Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.01.2014

13:18 Uhr

Neues Smart-TV-Angebot

Fernsehen ohne Funkturm und Satellit

VonChristof Kerkmann

ExklusivEin deutsches Unternehmen will den TV-Markt aufmischen: Netrange verbreitet künftig 2000 Sender aus aller Welt über das Internet. Anschauen lassen sie sich mit Fernsehern von Firmen wie Sharp, Loewe oder Ikea.

Smart-TV von TCL: Ein deutsches Start-up will zahlreiche Fernsehsender aus dem Internet auf den großen Bildschirm bringen. dpa - picture-alliance

Smart-TV von TCL: Ein deutsches Start-up will zahlreiche Fernsehsender aus dem Internet auf den großen Bildschirm bringen.

HamburgWenn es um die pure Vielfalt geht, ist der Computer der beste Fernseher. Denn tausende TV-Sender in aller Welt übertragen ihr Programm auch über das Web. Ein deutsches Start-up will diese Inhalte ins Wohnzimmer bringen: Der Smart-TV-Spezialist Netrange bietet künftig 2000 Programme auf internetfähigen Fernsehern von Unternehmen wie Sharp, Loewe, Ikea und TCL an. Die Verträge mit den Anbietern seien jetzt unterschrieben worden, teilte die Firma im Vorfeld der Elektronikmesse Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas mit.

Netrange stellt selbst keine Fernseher her, sondern bietet ein Internet-Portal mit Apps, Video-Kanälen und Spielen an, das TV-Hersteller auf ihren Geräten installieren können – Experten sprechen von einer White-Label-Lösung. Hier werden auch die neuen Sender eingebunden. Im Angebot sind beispielsweise Rai 1 aus Italien, Antena 3 aus Spanien und BBC News aus Großbritannien, außerdem diverse Sportkanäle.

Kleines Fernseh-Glossar

Technologie verkauft Fernseher

Die TV-Hersteller arbeiten permanent an neuen Verfahren, um die Bildqualität weiter zu verbessern und die Funktionen zu erweitern – Technologie verkauft Geräte. Welche Schlagwörter sind derzeit angesagt?

Ultra HD (4K)

Ultra HD – oft auch als 4K bezeichnet – ist ein TV-Format mit sehr hoher Auflösung. Diese beträgt 3840 x 2160 Pixel, also 8,3 Megapixel. Das ist vier Mal so viel wie bei einem HD-Bild. Es mangelt noch an passenden Inhalten, allerdings werden herkömmliche Bilder hochgerechnet. Da die Geräte immer billiger werden, eignen sie sich langsam für den Massenmarkt.

OLED

OLED steht für Organic Light Emitting Diode, es handelt sich also um organische Leuchtdioden. Diese Technologie ermöglicht ein sehr kontrastreiches Bild und weite Blickwinkel, zudem verbraucht sie wenig Strom. Allerdings ist die Produktion der Paneele kompliziert und somit noch vergleichsweise teuer. Daher ist der Marktanteil der OLED-Geräte gering.

Gebogene Displays

Früher mussten Fernseher unbedingt flach sein – geht es nach einigen Herstellern, geht es heute nicht ohne gebogenes Display. Samsung, LG & Co. versprechen ein besseres Bild mit weniger optischen Verzerrungen. Der Vorteil liegt indes wohl eher im Design als im Seherlebnis. Dafür müssen Verbraucher einen hohen Preis in Kauf nehmen.

Smart TV

Fast alle neuen Fernseher sind inzwischen „smart“: Sie können nicht nur die herkömmlichen Kanäle, sondern auch Inhalte aus dem Internet darstellen, beispielsweise das Videoportal Youtube, Online-Videotheken oder extra für den großen Bildschirm programmierte. Dazu braucht es nur einen Breitbandanschluss. Allerdings nutzen viele Zuschauer diese Funktionen noch nicht. Zudem hapert es teils noch an der Bedienung – eine Kopplung mit Smartphone und Tablet soll Verbesserungen bringen.

Second Screen

Viele Fernsehzuschauer surfen nebenbei im Internet – entweder mit dem Smartphone oder dem Tablet-Computer. Dieses vergleichsweise junge Phänomen erlaubt TV-Herstellern, Filmemachern und Sendern, den zweiten, kleinen Bildschirm einzubinden. Etwa mit Informationen über die Sendung und Schauspieler oder Werbung. Zudem können die mobilen Geräte die klassische Fernbedienung ersetzen.

„Künftig braucht es keine TV-Infrastruktur mehr, um lineares Fernsehen auszuspielen“, sagte Netrange-Geschäftsführer Jan Wendt im Gespräch mit Handelsblatt Online. Netrange ermöglicht somit Fernsehen ohne Funkturm, Kabel und Satellit – sofern es die Internetverbindung zulässt. Wendt sieht darin eine Chance, neue Kunden jenseits der TV-Hersteller zu gewinnen: „Alle möglichen Marktteilnehmer können ohne technische Infrastrukturkosten Fernsehen ausstrahlen. Das ist für uns ein großer Wachstumsmotor.“

Geld will das Unternehmen mit kostenpflichtigen Programmpaketen verdienen, in denen etwa Sport- oder Nachrichtensender gebündelt sind. „Grundsätzlich zahlt der Endkonsument für die Premium-Anteile Geld.“ Allerdings sei man noch in einer Erprobungsphase, sagte Netrange-Chef Wendt. Es werde von Land zu Land unterschiedliche Modelle geben. Die TV-Sender müssten aber keine Einspeisegebühren zahlen. Bis 2016 sollen 10.000 Sender im Angebot sein.

Netrange-Chef Jan Wendt: Fernsehen ohne technische Infrastruktur. Netrange

Netrange-Chef Jan Wendt: Fernsehen ohne technische Infrastruktur.

Das Portal des Unternehmens sei bislang auf sechs bis sieben Millionen Geräten installiert, sagte Firmenchef Wendt. Dank bereits unterschriebener Verträge mit TV-Herstellern werde die Reichweite in den nächsten fünf Jahren auf weltweit mindestens 30 Millionen Fernseher steigen. „Wir gehen aus, dass die Zahl noch stark anwächst“, betonte Wendt. Ab Montag will die Firma auf der CES weitere Kunden gewinnen.

Netrange setzt darauf, dass immer mehr Fernseher mit einem Internetzugang ausgestattet sind und die Verbindungen immer schneller werden – auch wenn viele Nutzer ihr Gerät derzeit noch nicht ans Netz anschließen. Als Konkurrenz zu klassischen TV-Sendern sieht Wendt die Netrange-Lösungen aber nicht. „Unser Portal soll nicht bestehende Produkte ablösen. Wir erweitern das bestehende Angebot um tausende Kanäle aus aller Welt.“ Das WM-Finale würde sich der Manager weiterhin über Kabel oder Satellit angucken – falls die Übertragung mal hängt.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

kfvk

03.01.2014, 14:04 Uhr

Zum einen benötigt das Internet zur Signalübertragung auch Funkturm, Kabel und Satellit und zum anderen wird es im Internet ziemlich eng, wenn alle Fernsehen über das Internet beziehen. Wer bezahlt eigentlich dann für die Einrichtung und den Betrieb der Infrastruktur? Vermutlich nicht Netrange, denn nach deren Philosophie kommen Kosten für die Übertragung sicher auch nicht vor.
Das scheint ein ziemlich windiges Geschäftsmodell zu sein ...

Account gelöscht!

03.01.2014, 14:12 Uhr

Ich finds gut.
Jaja, alles windig :)
Gibt es auch Ideen in Deutschland nicht nicht gleich verrissen werden?

"Wer bezahlt eigentlich dann für die Einrichtung und den Betrieb der Infrastruktur? Vermutlich nicht Netrange,"

Sie und ich, mit der dann kommenden "erhöhten" Haushaltsabgabe, weil das ÖR dann keiner mehr guckt :)

Wissen Sie eigentlich was so ein Serverpark kostet?

Account gelöscht!

03.01.2014, 18:20 Uhr

Zitat : Fernsehen ohne Funkturm und Satellit

- in Deutschland kann diese Firma ihr Geschäft vorerst wohl an den Nagel hängen :

die meisten Internet-User haben von der Deutschen Post ( heisst jetzt Telekom ) ein sehr besch........Internen-Speed mit 6000 Kb/s ( tatsächlich 2000-3000 Kb/s ) und 16000 Kb/s ( tatsächlich ca. 8000 Kb/s ) geerbt !

Mit dieser Geschwindigkeit kann man wohl mehr Balken angucken als Fernsehen ( insbesondere HD - Sender ) !

Bis der Doof bringts ( Breitband- Autobahn-Möchtegerne-Minister )in die Bottiche kommt, dauert es wohl noch 10 Jahre !

Internet-Fernsehen ist was für FORTGESCHRITTENE Länder, zu denen Deutschland NICHT gehört !

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×