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08.06.2012

09:29 Uhr

Passwort-Klau

Datendiebstahl auch bei Last.fm und eHarmony

Hacker haben das Business-Netzwerke LinkedIn, den Musik-Dienst Last.fm und die Dating-Plattform eHarmony angegriffen.

Login-Seite von LinkedIn. Im Netz kursieren offenbar rund acht Millionen Passwörter der Business-Plattform. Reuters

Login-Seite von LinkedIn. Im Netz kursieren offenbar rund acht Millionen Passwörter der Business-Plattform.

Boston/New YorkLinkedIn und eHarmony räumten am Mittwochabend nach mehreren Meldungen über einen millionenfachen Passwort-Diebstahl ein. Am Donnerstag folgte Last.fm. Der populäre Musikdienst forderte wie zuvor LinkedIn und eHarmony alle seine Nutzer auf, das verwendete Passwort zu ändern. Alle drei Unternehmen machten keine Angaben zu der Zahl der Benutzer, die betroffen sind. Zuvor hatte die Technologie-Site Ars Technica von insgesamt acht Millionen verschlüsselten Passwörtern berichtet, die von einem Hacker mit dem Pseudonym dwdm im Internet verbreitet würden. Er habe in einschlägigen Foren um Hilfe bei der Entschlüsselung gebeten. Unklar blieb zunächst, ob nur die beiden Firmen betroffen waren und ob vielleicht noch mehr Daten gestohlen wurden.

Dem Fachportal Heise Security liegen 2,5 Millionen Passwort-Hashes von Last.fm vor. Die im Internet aufgetauchten Passwörter sind „gehasht“ - das heißt, sie wurden mit einem Algorithmus unkenntlich gemacht. Es ist jedoch keine echte Verschlüsselung, so dass sie mit etwas Aufwand oft wiederhergestellt werden können.

Sicherheitstipps für PC und Mac

Datensparsamkeit

Nutzer von Internetdiensten sollten sparsam mit Daten umgehen und nur so viel Informationen preisgeben wie nötig. Man kann sich durchaus auch mit einem Anbieter in Verbindung setzen und fragen, warum er unbedingt eine bestimmte Information braucht.

Überlegen Sie sich grundsätzlich, ob es notwendig ist, sich bei einem bestimmten Dienst mit Daten anzumelden. Verlangen Sie von Diensten, die Sie nicht mehr nutzen die Löschung Ihrer personenbezogenen Daten. Sofern das Unternehmen die Daten – beispielsweise für Abrechnungen – nicht mehr benötigt, ist es dazu verpflichtet, die Daten auf Wunsch zu löschen. Sie können sich dabei auf das Bundesdatenschutzgesetz berufen.

Software-Updates einspielen

Wenn Sicherheitslücken ausgenutzt werden, befinden sich diese heutzutage nur noch selten im Betriebssystem selbst, sondern viel häufiger in installierter Standard-Software wie dem Webbrowser, Adobe Acrobat Reader oder Adobe Flash. Die drei genannten und besonders gefährdeten Anwendungen können selbst aktiv Inhalte ausführen und sind daher für Attacken beliebt. Achten Sie daher darauf, dass nicht nur das Betriebssystem regelmäßig aktualisiert wird, sondern auch Ihr Webbrowser sowie die installierte Standard-Software wie PDF-Betrachter und Flash-Plugin.

Sämtliche installierte Software auf Aktualität und Sicherheitslücken zu prüfen, ist ohne Hilfe natürlich eine Herkulesaufgabe. Zum Glück gibt es die kostenlose Software Secunia Personal Software Inspector (PSI). PSI sucht automatisch nach veralteter Software. Mit dem Menüpunkt „Secure Browsing“ lässt sich außerdem nach veralteten Browser-Erweiterungen suchen. Übrigens sind diese Erweiterungen auch der häufigste Grund für Abstürze von Browsern – weniger ist daher meist mehr.

Anti-Viren-Lösung

Viren und Würmer gefährden die Daten-Sicherheit. Daher sind Präventionsmaßnahmen angeraten. „Viel hilft viel“ ist hier allerdings nicht angesagt, da sich verschiedene Anti-Viren-Scanner gegenseitig stören. Optimal ist daher die Kombination aus drei Schutzarten. Installieren sollte man eine Personal Firewall, die ein- und ausgehende Verbindungen kontrolliert und einen Virenscanner, der mit seinen Virensignaturen bekannte Schädlinge stoppt; außerdem sollte die Schutz-Software heuristische Methoden einsetzen, die auch unbekannte Schädlinge aufgrund des Verhaltens erkennt. Anti-Virus-Lösungen gibt es nicht nur für Windows-Rechner, sondern auch für Macs.

Verhalten

Mac und Windows

Noch wichtiger als ein stets aktueller Virenschutz ist allerdings das Verhalten des Nutzers: Führen Sie keine Dateien aus dubiosen Quellen aus und öffnen Sie keine Anhänge von E-Mails, die Ihnen seltsam vorkommen.

Festplatte verschlüsseln

Mac und Windows

Wenn wichtige geschäftliche oder private Daten in falsche Hände geraten, können große Schäden entstehen. Die Gefahr ist insbesondere bei mobilen Rechnern groß. Von daher ist es ratsam, sensible Daten zu verschlüsseln. Als besonders sicher gilt die kostenlose Software TrueCrypt, die für Windows, Linux und Mac OS X verfügbar ist. Damit können sowohl einzelne Ordner als auch die gesamte Festplatte verschlüsselt werden. Selbst das FBI hat sich an TrueCrypt schön die Zähne ausgebissen: Nach fast einem Jahr musste die US-Behörde die Festplatte eines brasilianischen Bankiers zurückgeben – nach wie vor verschlüsselt. 

Haupteinfallstor E-Mail-Account

Jedem ist bewusst, dass die Nutzerkonten bei Amazon, Ebay oder Paypal durch ein langes und sicheres Passwort geschützt sein sollten. Der beste Schutz dort nützt aber nichts, wenn nicht auch das E-Mail-Konto gut abgesichert ist. Hat sich ein Angreifer Zugang zum Posteingang verschafft, kann er auch ohne großen Aufwand auf alle weiteren Nutzerkonten zugreifen, indem er sich einfach neue Passwörter zuschicken lässt – egal ob bei Ebay oder anderen Services im Web.

Passwörter

Grundsätzlich ratsam ist es, nicht nur sichere Passwörter zu verwenden, sondern auch immer unterschiedliche bei verschiedene Diensten. Mit den einmal geklauten Login-Informationen lassen sich ansonsten Benutzerkonten auf Einkaufs-Websites, bei Reiseanbietern oder anderen Dienstleistern öffnen und widerrechtlich nutzen.

Wie so häufig beim Thema Sicherheit steht dabei jedoch die Bequemlichkeit im Weg: Wie nur soll man sich mehrere Passwörter merken, die auch noch sicher sind – das heißt keine Wörter, die man im Duden findet und möglichst noch mit Sonderzeichen?

Dafür gibt es einen Trick: Statt eines kryptischen Wortes merken Sie sich einfach einen sinnvollen Satz, der für Sie eine Bedeutung hat. Das Passwort besteht dann auf den jeweiligen Anfangsbuchstaben des Satzes – bei Beachtung der Groß- und Kleinschreibung. Ein Beispiel wäre der Satz: Meinen Rechner mache ich mit einem komplizierten Passwort sicher. Als Passwort wird daraus: MRmimekPs – ein Wort, das Sie garantiert in keinem Lexikon finden.

Auf sichere Datenübertragung achten

Wann immer sensible Informationen im Web übertragen werden, sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass es sich um eine verschlüsselte SSL-Verbindung handelt. Das erkennen Sie daran, dass die Webadresse im Adressfeld mit https:// beginn statt http://. Aktuelle Versionen der gängigen Browser Firefox, Internet Explorer, Chrome, Opera und Safari überprüfen dabei automatisch, ob der Anbieter der verschlüsselten Verbindung auch der ist, für den er sich ausgibt. Wichtig ist dabei, die jeweils neueste Version des Browsers zu verwenden. Diese haben einen Phishing-Schutz eingebaut, der die meisten Websites erkennt, die nicht das sind, was sie vorgeben.

In den veröffentlichten Dateien aller Plattformen waren nur die Passwörter aufgeführt, nicht jedoch weitere Angaben wie E-Mail-Adressen. Experten nannten es jedoch wahrscheinlich, dass den Tätern auch diese vorliegen könnten. Damit wäre es möglich, auf die Benutzerkonten zuzugreifen. Mary Landesman von Cloudmark warnte vor Erpressungsversuchen, sollten die Täter an heikle persönliche Daten der Nutzer gelangt sein. "Das könnten sie jahrelang ausnutzen." Sie und ein anderer Experte bemängelten, dass LinkedIn nur ein vergleichsweise einfaches Verfahren zur Verschlüsselung der Passwörter verwendet habe. "Was sie gemacht haben, gilt als schlechte Vorgehensweise", sagte Landesman. Das Unternehmen lehnte eine Stellungnahme zu den Vorwürfen ab.

Das Karriere-Netzwerk LinkedIn mit Sitz in Kalifornien hat weltweit mehr als 161 Millionen Nutzer, 61 Prozent davon außerhalb der USA. eHarmony ist eine Kontaktbörse mit über 20 Millionen registrierten Kunden. In jüngster Zeit sind mehrere erfolgreiche Hackerangriffe bekannt geworden. Im Dezember wurden Informationen der Analystengruppe Stratfor veröffentlicht. Darunter waren Daten, die dem ehemaligen US-Vizepräsidenten Dan Quayle und Ex-Außenminister Henry Kissinger gehörten.

Die Attacken auf Firmen-Datenbanken nahmen zuletzt massiv zu. Besonders heftig war im vergangenen Jahr der japanische Sony-Konzern betroffen, bei dem Unbekannte Informationen von schätzungsweise mehr als 100 Millionen Nutzern erbeuten konnten.

LinkedIn steht derzeit auch in der Kritik von Datenschützern. Das Unternehmen musste sich rechtfertigen, nachdem Experten entdeckten, dass die Smartphone-App des Netzwerks großzügig Informationen zu Terminen und Adressbuch von Nutzern auf Server des Netzwerks hochgeladen hatte. Darunter waren zum Beispiel auch Notizen, die man zu einem Termin angelegt hatte. Diese will LinkedIn künftig aussparen. An sich sei das Überspielen der Daten jedoch notwendig, um die Termine mit Informationen aus dem LinkedIn-Netzwerk zu verknüpfen. Die Daten würden nicht aufgehoben, und man habe die Nutzer stets nach einer Zustimmung für den Zugriff auf ihre Adressbücher gefragt.

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