unterschiedlichen Wegen: Per Satellit, Kabel und Internet, aber auch immer noch per Antenne. 3,8 Millionen Haushalte in Deutschland empfangen DVB-T, mit leicht sinkender Tendenz. Das entspricht von einem Marktanteil von 9,7 Prozent. Hinzu kommen Computer und Tablets, die sich mit einem USB-Stick aufrüsten lassen.

Wofür steht überhaupt DVB-T und DVB-T2 HD?

Die technisch klingende Abkürzung bedeutet „Digital Video Broadcasting“, das T steht für „terrestrial“. Auf Deutsch: DVB-T bezeichnet die digitale Ausstrahlung von Videobildern über Antenne. DVB-T2 HD ist der Nachfolgestandard – das HD steht für „High Definition“, also eine hohe Bildauflösung.

Wie viele Programme sind im Angebot?

Bislang sind in den Kerngebieten 24 Sender im SD-Format verfügbar. Außerhalb der Kerngebiete ist das Programm allerdings eingeschränkt. Künftig sollen Zuschauer bis zu 45 Sender empfangen können, ein Teil davon in der hochauflösenden HD-Qualität.

Welche Sender gibt es künftig?

Verfügbar sind zum einen die öffentlich-rechtlichen Programme. Zum anderen wollen die beiden großen TV-Gruppen den Standard DVB-T2 unterstützen. Die Mediengruppe RTL geht davon aus, alle bestehenden HD-Sender über das neue DVB-T anbieten zu können: RTL, Vox,  n-tv, RTL Nitro, Super RTL und RTL II. Pro Sieben Sat 1 will alle sechs kostenlosen Sender in HD-Qualität zur Verfügung stellen: Pro Sieben und Sat 1, dazu Kabel eins, Sixx, Sat 1 Gold und Pro Sieben Maxx.

Wo sind die privaten Sender verfügbar?

Derzeit können 50 Prozent der Haushalte private Fernsehsender über DVB-T empfangen. Die Abdeckung soll sich mit dem Nachfolgestandard auf bis zu 80 Prozent verbessern. Ob der eigene Wohnort im Sendegebiet liegt, können Nutzer online auf der Website dvb-t2hd.de überprüfen.

Was müssen Zuschauer zahlen?

Die öffentlich-rechtlichen Sender sind frei empfangbar. Um das ganze Paket inklusive der Privatsender sehen zu können, müssen Zuschauer 5,75 Euro im Monat zahlen. Hinzu kommen die Kosten für die Umrüstung der Technik – Receiver gibt es für weniger als 50 Euro.

Welche Zusatzdienste gibt es?

Der Betreiber Media Broadcast erweitert das Angebot an TV-Sendern per Antenne mit Angeboten aus dem Internet, die direkt in der Senderliste erscheinen. Dazu zählen etwa einige Mediatheken und ein intelligenter Programmführer, außerdem einige zusätzliche Kanäle. Zumindest mit einem Teil der Fernseher und Receiver können Zuschauer darauf zugreifen.

Was für Antennen werden benötigt?

Wer bereits über DVB-T fernsieht, kann die Antenne weiterhin verwenden. In den Ballungsräumen reicht oft schon ein kleines Gerät im Wohnzimmer aus, bei schlechterem Empfang ist eine Außenantenne empfehlenswert. Dank der technischen Verbesserungen dürften sich die Empfangseigenschaften verbessern.

Welche Receiver sind geeignet?

Zuschauer benötigen für DVB-T2 HD einen Receiver, für die künftig kostenpflichtigen Privatsender außerdem ein Entschlüsselungsmodul. Das grüne Symbol gewährleistet, dass das Gerät die Signale dekodieren kann, für RTL, Sat.1 & Co. ist aber teils noch eine CI+-Modul zur Entschlüsselung notwendig. Bei Geräten mit dem Freenet-TV-Logo ist diese Funktion bereits integriert. Ein Empfangsmodul für DVB-T2 HD haben einige neue Fernseher bereits ab Werk.

Insgesamt wurden gut eine halbe Million DVB-T2-fähige Settop-Boxen verkauft. Eine Million Haushalte müssen also in den kommenden drei Wochen noch eine Entscheidung treffen, wenn der Bildschirm nicht schwarz bleiben soll.

Die Umstellung ist erforderlich geworden, da im Zuge der Digitalen Dividende bislang für das Antennenfernsehen genutzte Frequenzbänder künftig dem Mobilfunk zufallen sollen. Zugleich wird es mit dem neuen Standard erstmals möglich sein, dass über den terrestrischen Empfangsweg Fernsehsendungen auch in hoher Auflösung (HD) ausgestrahlt werden können. Voraussetzung ist jedoch, dass der Fernsehzuschauer aktiv wird und sich technisch für den neuen Empfangsweg rüstet.

Privatsender verschlüsselt und kostenpflichtig

Nur aktuelle Modelle von Flachbildfernsehern haben einen entsprechenden Receiver integriert – eine Liste der Geräte hat die Deutsche TV-Plattform zusammengestellt. Für alle anderen Geräte – auch wenn sie noch relativ neu sein sollten – ist eine Settop-Box erforderlich, die im Handel zwischen 50 und 150 Euro kostet. Nur Geräte, die ein grünes „DVB-T2 HD“-Logo aufweisen, sind auch wirklich in der Lage, den hierzulande genutzten Kodierungsstandard HEVC zu unterstützen sowie neben den öffentlich-rechtlichen auch die privaten Sender zu empfangen.

Denn die Umstellung wird auch ein weiterer Schritt hin zum Ende des frei empfangbaren Fernsehens markieren. Über Antenne strahlen ab dem 29. März die privaten Sender wie Pro7, Sat.1 und RTL ihr Programm im digitalen Antennen-Fernsehen nur noch in HD-Qualität aus. Die Kosten für die angefallenen Investitionen wollen die Sender an die Zuschauer zumindest teilweise weiterreichen: Deshalb wird das Programm der Privatsender verschlüsselt und kostenpflichtig.

Das macht auch die Empfangstechnik komplizierter: Nur Settop-Boxen mit dem grünem Logo der TV-Plattform verfügen nämlich über einen Steckplatz für die Entschlüsselungskarte, die das Unternehmen Freenet TV vermarktet. Die Sendungen werden dann jeweils nur für ein TV-Gerät freigeschaltet. Besitzer eines Fernsehgeräts mit integriertem DVB-T2-Empfänger benötigen für die Kartenfreischaltung ein zusätzliches Modul.

Kommentare (3)

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Frau Lana Ebsel

07.03.2017, 10:48 Uhr

Für 30% Werbeanteil bei etwa zwei interessanten US-Spielfilmen pro Monat soll man jetzt auch noch Gebühren bezahlen. Wenn man sich das Geld dafür spart, bekommt man zusätzlich noch Freizeit geschenkt, die man sinnvoller nutzen kann.

Herr Hans Schönenberg

07.03.2017, 10:50 Uhr

Dieser Artikel ist, wie viele ähnliche Informationen absolut irreführend. Ich wohne in NRW ländlich im Sauerland. Bei uns ist DVB-T2 erst in zwei Jahren zu empfangen; die Umstellung hat also noch Zeit. Streaming kommt nicht infrage, da (bei uns) das Leitungsnetz sowas nicht hergibt. Private Sender haben bei uns vor Ort bisher nicht eingespeist. - Zeit um dies zu überlegen, haben wir ja noch ausreichend.

Herr Hans-Jörg Griesinger

07.03.2017, 11:54 Uhr

Haushalte müssen gar nichts.
Für diesen medialen Meinungsmachemüll zahle ich nicht einen Cent mehr als die GEZ Zwangsabgabe.

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