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05.03.2006

10:00 Uhr

Online-Partnerbörsen werden mobil

Hässlicher Frosch im Umkreis geortet

VonCordula Nussbaum
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Die größten Online-Partnerbörsen wagen den Sprung aufs Mobiltelefon. Singles sollen auch unterwegs ihr Glück finden.

Das Online-Dating boomt. Millionen Singles durchforsten regelmäßig das Netz nach einer neuen Liebe. Foto: dpa

Das Online-Dating boomt. Millionen Singles durchforsten regelmäßig das Netz nach einer neuen Liebe. Foto: dpa

MÜNCHEN. S-Bahnhof Marienplatz, Rushhour. Das Handy von "Susi_917" vibriert. Ein Blick auf ihr Farb-Display zeigt, dass "Jens_the_frog" sich im Umkreis von 15 Metern zu ihr in München befindet. Die 32-jährige Singlefrau drückt sich durch die Navigation ihres Handys, bis sie das Profil und das Foto von Jens_the_frog sieht. Verstohlen schaut sie sich um, zieht ihre Mütze tief ins Gesicht und macht ganz schnell ihr Handy aus. Diesen Frosch will sie wirklich nicht küssen.

Die Online-Partnerbörsen wagen den Sprung aufs Handy. Noch muss Susi_917 keine Angst vor dem hässlichen Frosch haben. Doch das kann sich schnell ändern. Fieberhaft arbeiten fast alle großen Anbieter daran, den Erfolg der Online-Partnerbörsen im Internet auf dem Handy zu wiederholen und einen neuen, rasant wachsenden Markt mit zweistelligen Millionenumsätzen zu erschließen. Wenn ohnehin jedes neue Multimedia-Handy mit Foto- und Internetfunktionen ausgeliefert wird, so die Idee, dann lässt sich das auch trefflich fürs mobile Anbandeln nutzen.

Die technischen Zutaten sind bereits vorhanden, um einen potenziellen Partner unterwegs zu kontakten. Man nehme ein Handy, das mit dem wenige Meter reichenden Nahbereichsfunk (Bluetooth) ausgerüstet ist, melde sich im Internet via PC oder Handy bei einer Kuppel-Börse an und gebe sein Profil sowie die Wunschmerkmale des Partners ein. Sobald ein passendes Mitglied der Börse in die Nähe kommt, signalisiert das Handy "Kontakt".

Möglich macht dies das spezielle Funksystem, das unabhängig vom Netzbetreiber innerhalb von 100 Metern Nachrichten verschicken kann - und das kostenlos.

Idee hat auf Single-Partys schon funktioniert

Die Idee hat auf Single-Partys in Diskotheken - mit Leihhandys - schon wunderbar funktioniert. "Wir haben es in Berlin in Großdiskotheken getestet, und die Leute waren begeistert", erzählt Florian Richter, Geschäftsführer von Sensomi in Potsdam - einer Softwareschmiede für mobile Internetlösungen, die mit "Flinxx" die mobile Flirtszene revolutionieren wollte.

Die ambitionierten Pläne haben die Potsdamer im vergangenen Sommer vorerst auf Eis gelegt. "Die Zeit war einfach noch nicht reif, weil es nicht genügend Bluetooth-fähige Handys gab", meint Richter. Dabei gibt es für solch einen mobilen Kuppelservice einen unangetasteten Massenmarkt. Elf Millionen Singles leben in Deutschland. Knapp jeder Zweite, schätzt die Online-Partnerbörse Parship, sucht aktiv einen Partner. Rund 6,7 Millionen Flirter wandelten im vergangenen Jahr im Internet auf Amors Spuren - Mehr-fachanmeldungen inbegriffen. Über 2500 Partnerbörsen nutzen das Internet bereits für Geschäfte mit der Einsamkeit. Die Mitgliederzahl schwankt zwischen 3,6 Millionen bei Marktführer friendscout24.de und einigen hundert bei kleineren Börsen - und fast alle Mitglieder besitzen ein Handy.

Kein Wunder, dass vor allem die großen Partnerbörsen jetzt ihre Handy-Geschäfte verstärken wollen - wenn auch nicht mit aufwendigen Bluetooth-Funktionen. Immerhin ein Drittel der Mitglieder von friendscout.de gab in einer repräsentativen Umfrage an, dass sie gern über das Handy flirten würden, es aber noch nicht getan haben. Vielen fehlt noch ein internetfähiges Handy, das herkömmliche Web-Seiten handygerecht auf das Display zurechtstutzt. Mit der schnellen Verbreitung von Multimedia-Handys mit Farbdisplay wird sich dieses Problem jedoch schnell lösen.

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