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06.06.2012

10:28 Uhr

Neues Internet-Protokoll IPv6

Datenschützer warnen vor „Autokennzeichen“ fürs Netz

Für jedes Internet-Gerät eine feste dauerhafte Kennung - technisch ist das mit dem neuen Internet-Protokoll kein Problem. Datenschützer aber drängen darauf, auch künftig anonym im Netz unterwegs zu sein.

Datenschützer mahnen zu Sorgfalt bei dem neuen Internet-Protokoll IPv6. dpa

Datenschützer mahnen zu Sorgfalt bei dem neuen Internet-Protokoll IPv6.

BerlinVor einem internationalen Aktionstag zur Einführung des Internet-Protokolls IPv6 hat der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar einen sorgfältigen Umgang mit dem neuen Standard gefordert. „Die nach dem neuen Internetprotokoll IPv6 vergebenen Internetadressen haben das Potenzial, zu Autokennzeichen für jeden Internetnutzer zu werden und zwar unabhängig davon, wie viele Geräte der Einzelne im Internet verwendet“, erklärte Schaar am Dienstag in Berlin.

Um die technisch mögliche eindeutige Identifizierung jedes Internet-Teilnehmers zu verhindern und weiterhin eine anonyme Nutzung zu ermöglichen, können sogenannte Privacy Extensions in IPv6 genutzt werden. Dabei wird ein Teil der neuen IP-Adresse gewissermaßen ausgewürfelt.

Schaar erinnerte an die Empfehlungen des Deutschen IPv6-Rats, wonach es auch künftig keine persönliche Identifizierung aufgrund der IP-Adresse geben soll. „Die Datenschutzbehörden in aller Welt werden darauf achten, dass die entsprechenden Anforderungen in der Praxis beachtet werden“, kündigte Schaar an. Der IPv6-Rat ist ein Forum der Internet-Wirtschaft mit Vertretern aus Wissenschaft und Verwaltung.

Der Vorsitzende der IPv6-Rates, Prof. Christoph Meinel, sagte, die Hersteller von Internet-Geräten seien aufgerufen, Produkte mit solchen datenschutzfreundlichen Vorkehrungen anzubieten. Der Datenschutz sei dann auch bei der Entwicklung neuer Dienste auf der Basis von IPv6 zu beachten, sagte der Direktor des Hasso-Plattner-Instituts der Universität Potsdam. Die Umstellung von IPv4 auf IPv6 sei wie die Umstellung eines Stromnetzes mit einer Spannung von 120 auf 220 Volt. Der Strom selbst sei weder gut noch schlecht. „Die Unfälle, die Gefahren, die kommen mit den Gerätschaften, die mit diesem Strom betrieben werden“, sagte der Informatiker.

Zum internationaler „IPv6-Launch-Tag“ wollen am Mittwoch nach Angaben des Verbands der deutschen Internetwirtschaft (eco) mehr als 1400 Unternehmen ihre Web-Angebote so auf den neuen Adressen-Standard IPv6 umstellen, dass diese mit dem neuen wie auch weiter dem alten Standard IPv4 erreichbar sind. Die Netzleitungen zu den Endkunden sind bisher erst zu einem kleinen Bruchteil auf IPv6 umgestellt. Daher beträgt der Anteil des mit IPv6 abgewickelten Datenverkehrs bislang nur knapp ein Prozent. Die Deutsche Telekom will nach jetziger Planung zum Jahresende ihren ersten Endkunden IPv6 bereitstellen.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Shorty

06.06.2012, 10:37 Uhr

"Verschollen im Internet

Über eine halbe Million Menschen in Deutschland gelten als internetsüchtig. Die Betroffenen zeigen dieselben Symptome wie Alkohol- oder Drogenabhängige. Eine komplette Generation droht abhängig zu werden."

http://www.dw.de/dw/article/0,,15992111,00.html

Würde ich bezweifeln, daß es sich bloß um eine halbe Million Betroffene handelt. Einfach mal auf die Straße gehen und die an den Ohren festgefrorenen Smartphones anschauen. Die Sucht geht vertikal durch alle Schichten und zu den Haupbetroffenen dürften vor allem auch die Juppies und Business-Haie zählen.

barheine

06.06.2012, 12:55 Uhr

Wäre interessant, zu erfahren, wie die ISPs wie T-Online die Vergabe der IPv6-Adressen in Zukunft handhaben werden. Als Internetnutzer möchte ich zumindest die Wahl haben, auch weiterhin bei der Einwahl ins Internet zu 100% meine IP-Adresse dynamisch zugeteilt zu bekommen. Sobald auch nur ein Teil statisch ist, reicht das meiner Meinung vollkommen aus, um ein Profil meiner Internetnutzung zu erstellen. Aber wir haben ja alles nichts zu verbergen, oder?

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