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04.02.2008

08:23 Uhr

Peinliche TV-Expertin

Die Rache der Spieler

VonSönke Iwersen

Eine Psychologin aus den USA bekommt gerade den geballten Zorn der Fans von Videospielen zu spüren. Nachdem Cooper Lawrence beim TV-Sender Fox News ein Spiel kritisierte, das sie gar nicht kannte, nutzt die Spielergemeinde die Möglichkeiten des Web 2.0 zum massiven Gegenangriff. Mit Schmähschriften auf Amazon.com machen sie Lawrence systematisch zur Lachnummer. Ein mahnendes Beispiel für alle Pseudo-Experten.

DÜSSELDORF. Hätte sie doch bloß mal ihren Mund gehalten. Bis vor wenigen Tagen durfte Cooper Lawrence ausgesprochen zufrieden sein mit ihrer Präsenz in den Medien. Die Psychologin hat eine eigene Radiosendung, ist Autorin mehrerer Selbsthilfebücher und wird laufend als Expertin eingeladen – von der Tyra-Banks-Show bis hin zu CNN. Das dürfte sich ändern. 300 000 Treffer ergibt derzeit bei Google die folgende Suchanfrage: Cooper Lawrence lies – Cooper Lawrence lügt.

Die erfolgsverwöhnte Psycho-Expertin hat sich mit den Falschen angelegt – so viel steht fest. Die Geschwindigkeit, mit der ihr Ruf gerade im Internet abstürzt, wird nur übertroffen von der Heftigkeit der Attacken gegen Lawrence. „Dreckige Heuchlerin“ ist noch eine der freundlicheren Beschreibungen, die unzählige Fans von Computerspielen gerade über sie verbreiten. TV-Gästen sollte der Fall eine Lehre sein. Denn Lawrence Cooper hat etwas getan, das gar nicht so selten ist: Sie hat öffentlich über etwas gesprochen, von dem sie keine Ahnung hat.

„Der Spieler entscheidet in diesem Spiel als Mann, mit wie vielen Frauen er schlafen will“, erklärte Lawrence kürzlich, als sie als Expertin vom TV-Sender Fox News eingeladen wurde. Thema der Sendung war „Mass Effect“ – ein Spiel, dass Lawrence vor ihrem Auftritt nie gesehen hatte, wie sie inzwischen einräumt. Dies hinderte sie freilich nicht daran, angefeuert von den Fox-Moderatoren vor Videospielen wie „Mass Effect“ zu warnen, „in denen Frauen ausschließlich als Lustobjekte dargestellt werden.“ Das sei ausgesprochen schädlich für die Entwicklung der Jugendlichen.

Electronic Arts, der Herausgeber des Spiels, reagierte sofort. In einem Brief an Fox News geißelte der Konzern die Berichterstattung als beleidigend und irreführend. Weder gebe es bei „Mass Effect“ pornographische Nacktaufnahmen, noch könne man als Spieler in Sexszenen agieren, wie von den Fox-Moderatoren behauptet. Die Aussagen seien wohl mit der Angst der TV-Sender zu erklären, dass ihre Zielgruppe immer mehr Zeit mit Videospielen statt mit Fernsehen verbringe.

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