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21.07.2017

17:04 Uhr

Sabotage und Spionage

55 Milliarden Euro Schaden für Wirtschaft

Um acht Prozent ist der Schaden durch Spionage, Sabotage und Datendiebstahl für die deutsche Wirtschaft in den letzten beiden Jahren gestiegen. Täter sind einer Studie zufolge meist aktuelle oder ehemalige Mitarbeiter.

Der Verlust der deutschen Wirtschaft durch Sabotage, Spionage und Datendiebstahl sei fast so hoch wie der Haushalt Bayerns, sagt der Verfassungsschutzpräsident. ZB

Hans-Georg Maaßen

Der Verlust der deutschen Wirtschaft durch Sabotage, Spionage und Datendiebstahl sei fast so hoch wie der Haushalt Bayerns, sagt der Verfassungsschutzpräsident.

BerlinDurch Spionage, Sabotage und Datendiebstahl entsteht der deutschen Wirtschaft einer Studie zufolge jährlich ein Schaden von rund 55 Milliarden Euro. Im Vergleich zu einer Untersuchung von vor zwei Jahren sei dies ein Anstieg um acht Prozent, teilte der IT-Branchenverband Bitkom am Freitag in Berlin mit. Verbandspräsident Achim Berg sprach von einer „unglaublich hohen Summe“. Laut Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen entspricht diese fast der Höhe des Haushalts von Bayern. Zudem wurden mehr als die Hälfte der Unternehmen in Deutschland (53 Prozent) in den vergangenen beiden Jahren Opfer solcher Attacken, was einem Anstieg um zwei Prozent entspricht.

Die Studie zeige, dass die Gefahr für Firmen aller Branchen und jeder Größe real sei, sagte Berg. In Zeiten von Industrie 4.0 müsse mehr für die Abwehr von Spionageangriffen getan werden. Täter sind der Studie zufolge zu 62 Prozent aktuelle oder ehemalige Mitarbeiter des Unternehmens. Dabei gehe es diesen nur selten um Geld, erläuterte Verfassungsschutz-Präsident Maaßen. Vielmehr identifizierten sie sich nicht mehr mit den Unternehmenszielen, da sie sich beispielsweise schlecht behandelt fühlten. Oftmals würden Personen aber auch einfach abgeschöpft und gäben nicht einmal vorsätzlich Informationen heraus. 41 Prozent der Firmen machen Wettbewerber, Kunden, Lieferanten oder Dienstleister für Angriffe verantwortlich, 21 Prozent Hobby-Hacker und sieben Prozent Personen aus der organisierten Kriminalität.

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Ausländische Geheimdienste wurden zwar nur in drei Prozent der Unternehmen als Täter identifiziert. Maaßen betonte jedoch, dabei handele es sich zumeist um besonders komplexe Angriffe. Zudem unterstrich er, mittelständische Firmen seien ein begehrtes Ziel von Angreifern, weil sie schwächer geschützt und als Zulieferer Zugang zu Großunternehmen hätten. Bei den Taten gehe es nicht nur darum, an Informationen zu kommen, sondern auch darum, die Reputation eines Konkurrenten zu beschädigen.

In jedem sechsten Unternehmen wurden der Befragung von mehr als 1000 Firmen zufolge in den vergangenen zwei Jahren sensible digitale Daten gestohlen. Vor allem Kommunikationsdaten wie E-Mails (41 Prozent) oder Finanzdaten (36 Prozent) fielen in die Hände der Angreifer. Die Täter haben es dabei nicht ausschließlich auf digitale Daten abgesehen. Auch werden Geräte wie Notebooks oder Smartphones gestohlen.

Die meisten Taten werden laut Berg aus Deutschland begangen (37 Prozent). Darüber hinaus führe die Spur oft nach Osten: 23 Prozent der Unternehmen berichteten von Tätern aus Osteuropa, 20 Prozent aus China und 18 Prozent aus Russland.

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Alarmiert zeigten sich Berg und Maaßen darüber, dass nicht einmal jedes dritte Unternehmen (31 Prozent) nach einem Angriff staatliche Stellen einschaltet. Nur wenn Firmen Angriffe meldeten, könnten die Sicherheitsbehörden aber ein realitätsnahes Lagebild erstellen und Abwehrstrategien entwickeln, mahnte Maaßen. Als Hauptgrund dafür, sich nicht an die Behörden zu wenden, gaben die meisten Befragten die Angst vor Imageschäden an (41 Prozent).

Der Präsident des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI), Arne Schönbohm, sagte, die hohe Zahl betroffener Unternehmen zeige deutlich, dass auf dem Gebiet der Cyber-Sicherheit in Deutschland Nachholbedarf bestehe. Doch seien nicht nur die Unternehmen als Endanwender gefragt. Die Hard- und Softwareindustrie müsse dafür sorgen, Schwachstellen „schneller und besser zu schließen“, sagte er zu Reuters.

Von

rtr

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