Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.02.2012

09:56 Uhr

Öko-Institut

Grüne Computer könnten zwei Kohlekraftwerke ersetzen

Effizientere Computer könnten nach Angaben des Öko-Instituts zwei mittelgroße Kohlekraftwerke in Deutschland ersetzen. Zur Cebit fordert der Öko-Verband die Industrie zu mehr Anstrengungen beim Umweltschutz auf.

Der „Blaue Engel“ ist ein seit 1978 vergebenes Umweltzeichen, das umweltschonende Produkte und Dienstleistungen auszeichnet. Mit dem Umweltzeichen ausgezeichnete Desktop PCs verbrauchen zwischen 50 und 75 Prozent weniger Energie als marktübliche Computer. dpa

Der „Blaue Engel“ ist ein seit 1978 vergebenes Umweltzeichen, das umweltschonende Produkte und Dienstleistungen auszeichnet. Mit dem Umweltzeichen ausgezeichnete Desktop PCs verbrauchen zwischen 50 und 75 Prozent weniger Energie als marktübliche Computer.

Freiburg/DüsseldorfDer Beitrag, den die IT-Wirtschaft zum Klimaschutz leiste, bleibe wenig visionär, kritisiert das Öko-Institut. Hersteller von Arbeitsplatzcomputern, Laptops oder Monitoren hätten die Möglichkeit, besonders energieeffiziente und umweltfreundliche Geräte mit dem Blauen Engel auszeichnen zu lassen - bislang aber ohne Resonanz.

„Noch gibt es keinen einzigen Hersteller, der sich um den Blauen Engel mit seinen aktuell geltenden Anforderungen beworben hat“, bedauert Siddharth Prakash, Wissenschaftler am Öko-Institut und Experte für umweltfreundliche Informations- und Kommunikationstechnik (IKT). „Es wäre wünschenswert, dass sich die Industrie stärker für den Umwelt- und Klimaschutz stark macht und Geräte auf den Markt bringt, die energiesparend, langlebig und schadstoffarm sind.“

Nach Angaben des Öko-Instituts die Potenziale zur Energieeinsparung beim Alltagsgut Computer besonders groß. Würden alle deutschen Computeranwender energieeffiziente Desktop-PCs, Notebooks und Bildschirme nutzen, könnten pro Jahr zwischen fünf und sieben Terawattstunden Strom eingespart werden, behaupten die Experten. Das entspräche der Stromerzeugung von etwa zwei mittelgroßen Kohlekraftwerken. So könnten Emissionen von drei bis fünf Millionen Tonnen CO2 pro Jahr vermieden werden.

Zu diesem Ergebnis kommt das Öko-Institut im Rahmen der Erarbeitung von Kriterien für das Umweltzeichen Blauer Engel mit dem Zusatz „Schützt das Klima“. Dieser Blaue Engel zeichnet besonders klima- und umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen aus. Mit dem Umweltzeichen ausgezeichnete Desktop PCs verbrauchen zwischen 50 und 75 Prozent weniger Energie als marktübliche Computer.

Bei der Diskussion um Energie- und CO2-Einsparungen dürfen jedoch auch andere umweltrelevante Aspekte nicht vergessen werden, so die Experten des Öko-Instituts. Der Blaue Engel zeichnet deshalb solche Geräte aus, die besonders langlebig, schadstoffarm und recyclinggerecht sind.

Insbesondere eine lange Nutzung über möglichst viele Jahre verringert die Umweltbelastungen, denn der Herstellungsaufwand von IKT-Geräten ist sehr energie- und ressourcenintensiv. Geräte, die den Blauen Engel erhalten wollen, müssen deshalb unter anderem Ersatzteile für mindestens fünf Jahre vorhalten und einfach auf- und nachrüstbar sein.  

Strenge Anforderungen stellt der Blauen Engel an die Wahl der eingesetzten Materialien und will so zum Schutz der Arbeiter in den Fertigungs- sowie Recyclingfabriken beitragen. So dürfen Umweltzeichen-Kandidaten beispielsweise keine Kunststoffe enthalten, die unter der EU-Chemikalienverordnung REACH als besonders besorgniserregend identifiziert wurden und für Mensch und Umwelt eine Gefährdung darstellen.

Nicht zuletzt erfüllen die mit dem Umweltzeichen ausgezeichneten Computerkomponenten strenge Anforderungen an eine recyclinggerechte Konstruktion. Die Geräte müssen so konstruiert sein, dass sie für Recyclingzwecke leicht manuell zerlegbar sind, damit Gehäuseteile, Batterien, Leiterplatten und  Bildschirmeinheiten getrennt und weitgehend wiederverwertet werden können. Dies trägt zur Schonung kritischer, das heißt seltener Rohstoffe bei.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×