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01.01.2007

08:45 Uhr

Raumfahrt

Galileo soll GPS Konkurrenz machen

Wenn Thorsten Rudolph vom neuen europäischen Navigationssystem Galileo spricht, strahlen seine Augen vor Begeisterung.

Günter Stamerjohanns dpa

Der Vorstandschef von Galileo Industries, Günter Stamerjohanns, zeigt ein Bild der Erde, die von Galileo-Telekommunikationssatelliten umkreist wird (Archivbild vom 19.01.2006)

dpa OBERPFAFFENHOFEN. Wenn Thorsten Rudolph vom neuen europäischen Navigationssystem Galileo spricht, strahlen seine Augen vor Begeisterung. Unzählige Möglichkeiten fallen dem 41-Jährigen ein: „Wenn Sie in einer großen Menschenmenge - zum Beispiel auf dem Oktoberfest oder im Fußballstadion - jemanden suchen, können Sie sich direkt dorthin navigieren lassen.“

Unternehmen könnten ihre Fracht weltweit verfolgen und Verunglückte schneller geborgen werden, sagt der Geschäftsführer des Anwendungszentrums für Satellitennavigation in Oberpfaffenhofen bei München.

Mit dem milliardenschweren Projekt wollen EU und die europäische Weltraumorganisation Esa von 2011 an aber nicht nur Arbeit und Leben vereinfachen, sondern auch - vielleicht sogar in erster Linie - die Vormachtstellung der US-Variante GPS (Global Positioning System) brechen. „Galileo wird genauer sein als das amerikanische GPS“, sagt Walter Päffgen (47), der im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen für den Galileo-Betrieb verantwortlich ist. Zudem werde es ständige Verfügbarkeit garantieren. Militärisch genutzte Systeme wie GPS oder das russische Glonass könnten aus Sicherheitsgründen jederzeit für die zivile Nutzung gesperrt werden.

30 Galileo-Satelliten - drei davon in Reserve - sollen in naher Zukunft um die Erde kreisen und Signale an die auf allen Kontinenten verstreuten Bodenstationen senden. Bis auf wenige Zentimeter genau werde das System einen Nutzer an den gewünschten Ort führen, sagt Päffgen und verweist darauf, dass Galileo mit GPS und Glonass kompatibel sein wird. „Galileo ist schon sehr genau. Gemeinsam mit GPS ist es sehr, sehr genau.“

Um Fehler zu vermeiden und mögliche Anwendungen auszuprobieren, errichtet das DLR derzeit im bayerischen Berchtesgaden nahe der österreichischen Grenze eine Test- und Entwicklungsumgebung namens Gate. Auf sechs Bergen werden Antennen und Signalgeneratoren installiert, im Tal so genannte Monitoring-Stationen, welche die Signale überwachen. Die realen Bedingungen würden perfekt simuliert, sagt der Leiter des Technologiemarketing im DLR, Stephan Jacquemot. „Das Empfangsgerät kann nicht unterscheiden, ob das Signal aus dem All oder vom Berg kommt.“

Den Testbetrieb will das DLR im Februar gemeinsam mit ausgewählten Unternehmen beginnen. Von Mai an soll das rund 65 Quadratkilometer große Gebiet dann für alle interessierten Firmen offen sein. Für eine Gebühr von bis zu 18 400 Euro pro Woche können sie testen, wie ihre Software, Geräte und Anwendungen mit den Galileo-Signalen zurecht kommen. „Dazu bekommen die Firmen eine Beratung vom DLR“, sagt Jacquemot. Von der Qualität der Simulation ist der 30-Jährige überzeugt: „Wenn Sie in dieser Umgebung navigieren können, wissen Sie, dass es auf der ganzen Welt funktioniert.“

Angst vor mangelnder Nachfrage an den teils kostenpflichtigen Galileo-Diensten haben die Experten nicht. „2010 soll es eine Milliarde GPS-Endgeräte geben. Es entsteht ein riesiger Markt noch bevor Galileo überhaupt da ist“, sagt der Geschäftsführer des Anwendungszentrums Rudolph. Viele Kunden wünschten sich Navigation mit dem Handy. „Das ist der Wachstumsmarkt“. Ob Galileo den Markt tatsächlich von 2011 an erobern kann, bleibt abzuwarten. Wegen technischer Schwierigkeiten sowie Streit um Geld, Einfluss und Aufträge wurde der Zeitplan bereits mehrfach korrigiert.

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