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21.08.2015

10:36 Uhr

Personalisierung

Spotify will Zugang zu Fotos und Ortsdaten

Clevere Personalisierung gilt als der Schlüssel für den Erfolg neuer Musikdienste. Dafür müssen die Anbieter jedoch viel über die Kunden wissen. Marktführer Spotify interessiert sich jetzt auch für Fotos und Ortsdaten.

Der Marktführer der Musikdienste will immer mehr Daten von seinen Nutzern. AFP

Spotify

Der Marktführer der Musikdienste will immer mehr Daten von seinen Nutzern.

BerlinDer Musikdienst Spotify will deutlich mehr über seine Nutzer erfahren. „Mit Ihrer Zustimmung erfassen wir Informationen, die Sie auf Ihrem Mobilgerät gespeichert haben. Dazu gehören Kontakte, Fotos oder Mediendateien“, heißt es in einer neuen Fassung der Datenschutzbestimmungen, der die Kunden zustimmen müssen, um den Service weiter zu nutzen.

An Ortungsdaten ist die schwedische Firma ebenso interessiert: Abhängig von den Einstellungen „können wir auch Informationen zu Ihrem Standort über beispielsweise die GPS-Daten Ihres Mobilfunkgeräts oder andere Formen der Lokalisierung mobiler Geräte (z. B. Bluetooth) erfassen“. Andere Nutzer von Spotify-Diensten könnten über den Standort benachrichtigt werden.

Erfasst werden auch Informationen von Sensoren – etwa „Daten über die Geschwindigkeit Ihrer Bewegungen, beispielsweise, ob Sie laufen, gehen oder unterwegs sind“. Spotify bietet inzwischen an, beim Joggen den Rhythmus der Musik an das Tempo des Läufers anzupassen. Das geht nicht ohne Zugang zu Sensordaten.

Streaming-Dienste

Nutzen statt besitzen

Beim Musik-Streaming werden Songs direkt aus dem Internet abgespielt, statt sie auf die Geräte herunterzuladen. Dafür werden die Dateien in viele kleine Pakete zerlegt und in einem konstanten Strom aufs Gerät übertragen. Fans können damit Musik nutzen, ohne sie zu besitzen.

Marktführer Spotify

Es ist ein noch relativ kleines aber schnell wachsendes Geschäft. Größter Anbieter ist die schwedische Firma Spotify mit aktuell 15 Millionen zahlenden Kunden und 45 Millionen Gratis-Nutzern. Es gibt aber auch zahlreiche andere Dienste – allein in Deutschland gibt es 15 Anbieter, darunter Radio und Deezer und Apple Music.

Volle Auswahl für 10 Euro

Die meisten Anbieter setzen auf ein Abo-Modell: Für einen monatlichen Betrag gibt es den Zugriff auf ein Angebot aus Millionen Songs. Die Paketpreise beginnen bei fünf Euro, für rund 10 Euro bekommen Nutzer oft auch eine Offline-Funktion. In einigen Fällen können Musikfans eine werbefinanzierte Variante mit weniger Funktionen auch kostenlos nutzen.

Erfolg im zweiten Versuch

Schon vor rund zehn Jahren versuchten verschiedene Anbieter, Abo-Dienste zu etablieren – der Durchbruch kam aber erst mit der Verbreitung von Smartphones und allgegenwärtigen schnellen Datenverbindungen.

Mäßiger Sound

Als eine Schwäche gilt bei Musik-Enthusiasten die starke Kompression, die nötig ist, um die Dateien möglichst sparsam durch die Netze zu kriegen. Das kann die Sound-Qualität drücken.

Stand: Januar 2015

Mit den neuen Daten solle der Service für die Nutzer verbessert und neue Angebote entwickelt werden, erklärte Spotify in einem Blogeintrag vor Einführung der Regeln. Die Personalisierung der Song-Auswahl gilt als der Schlüssel für den Erfolg künftiger Musikdienste. Die Vision ist, dass dem Nutzer aus Millionen Titeln die passende Musik zur aktuellen Tageszeit, Situation, Beschäftigung oder sogar Stimmung präsentiert werden kann. Dafür müssen die Anbieter zugleich viel über die Kunden wissen.

Spotify gilt als Marktführer unter den neuen Streaming-Diensten, die Musik direkt aus dem Netz abspielen. Der Service hat 75 Millionen Nutzer, von denen 20 Millionen zahlende Abo-Kunden sind. Zugleich wächst die Konkurrenz: Ende Juni stieg auch Apple in das Geschäft ein und kam in der noch laufenden Gratis-Probezeit auf elf Millionen Nutzer binnen eines Monats.

Spotify hatte bei der Ankündigung der Änderungen versichert, dass man für das Teilen von Orten, Fotos und Kontakten einzeln die Erlaubnis der Nutzer einholen werde – oder sie über Möglichkeiten informieren, dies abzustellen. Datenschutz und die Sicherheit der Daten hätten höchste Priorität.

Von

dpa

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