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24.11.2011

12:24 Uhr

Radikale Kampagnen

Wie Neonazis Facebook unterwandern

Quelle:Tagesspiegel

Rechtsextreme unterwandern Facebook und auch Plattformen der Occupy-Bewegung. Mit subtilen bis haarsträubenden Behauptungen versuchen sie, im Web neue Anhänger zu gewinnen.

Rechtsextremismus wird in den sozialen Netzen zu einem immer größeren Problem. dpa

Rechtsextremismus wird in den sozialen Netzen zu einem immer größeren Problem.

Berlin„Keine Gnade für Kinderschänder“, diese Haltung teilen viele Menschen, so auch im sozialen Netzwerk Facebook. Die Betreiber der Seite waren äußerst aktiv, 70.000 Mitglieder der Community erklärten per „Gefällt mir“-Button ihre Zustimmung zu der Forderung. Die von den Seitenbetreibern organisierten Veranstaltungen erreichten bis zu 200.000 Unterstützer.

Bis die Seite vor drei Wochen geschlossen wurde, weil das Thema Kindesmissbrauch nur eine Tarnung war. Tatsächlich nutzte die Naziszene die Seite zur Verbreitung ihrer rechten Ideologie bis hin zur Forderung nach der Einführung der Todesstrafe. „Das wurde wirklich sehr professionell und akribisch gemacht“, sagt Simone Rafael von der Initiative No-Nazi.net.

No-Nazi.net gehört wie auch „Netz gegen Nazis“ zur Amadeu Antonio Stiftung, die sich dem Kampf gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus verschrieben hat. Bereits vor geraumer Zeit beobachtete die Stiftung, wie der Rechtsextremismus in den sozialen Netzen zum gravierenden Problem wurde.

Anders als bei den bisherigen Aktivitäten wendet sich No-Nazi.net nun in Facebook, SchülerVZ und wer-kennt-wen mit eigenen Gruppen direkt an die Jugendlichen, um dort Aufklärungsarbeit zu leisten und Diskussionen anzuregen. Auch in der aus einer Flirtbörse hervorgegangenen Community Jappy ist die Initiative aktiv. Jappy ist in den neuen Bundesländern stark vertreten, was die Plattform für die Rechten interessant macht.

Vor anderthalb Jahren rief die rechte Publikation „Deutsche Stimme“ dazu auf, sich in den Netzwerken als „nette Rechte von nebenan“ zu präsentieren. Statt durch Tattoos und Springerstiefel aufzufallen, sollten lokale Kontakte geknüpft, Unterstützer für eigene Kampagnen gefunden und die NPD als wählbare Partei dargestellt werden.

Kommentare (2)

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Selberdenker

24.11.2011, 14:31 Uhr

Bei all dem martialischem Kampf gegen Rechts frage ich mich dann doch, was es für Anreize setzt, wenn man dem Feuerwehrmann Geld fürs Feuerlöschen gibt. Wie wäre es eigentlich mit einem Kampf gegen jegliche totalitäre Ideologie, oder einem Kampf für die Freiheit?

Deutungshoheit

24.11.2011, 16:52 Uhr

Wer entscheidet eigentlich, wer ein solcher ganz schlimmer und schrecklicher Rechtsextremer ist? Etwa die hier erwähnten "Initiativen" und "Stiftungen"? Die sind selbst oft genug bestens mit Radikalen und Extremisten vernetzt und durchsetzt, allerdings von links und nicht von rechts. Das ist aber ok, denn schliesslich gibt es ja z.B. keine linksextremen Schlägertrupps (F.-W. Steinmeier), und wer doch meint welche zu kennen (etwa die jeweilige lokale Antifa), der ist sicher auch selbst ein Nazi. Linksextreme Aktivitäten im Internet, z.B. die Verbreitung so harmloser Dinge wie Bauanleitungen für Brandsätze, sind natürlich auch nicht schlimm. Denn die werden ja auch nur gegen Nazis eingesetzt, z.B. gegen die Bundeswehr und die Bahn.

Im Ernst: wir werfen über Umwege oder direkt linken Verfassungs- und Demokratiefeinden Geld in den Rachen, damit sie rechte Verfassungs- und Demokratiefeinde bekämpfen?

Man sollte dabei nur eins beachten: wenn es eins gibt, was Antifa und Co. noch mehr hassen als reale und eingebildete "Nazis", dann ist das Deutschland selbst ...

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