Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.07.2011

11:16 Uhr

Oslo-Attentat

Applaus aus dem Netz für einen Massenmörder

VonStephan Dörner

Der Täter von Oslo hat Menschen kaltblütig ermordet. Doch so abstoßend die Tat ist: In rechten Internet-Foren erhält er dafür Beifall. Das Netz präsentiert sich nicht zum ersten Mal von seiner unangenehmsten Seite.

Deckblatt des Manifests des Oslo-Attentäters. Anti-Islam-Aktivisten zeigen im Netz Sympathien für das Gedankengut des Oslo-Attentäters. Quelle: AFP

Deckblatt des Manifests des Oslo-Attentäters. Anti-Islam-Aktivisten zeigen im Netz Sympathien für das Gedankengut des Oslo-Attentäters.

Düsseldorf1511 Seiten umfasst das wahnhafte Werk des Attentäters, das er nach eigenen Angaben in jahrelanger Kleinarbeit aufgeschrieben und vor der Tat verschickt hat. Wie verbreitet seine dort geäußerten Gedanken, vor allem die Angst vor Überfremdung durch muslimische Einwanderer, sind, spiegelt sich auch im Internet wider. Der Attentäter selbst war auf der islamkritischen Website Document.no aktiv, äußerte sich wortreich in politischen Pamphleten gegen „Kulturmarxisten“ und die „Islamisierung Europas“.

Auch in Deutschland haben derartige Websites ein großes und aktives Publikum. Das deutsche islamkritische Blog „Politically Incorrect“ (PI) ist einer der populärsten Anlaufpunkte für die islamkritische Rechte in Deutschland. Im „PI-Shop“ können T-Shirts erworben werden mit Slogans wie „Sarrazin statt Muezzin“, bei allen politischen Fragstellungen sind die Rollen klar verteilt: Für alles Böse in der Welt sind der Islam und seine westlichen Erfüllungsgehilfen, die "Multikulti"-Apologeten, verantwortlich. So fragte einer der Autoren des Portals schon wenige Stunden nach dem Anschlag in Oslo: „Warum bombt der Islam ausgerechnet in Oslo?“

Inzwischen mutmaßen die gleichen Blogger aber auch, dass der geständige Attentäter „der islamkritischen Szene einen Bärendienst erwiesen“ habe. Die Autoren des Blogs treibt die Sorge um, „Linke“ könnten das Attentat ebenso „für ihre Zwecke instrumentalisieren“ wie schon die „jüngsten Katastrophen in Japan“.

Deutlicher in ihrem Wohlwollen werden die zumeist anonymen Kommentatoren des Blogs. Das wirre Manifest von Anders B. wird hier explizit gelobt: „Wäre es kein so trauriges Thema, könnte es eine Doktorarbeit sein“ urteilt ein Leser.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×