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26.03.2006

17:00 Uhr

Neues System erkennt PC-Nutzer am Tippverhalten

Biometrie-Software ersetzt das Passwort

VonLotte Lehmbruck

Es ist so individuell wie die Handschrift: das Tippen am Computer. Welche Buchstaben vertauscht der Schreiber oft, wie schnell und in welchem Rhythmus tippt er, wie leicht findet er selten benutzte Tasten? Forscher der Universität Regensburg und TU München haben sich diese Erkenntnis zunutze gemacht und die Software "Psylock" entwickelt. Sie identifiziert den PC-Benutzer an seinem Tippverhalten.

DÜSSELDORF. Die Software soll die Sicherheit erhöhen und unter Umständen auch das Passwort ersetzen - in Firmen-Netzwerken oder im Internet, wie etwa beim Homebanking. Die Stärke von Psylock: "Ein Passwort kann man weitergeben, das Tippverhalten aber nicht", sagt Dieter Bartmann, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Uni Regensburg.

Am Anfang steht das Training: Der PC-Benutzer muss der Software beibringen, sein Tippverhalten zu erkennen. Er gibt rund zehn vorgegebene Sätze ein, dann hat Psylock ein Muster erkannt. Danach bekommt er jedes Mal, wenn er den Computer einschaltet, einen anderen Satz vorgegeben. Psylock vergleicht das aktuelle Tippverhalten mit dem gespeicherten. Dabei gilt: Je länger der Satz, desto höher die Sicherheit. Das System kann so den Zugang zum PC freigeben oder auch permanent mitlaufen und so bei jedem Satz prüfen, ob immer noch der gleiche Mensch am PC sitzt. Ist das nicht der Fall, kann die Software den Computer sperren.

Das Tippverhalten gehört zu den biometrischen Merkmalen eines Menschen. Das sind individuelle körperliche Merkmale. Sie werden aufgeteilt in bildgebende Merkmale - etwa Fingerabdruck oder Iris-Scan - und in Verhaltensmerkmale, etwa die Stimme oder eben das Tippverhalten. Biometrische Merkmale gelten als besonders sicher, weil sie nur schwer zu fälschen sind. Tests an der Uni Regensburg haben allerdings gezeigt, dass ein Fingerabdruck in nur zwölf Minuten nachgebildet werden kann. Anders beim Tippverhalten: "Es ist sehr schwer nachzuahmen, weil es im Gegensatz zum Fingerabdruck nicht offen darliegt", sagt Bartmann.

Einen anderen Vorteil von Psylock nennt Holger Peine, Leiter der Forschungsgruppe Sichere Software am Fraunhofer-Institut für Software Engineering in Kaiserslautern: "Sein Tippverhalten vergisst man nicht, und man kann es auch nicht irgendwo auf einem Papier herumliegen lassen." Außerdem ist der Einsatz von Psylock - anders als bei anderen biometrischen Merkmalen - einfach: Nötig seien nur eine normale Tastatur und die Software.

Trotz der Vorteile glaubt der Fraunhofer-Experte nicht, dass Programme wie Psylock das Passwort ganz ablösen werden. Er gibt einer Kombination von Software und Passwort die größten Chancen. Es sei nicht bewiesen, dass das Tippverhalten immer konstant ist, so Peine. "Das Tippverhalten schwankt, je nachdem, wie man aufgelegt ist. Oder auch, wenn man sich einen Finger gebrochen hat." In solchen Situationen will auch Dieter Bartmann auf das Passwort zurückgreifen: "Wenn die Veränderung kurzfristig ist, benutzt man vorübergehend das Passwort. Ist sie dauerhaft, muss man das System neu trainieren."

Psylocks Zukunft liegt im Internet, glaubt Bartmann. Er denkt dabei vor allem an Marktforschungsinstitute. Die könnten bei Umfragen per Online-Fragebögen sicherstellen, dass nur die gewünschte Zielperson die Fragen beantwortet. "Mit Psylock könnten sie ausschließen, dass ein anderer als die Zielperson den Fragebogen ausfüllt und so das Resultat verfälscht." Auch beim E-Learning könnte die Software zum Einsatz kommen - zum Beispiel bei einer Online-Klausur. Hier würde Psylock im Hintergrund mitlaufen und die Identität des Prüflings kontrollieren.

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