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06.01.2012

14:50 Uhr

Rick Santorum

US-Hardliner wird Opfer einer Google-Bombe

VonStephan Dörner

Das Internet macht ganz neue Formen des politischen Anschlags möglich. Am republikanischen Schwulen-Hasser Rick Santorum rächten sich schwule Aktivisten 2003 mit einer „Google-Bombe“ – und die explodiert nun.

Der ehemalige US-Senator Rick Santorum will Homosexualität unter Strafe stellen. Schwule Aktivisten rächten sich mit einer „Google-Bombe“. AFP

Der ehemalige US-Senator Rick Santorum will Homosexualität unter Strafe stellen. Schwule Aktivisten rächten sich mit einer „Google-Bombe“.

DüsseldorfNur acht Stimmen trennten Rick Santorum vom Sieg bei den Vorwahlen der Republikaner für die Präsidentschaftskandidatur im ersten Vorwahl-Staat Ioawa. Knapp musste er sich Mitt Romney geschlagen geben. In den anderen Bundesstaaten werden dem erzkonservativen Bewerber um das US-Präsidentenamt zwar wenig Chancen eingeräumt – doch ein Achtungserfolg ist das allemal.

Damit rückt der langjährige US-Senator in das Licht der Öffentlichkeit. Wer nun per Google-Suche mehr über den Republikaner erfahren möchte, erlebt eine Überraschung: Weit vorne in den Suchergebnissen findet er die Website spreadingsantorum.com, die den Nachnamen des Senators mit Analsex in Verbindung bringt.

Dahinter steckt ein gezielter Anschlag auf den Politiker – allerdings ein gewaltloser. Eine sogenannte Google-Bombe ist schuld daran, dass die Seite so prominent bei einer Websuche nach Santorum angezeigt wird. Dabei wird ein bestimmter Suchbegriff auf möglichst vielen Internetseiten gezielt mit einer Website verknüpft. Eine Google-Bombe funktioniert umso besser, je mehr Internet-Nutzer mitmachen – und den entsprechenden Begriff, wie hier den Namen Santorum, mit der Website verlinken. Damit nutzen Aktivisten die Methoden von Suchmaschinen-Optimierern.

Google-Tipps nach dem Panda-Update

Lernen Sie die Nutzer kennen!

Wer wissen möchte, wie die eigene Website bei den Nutzern ankommt, sollte Sie zunächst kennenlernen. Das ist durch den Einbau kostenloser Tools wie Google Analytics möglich, die übersichtlich unter anderem Herkunft der Nutzer auflisten und durch welche Suchbegriffe oder Links sie auf die Seite gefunden haben. Vor allem über welche Suchebegriffe die Nutzer Ihre Seite finden, ist interessant. Finden Sie auf Ihrer Website das, wonach sie suchen?

Seiten sinnvoll betiteln

Wichtig wird mit dem „Panda“-Update auch, dass die Nutzer hinter dem Titel einer Seite auch das finden, was dieser verspricht. Nach wie vor empfiehlt es sich, Titel und Inhalte darauf abzustimmen, wonach Nutzer suchen – „Gebrauchtwagen in Köln“ ist beispielsweise ein attraktiverer Titel als ein kaum bekannter Eigenname. Titel und die ersten Worte eines Dokuments sollten auf den ersten Blick klar machen, worum es auf der entsprechenden Unterseite der Website geht.

Auch Technik wird wichtig

Auch technische Aspekte spielen durch die Analyse des Nutzerverhaltens eine größere Rolle: Lädt die Seite langsam, werden sie viele Nutzer schnell wieder verlassen. Dasselbe gilt, wenn sie optisch nicht ansprechend ist oder in einigen Browsern falsch dargestellt wird. Tools wie Google Analytics verraten Ihnen auch, mit welchen Browsern die Leser Ihre Seite besuchen. Testen Sie, ob die Website in allen Browsern funktioniert, die Ihre Nutzer häufig einsetzen.

Zu viel Werbung verschreckt die Nutzer

Werbung – insbesondere bestimmte Formen der Werbung wie sogenannte Popups – wirken auf die Nutzer abschreckend. Das war für das Google-Ranking bisher nicht relevant, spielt nach dem "Panda"-Update aber eine Rolle.

Was Sie vermeiden sollten

Wenn man sich die durch Google nach dem „Panda“-Update abgestraften Seiten genauer ansieht, ergeben sich gewisse Muster: So fällt beispielsweise auf, dass vor allem jene Seiten abgestraft wurden, die wenig eigene Text-Inhalte besaßen und viele interne Links auf das eigene Angebot und relativ wenige oder unnatürlich scheinende Links nach außen.

Schwulen-Aktivisten rächen sich

Verantwortlich für spreadingsantorum.com ist der Schwulen-Aktivist Dan Savage. Er hatte die Domain 2003 angemeldet, nachdem der erzkonservative Santorum den Kindesmissbrauch katholischer Priester mit Homosexualität unter Männern gleichsetzte. Er habe grundsätzlich „ein Problem mit homosexuellen Handlungen“ sagte er damals auf die Missbrauchsfälle angesprochen. Santorum befürwortet, ausgelebte Homosexualität unter Strafe zu stellen.

Die Rache der Schwulen-Aktivisten folgte schnell: Santorum, so behaupten sie auf der Website, sei eine Bezeichnung für eine bestimmte Nebenwirkung des Analsex. Die Google-Bombe zündete, weil zahlreiche Mitglieder der Schwulenszene teilnahmen und auf ihren Websites und Blogs den Namen Santorum auf die Website spreadingsantorum.com verweisen ließen. Von 2006 datiert der erste Medienbericht, der über die hohe Google-Platzierung der Website berichtet.

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