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24.02.2012

07:29 Uhr

Prozess gegen Manning

Der schmächtige Staatsfeind Nummer eins

VonNils Rüdel

Held oder Verräter? Der junge US-Soldat Bradley Manning soll Hunderttausende Geheimdokumente bei Wikileaks hochgeladen haben. Jetzt stand er erstmals vor einem Militärgericht. Ein Besuch im Gerichtssaal von Fort Meade.

Anklage gegen Manning

Video: Anklage gegen Manning

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Fort MeadeDer US-Militärstützpunkt Fort Meade ist eher eine Kleinstadt als eine Kaserne. Mit Kirche, einem Museum, einem Burger King und bunten Kinderschaukeln in den Vorgärten. Ein eingezäuntes Idyll, hineingepflanzt in die Wälder von Maryland, 40 Kilometer nordöstlich von Washington. Etwas abseits ragen die Antennen und pilzförmigen Abhörstationen des Geheimdienstes NSA hervor, der hier seinen Sitz hat und von hier aus die ganze Welt belauscht. Eine Behörde, der man seit dem Thriller „Der Staatsfeind Nummer eins“ so ziemlich alles zutraut.

In einem Backsteinbau, nicht weit von dem verglasten NSA-Hauptgebäude entfernt, sitzt der aktuelle Staatsfeind Nummer eins auf der Anklagebank und hat die Hände umklammert. Der Obergefreite Bradley Manning trägt eine schwarze Plastikbrille und ist so klein und schmal, dass er in seiner dunkelgrünen Army-Uniform zu verschwinden scheint. Er sitzt hier, weil er als mutmaßlicher Informant der Enthüllungs-Plattform Wikileaks einer der größten Geheimnisverräter der US-Militärgeschichte sein soll.

„Ja, Euer Ehren“ und „Nein, Euer Ehren“ ist das einzige, das er an diesem Donnerstag, dem ersten Tag vor einem Militärgericht, sagen wird. Für den 24-Jährigen steht viel auf dem Spiel: Der Staatsanwalt will die Anklage verlesen und Manning soll auf schuldig oder nicht schuldig plädieren. Vorbereitungen für den großen Prozess, der weltweit verfolgt werden wird. Die Vereinigten Staaten gegen Private First Class Bradley Manning.

„Erheben Sie sich“, ruft der uniformierte Gerichtsdiener, als Richterin Colonel Denise Lind den Saal betritt. Der schwere Teppich dämpft den Schall. An den dunklen Holztischen vor der Richterbank ist es voll: Manning hat neben seinem zivilen Anwalt David Coombs zwei Militärverteidiger bei sich, die Staatsanwaltschaft kommt zu dritt.

Ihr Verhandlungsführer, ein zackiger Mittdreißiger in blauer Uniform, braucht zehn Minuten, um durch die insgesamt 22 Anklagepunkte zu kommen. Darunter der Verstoß gegen Spionage-Gesetze und, noch schwerwiegender, Unterstützung des Feindes. Ein Kapitalverbrechen, schon allein deshalb droht Manning lebenslange Haft – von der Todesstrafe hatten die Strafverfolger abgesehen. 

Kommentare (7)

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24.02.2012, 08:01 Uhr

Die eigentlichen Feinde jedes Staates und jedes Volkes sind die, die Wahrheiten verschweigen, Schlechtes vertuschen, Böses beschönigen und ihren Wählern faustdicke Lügen auftischen.

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24.02.2012, 08:32 Uhr

Gesetzt den Fall, dass Manning tatsächlich die Informationen durchgespielt hat, wird er sich doch wohl seines persönlichen Risikos auf Strafvervolgung bewusst gewesen sein. Schliesslich wird man nicht Datenanalyst wenn man seinen Verstand nicht gebrauchen kann.
Die Tatsache, dass Manning dennoch Daten entfremdet hat, würde dann bedeuten, dass es ihm dieses Risiko wert war. Die Frage ist ,warum? Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass jemand das Video in dem irakische Zivilisten aus dem Hubschrauber beschossen werden schrecklich findet und diesen Missstand an die Öffentlichkeit bringen will - auch hier weiss er natürlich, dass Verfolgung nicht ausgeschlossen ist. Bei den geleckten Telegrammen allerdings kann ich den Gedankengang weniger nachvollziehen. Ich kann mir kaum vorstellen dass Manning all diese Daten als Missstand anprangern will, denn die übergrosse Mehrheit ist gänzlich uninteressant. Weiter kann ich mir kaum vorstellen dass er die ~100.000 (?) Telegramme überhaupt alle durchgesehen hat. Was bewegte Manning also und wie will er sich hierfür rechtfertigen?
Übrigens finde ich auch, dass es sinnvoll ist, dass eine Regierung geheime Nachrichtenkanäle benutzen kann und dass diese nicht angetastet werden sollten. Wenn "Anonymous" morgen den Mail-Server ihres Unternehmens hackt und alle von Ihnen geschriebene Email veröffentlicht, dann wären da vielleicht auch einige dazwischen, wo über Kollegen, Kunden oder Vorgesetzte geschrieben wird - und zwar auf eine Art die diese nicht schmeichelhaft fänden. Es ist für mich, aus dieser Sicht, darum gerechtfertigt dass Manning hierfür vervolgt wird.
Abschliessend eben zum Ton des Artikels: Dass Manning schmächtig und naiv wirkt/ist verändert nicht daran was er getan hat oder daran wie schwierig die U-haft für ihn ist - und doch bekomme ich das Gefühl das dies im Artikel suggeriert wird. Menschen sollten nach ihren Taten und nicht nach ihrer Erscheinung beurteilt werden - im Positiven wie im Negativen.

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24.02.2012, 09:09 Uhr

hoffentlich haben sie mit diesem komplexen Kommentar jetzt nicht ihr ganzes geistiges Pulver für den Tag verschossen! :D

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