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30.03.2006

16:40 Uhr

Roboterfußball-WM

Kickende High-Tech-Würfel

Zwei Rollen, eine Antenne und kämpferisch blau blinkende Lämpchen in Augenform: Die Roboter der „Dortmund Droids“ sind keine Schönheiten, doch eines können die würfelförmigen High-Tech-Maschinen schon sehr gut: alleine Fußball spielen.

Roboter-Fußball dpa

Fußballroboter nach dem „Anstoß“.

dpa DORTMUND. Programmiert von Informatikstudenten der Universität Dortmund treten die Droids Ende Juni bei der inzwischen elften Roboterfußball-Weltmeisterschaft des Verbandes Fira in Dortmund gegen Teams aus knapp 20 Ländern an - nicht zum ersten Mal: 2002 wurden sie bereits Vizeweltmeister, ein Jahr später WM-Dritter.

7,5 Zentimeter Kantenlänge, voll gestopft mit Elektronik und feiner Mechanik: Die Spielklasse der so genannten Mirosot ist die zweitkleinste der insgesamt acht Kategorien, die bei der WM an den Start gehen. Mehr als 90 Teams werden erwartet. Große Aufmerksamkeit ist den Roboterfreaks gewiss: Das Turnier vom 30. Juni bis zum 3. Juli findet in den Westfalenhallen direkt neben dem WM-Stadion statt - genau zwischen zwei WM-Spielen menschlicher Kicker in Dortmund am 27. Juni und am 4. Juli.

Kurz zuvor findet bereits die Weltmeisterschaft des zweiten großen Roboterfußballverbands, der Robocup Federation, in Bremen statt. Vom 14. bis 20. Juni sollen dort in weiteren Spielklassen mehrere hundert Roboterteams aus 40 Ländern Titelkämpfe austragen.

„Die Roboter werden von Jahr zu Jahr kooperativer. Auch der Spielfluss nimmt zu“, sagt der Dortmunder Fira-Turnierleiter Norbert Jesse vom Lehrstuhl Informatik I. Favoriten sind für ihn die Mannschaften aus Asien. „Allein in China gibt es 200 Teams“, erzählt er. Auch Thomas Pfeifer, wissenschaftlicher Mitarbeiter, gibt den Droids kaum eine Chance. „Gegen die Asiaten haben wir keine Schnitte“, meint er. „Die können mit ihren Spielern und dem Ball einfach schnell um den Torwart herumfahren. Das können wir noch nicht“, sagt der 28-Jährige.

Die Droids spielen mit ihren jeweils rund 1 000 Euro teuren Würfelkickern fünf gegen fünf und elf gegen elf. Wie das geht? Eine Kamera über dem 2,20 mal 1,80 Meter großen Spielfeld (bei fünf gegen fünf) registriert den Standort der einzelnen Roboter und des Balls rund 30 Mal in der Sekunde. Ein Computer errechnet daraus blitzschnell den nächsten Spielzug und funkt entsprechende Befehle eigenständig an die einzelnen Spieler.

Mit Hilfe einer eigenen Elektronik und einem Motor wird der Befehl dann vom Würfel umgesetzt: Flink mit mehr als zehn Kilometern pro Stunde schieben die Würfel dann den roten Spielball vor sich her oder blockieren einen gegnerischen Spieler. „Möglich ist dabei etwa eine defensive oder auch eine aggressive Strategie“, sagt Norman Weiss vom Droids-Team. Alles muss jedoch vorher einprogrammiert werden. Jeder Eingriff während des Spiels ist verboten. Ein menschlicher Schiedsrichter kontrolliert die Einhaltung der Regeln. Gespielt wird zwei Mal fünf Minuten.

Mit den Turnieren will die Fira junge Menschen für das Thema Roboter begeistern und Interesse für die entsprechenden Studiengänge wecken. „Die Robotik ist ein sehr interdisziplinäres Gebiet, in dem Methoden und Techniken aus dem Maschinenbau, der Elektrotechnik, der Neurologie und der Informatik zur Anwendung kommen“, erklärt Jesse. Die Spiele seien daher ein anspruchsvolles Testfeld für die Entwicklung autonomer Robotersysteme, die in der Industrie zum Einsatz kommen sollen. Für Computerfreak Thomas Pfeifer ist jedoch auch noch etwas anderes wichtig: „Es macht einfach Spaß. Man lernt viel dabei. Informatik ist sonst doch sehr theoretisch.“

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