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02.06.2014

08:29 Uhr

Performance-Probleme verheimlicht?

Agenten fordern zum Test

VonSteffen Ermisch

Große Cloud-Anbieter wie Google setzen vor allem auf den Preis. Dafür gibt es allerdings auch keine individuelle Betreuung. Eine spezielle Software hilft nun, die Leistung der Anbieter von IT-Infrastruktur zu prüfen.

IT-Manager befürchten, dass Cloud-Anbieter ihre Performance-Probleme verstecken. Reuters

IT-Manager befürchten, dass Cloud-Anbieter ihre Performance-Probleme verstecken.

KölnIm Wettbewerb um Unternehmenskunden setzen große Cloud-Anbieter wie Amazon und Google vor allem auf eines: den Preis. Individuelle Betreuung gibt es für Mieter von Rechen- und Speicherkapazitäten nicht - die Nutzer richten sich ihre Software selbst ein und akzeptieren per Mausklick die Vertragsbedingungen der Anbieter.

Besonders vertrauensvoll erscheint die Zusammenarbeit angesichts der Massenabfertigung nicht: Fast drei Viertel der IT-Entscheider befürchten gar, dass ihr Cloud-Anbieter Probleme verschweigt, die sich auf die Geschwindigkeit eigener Anwendungen auswirken können. Das ist das Ergebnis einer Studie der Marktforschung Research in Action, die der Softwareanbieter Compuware in Auftrag gegeben hat. Die Garantien, die Anbieter in ihren Service-Level-Agreements (SLA) geben, halten die Befragten mehrheitlich für unzureichend.

Das ABC des Cloud-Computing

Software as a Service (SaaS)

Bei diesem Konzept laufen Anwendungen – etwa für Textverarbeitung oder Kundenverwaltung –nicht auf dem eigenen Rechner, sondern auf den Servern des Dienstleisters. Aufgerufen werden sie übers Internet. Meist ist nicht mehr als ein Browser nötig. Bezahlt wird in der Regel per Abo. Daher ist auch von Miet-Software die Rede.

 

Infrastructure as a Service (IaaS)

Unternehmen können auch Rechenleistung oder Speicherplatz über die Cloud beziehen – in diesem Fall ist von Infrastructure as a Service die Rede. Gerade Startups können auf diese Weise schnell und unkompliziert ihre Website aufbauen und bei Bedarf die Kapazitäten auf Knopfdruck vergrößern.

Platform as a Service (Paas)

IT-Entwickler können auch eine virtuelle Computer-Plattform über die Cloud nutzen. Das erleichtert die Programmierung, weil sie selbst keine spezielle Hardware aufstellen müssen.

Public Cloud

Wenn Unternehmen ihre Cloud-Dienste öffentlich zugänglich anbieten, ist von der Public Cloud die Rede. Dabei handelt es sich oft um standardisierte und somit günstige Services. Der Zugriff erfolgt übers Internet.

Private Cloud

Wie bei Public-Cloud-Lösungen liegen die Daten oder Anwendungen auf Servern – diese betreibt das Unternehmen jedoch selbst. Der Zugang ist bei der Private Cloud auf die eigenen Mitarbeiter sowie autorisierte Geschäftspartner und Kunden beschränkt. Weil der Betreiber mehr Kontrolle hat, eignet sich diese Lösung für sensible Daten. Vor allem große  Unternehmen und öffentliche Einrichtungen setzen darauf.

 

Hybrid Cloud

Eine Mischung aus Public und Private Cloud – das Unternehmen setzt also beide Elemente ein.

„Die meisten Anbieter geben simple Verfügbarkeitsgarantien“, sagt Analyst Thomas Mendel. „Daraus lässt sich aber nicht auf die Performance schließen, die gerade bei Anwendungen wie Onlineshops aber entscheidend ist.“

Das Unbehagen der Anwender hat noch einen weiteren Grund. „Beim Outsourcing hat man früher wochenlang über die SLAs verhandelt“, erklärt Christian Runte, Partner der Anwaltskanzlei CMS Hasche Sigle in München. „Jetzt können sich einige Anbieter erlauben, die Bedingungen einfach zu diktieren.“ Für IT-Manager sei das ein Paradigmenwechsel: Wollen sie die Leistungen von Google Co. in Anspruch nehmen, müssen sie deren Konditionen akzeptieren. Im Gegenzug seien die Verträge jederzeit kündbar. „Wenn die Qualität nicht stimmt, kann man sehr schnell zur Konkurrenz wechseln“, so Runte.

Um die Qualität zu prüfen, müssen die Unternehmen die aus der Cloud erhaltene Leistung messen. IT-Dienstleister wie CA Technologies, Dell und Compuware sehen das als wachsenden Markt für Software zur Geschwindigkeitsprüfung. "In eigenen Rechenzentren lässt sich die Leistung der Server direkt messen. In Public-Cloud-Umgebungen hat man auf die Infrastruktur aber keinen Zugriff und muss direkt bei den Applikationen ansetzen", sagt Compuware-Berater Daniel Kaar.

Die Lösung seien sogenannte Agenten, die angedockt an Standardsoftware in den Cloud-Umgebungen installiert werden - und fortan etwa Reaktionszeiten und den Kapazitätsverbrauch messen. Aus den Daten lasse sich nicht nur ableiten, wie es um die Leistung bestellt ist, bemerkt Kaar. Ziel der Kunden sei auch, Schwachstellen in der eigenen Software zu finden.

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