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06.06.2012

16:59 Uhr

Neues Internet-Protkoll

Im Netz wird's eng

Eine weltweite Kampagne soll die bisher zögerliche Umstellung des Internet-Protokolls beschleunigen. Die Initiativen zum Aktionstag waren spürbar, allerdings auf bislang noch äußerst niedrigem Niveau. Jetzt wird es eng.

Teil einer IPv6-Internetadresse. Das neue Internet-Protokoll verwendet das Hexadezimal-System. dapd

Teil einer IPv6-Internetadresse. Das neue Internet-Protokoll verwendet das Hexadezimal-System.

BerlinAn einem weltweiten Aktionstag zur Einführung eines moderneren Internet-Protokolls (IP) haben sich am Mittwoch mehrere hundert Unternehmen beteiligt. Die Auswirkungen beim „Traffic“, also beim Datenverkehr im Netz, waren zwar messbar. Nach dem aktuellen Standard IPv6 wird bislang aber nur ein winziger Bruchteil der Daten transportiert. Das soll sich bis zum Jahresende ändern, wenn auch die großen Internet-Service-Anbieter die Umstellung bis zu den Endkunden bringen. Internet-Nutzer müssen sich dabei keine Sorgen machen.
Die Teilnehmer an dem Aktionstag - insgesamt meldeten sich mehr als 1400 Unternehmen an - schufen mit Änderungen in den Einstellungen ihrer Webserver die Voraussetzungen, dass Datenpakete auch in dem gigantisch erweiterten IPv6-System transportiert werden können. Das aus den Nähten platzende IPv4-System bleibt zunächst parallel dazu weiter bestehen.
Beim weltgrößten Internet-Austauschknoten DE-CIX in Frankfurt am Main erreichte der ausschließlich über IPv6 abgewickelte Datenverkehr („native IPv6“, ohne Übergangstechniken) bis Mittwochnachmittag einen Anteil von 0,27 Prozent der gesamten Datenflut mit einer Bandbreite von 1129 Gigabit pro Sekunde. Dies sei eine Steigerung von 125 Prozent seit dem IPv6-Aktionstag im vergangenen Jahr, sagte Norbert Pohlmann vom Institut für Internet-Sicherheit an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen. Der Zuwachs seit Mai betrage 16 Prozent.

Alles rund um den Internet-Standard IPv6

Was ist eine IP-Adresse?

Internet-Protokoll-Adressen (IP-Adressen) sind 32-stellige Zahlencodes. Sie stecken als eindeutige Adresse unter anderem hinter den gut merkbaren Webseiten mit Endungen wie .de oder .com. Ruft ein Nutzer eine Internetseite über die Adresszeile des Internetbrowsers auf, fragt dieser beim sogenannten Nameserver - einer Art Web-Telefonbuch - nach der dazugehörigen IP-Adresse und ruft die Seite auf. Zudem hat jedes mit dem Internet verbundene Gerät eine IP-Adresse, egal ob Laptop, Smartphone oder Firmenserver.

Warum kommen die neuen Regeln für den Datenverkehr?

Der bisherige Standard IPv4 ermöglicht es, 4,3 Milliarden IP-Adressen zu generieren. Durch den starken Anstieg internetfähiger Geräte stößt der Standard derzeit an seine Grenzen - die verfügbaren Adressen sind fast aufgebraucht. Der Bedarf jedoch steigt stetig: Nicht nur gibt es immer mehr Internetseiten, auch die Zahl internetfähiger Geräte steigt: Zu Computern gesellen sich etwa Smartphones sowie Fernseher und bald vielleicht auch Autos, Kühlschränke oder Hundehalsbänder. Um genügend Adressen zur Verfügung zu haben, wurde mit IPv6 ein neuer Standard entwickelt.

Was ist der Unterschied zwischen IPv4 und IPv6?

Die IP-Adressen nach dem alten Standard bestehen aus 32 Ziffern. Bei IPv6 besteht jede Internetadresse aus 128 Stellen. Dadurch sind 340 Sextillionen Adressen möglich - als Zahl: 340.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000. Dann müssen laut Verband der deutschen Internetwirtschaft (Eco) IP-Adressen auch nicht mehr mehrfach verwendet werden, wie es derzeit der Fall ist. Das biete dem Verbraucher neue Möglichkeiten: Er könnte beispielsweise von unterwegs per Smartphone seine Heizung anwählen und einstellen, da jeder Heizkörper seine feste Adresse habe.

Was passiert bei der Umstellung?

Die großen Internetfirmen sind vorangeschritten, in Deutschland waren es 1400 IT-Unternehmen. Sie haben am Mittwoch um 02.01 Uhr (MESZ) auf den neuen Standard umgestellt. IPv4 und IPv6 werden allerdings noch mehrere Jahre parallel laufen: Die Nameserver geben dann bei Anfragen sowohl die alte wie auch die neue IP-Adresse aus. Mit der Zeit sollen auch kleinere Firmen und Anbieter folgen und schrittweise IPv6 einführen.

Was bedeutet die Umstellung für die Internetnutzer?

IPv4 und IPv6 sind nicht miteinander kompatibel. Private Nutzer sollten trotzdem kaum Probleme bekommen. Moderne Betriebssysteme unterstützen den neuen Standard bereits. In seltenen Fällen könnte es dazu kommen, dass Verbindungen etwas langsamer sind - in vielen Fällen soll das Internet allerdings deutlich schneller werden. Um Fehlern zu entgehen, reicht es oft aus, ein aktuelles Betriebssystem zu verwenden. Manchmal muss laut deutschem IPv6-Rat auch eine Einstellung im Router für den Internetzugang verändert oder dessen Software aktualisiert werden.

Was bedeutet die Umstellung für den Datenschutz?

Mit dem neuen IPv6-Standard könnte jeder Internetnutzer für jedes einzelne seiner Geräte eine eindeutige Adresse erhalten. Das hat technisch gesehen viele Vorteile, doch sind einzelne Nutzer damit auch viel leichter zu identifizieren. Abhilfe schaffen soll ein eigenes System: Die sogenannte Privacy Extension verschlüsselt die zweite Hälfte der IP-Adresse, so dass sie nicht mehr zum jeweiligen User führt. Der Bundesbeauftragte für Datenschutz fordert, die Internetanbieter müssten ihren Kunden Aufklärung und Unterstützung anbieten, damit diese ihre Privatsphäre ausreichend schützen können.

„Ich hätte mir gewünscht, dass die Steigerungsrate größer wird“, sagte Pohlmann, der auch dem Beirat des Instituts der deutschen Internetwirtschaft (Eco) angehört, der Nachrichtenagentur dpa. „Es passiert etwas, aber es muss noch deutlich mehr passieren.“ Beim Kurznachrichtendienst Twitter stieß die Aktion immerhin auf einigen Wiederhall: IPv6 war ein sogenanntes „Trending Topic“ - einer der meistverwendeten Begriffe.

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Nach den am Mittwoch veröffentlichten Ergebnissen einer Umfrage des britischen Netztechnik-Anbieters BT Diamond IP ist der Anteil der Unternehmen, die IPv6 zumindest teilweise eingeführt haben, im vergangenen Jahr von weltweit 5 auf 13 Prozent gestiegen. Weitere 44 Prozent der 876 Befragten gaben an, die Umstellung in den nächsten zwei Jahren vollziehen zu wollen. „Der Übergang auf IPv6 ist bereits in vollem Gang“, erklärte der zuständige Manager von BT Diamond IP, Tim Rooney.
Das Internet-Protokoll ist eine zentrale technische Voraussetzung für den Austausch von Daten im weltweiten Computernetz. Die wichtigste Aufgabe des Standards ist es, ein einheitliches Format für die Adressen festzulegen, mit dem sich die ans Netz angeschlossenen Geräte ansprechen lassen. Das bisherige Internet-Protokoll, Version 4 - IPv4 - wurde 1981 als Standard festgelegt. Der Nachfolger IPv6 wurde bereits Ende 1995 auf den Weg gebracht.

Dieses Protokoll stellt den Vorrat an verfügbaren IP-Adressen auf eine breitere Basis: Statt 4,3 Milliarden möglicher Adressen gibt es einen nahezu unendlichen Raum von 340 Sextillionen Adressen. Das entspricht etwa dem Verhältnis eines winzigen Wassertröpfchens mit einem Durchmesser von 0,3 Millimetern zum gesamten Wasservorkommen der Erde.

Von

dpa

Kommentare (3)

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KFR

06.06.2012, 17:59 Uhr

viel Spass,wenn die script.kiddis demnächst die Lampen ein-ausschalten, Rolläden und Geräte per Geisterhand bedienen.
Die Scherheits-Vorkehrungen sind ( noch ) katastrophal !!

werSer-lidn

08.06.2012, 08:57 Uhr

Haben auch alle sch--Ö-n PONY-KOT implementiert?

HundehaufenKonsultant

08.06.2012, 09:01 Uhr

script.kiddis == diejenigen die das schrieben was die MCSEs im Policy Editor nachher per User Interface konfigurieren.

Pony- oder HundeKOT => "Tretmine"!

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