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26.01.2007

11:09 Uhr

Schwarze Schafe im Internetauktionshaus

Auf Streife bei Ebay

VonAngela Hennersdorf
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Ihr Revier ist nicht die Straße, sondern der größte Online-Marktplatz der Welt, das Internetauktionshaus Ebay. Per Computer patroullieren sie deutschlandweit. Sie suchen nach illegalen Angeboten und Fälschungen. Keine leichte Aufgabe für die rund 100 Ebay-Polizisten, die rund um die Uhr auf Streife sind.

Das Internetaktionshaus Ebay hat rund 100 Ermittler angestellt, die nach illegalen Angeboten und Fälschungen suchen. Quelle: dpa

Das Internetaktionshaus Ebay hat rund 100 Ermittler angestellt, die nach illegalen Angeboten und Fälschungen suchen.

Da ist wieder einer. "Wermachtskappe mit Hackenkreuz. Startpreis 199 Euro", lautet das Angebot auf der Ebay-Internetseite. Mit einem großen Foto wirbt der Anbieter für die Kappe auf dem Online-Marktplatz. Das Ding sieht aus, als wäre es gerade auf dem heimischen Dachboden aus einer verstaubten Kiste geklaubt worden. Die falsche Rechtschreibung ist Absicht. "Der Anbieter glaubt, wir finden das dann nicht. Aber wir kennen diese Tricks", sagt Ralf N. Sofort löscht er die Auktion des in Deutschland verbotenen Naziartikels. Dem Anbieter schickt er per E-Mail eine Verwarnung.

Noch so ein Verstoß und Ralf N. sperrt den Händler zunächst temporär. Treibt er nach der Sperrzeit sein illegales Spiel weiter, wird er endgültig vom Handel bei Ebay ausgeschlossen. Immerhin, die Gebühr, die er für das Einstellen der Nazikappe an Ebay gezahlt hat, erhält der Bösewicht zurück. "Wir wollen uns ja an unerlaubten Angeboten nicht bereichern", beteuert Ralf N.

Ralf N. ist Ebay-Polizist. Einer von rund 100 bei Ebay angestellten Ermittlern, die alle lieber anonym bleiben wollen. Ihr Revier ist nicht die Straße, sondern der größte Online-Marktplatz der Welt, das Internetauktionshaus Ebay. Per Computer gehen sie auf Streife - deutschlandweit. Die Ebay-Marktpolizisten sollen beim Auktionsmulti für Sicherheit sorgen und das virtuelle Handelshaus vor kriminellen Kaufleuten schützen, die Fälschungen anbieten, vor Waffen- und Drogenhändlern, vor Cyberkriminellen, die von ahnungslosen Kunden Computer-Passwörter klauen und damit auf deren Kosten einkaufen gehen.

Keine leichte Aufgabe für die Ebay - Polizei. Nicht nur verbotene Artikel sind ein Problem. Immer skrupelloser und raffinierter werden die Cyberfälscherbanden. Längst werden nicht mehr nur gefälschte Handtaschen, Uhren oder Sportschuhe als vermeintliche Markenprodukte von Luxusherstellern angeboten. Immer häufiger sind es nachgemachte elektronische Geräte, Kinderspielzeug und vor allem Medikamente, die Betrüger über das Internet anbieten. Die größte Gefahr für Verbraucher geht laut EU-Kommission derzeit von gefälschten Arzneimitteln aus. Mittlerweile bieten Fälscher sogar schon Antibiotika und Antikrebsmittel im Internet zum Kauf an. "Es ist der Wahnsinn, was wir hier täglich auf den Schirm kriegen", sagt Ralf N.

Einsatzort des 28-jährigen Ebay-Sicherheitsmannes mit dem kahl geschorenen Kopf und der goldenen Halskette ist ein Großraumbüro in der zweiten Etage der Ebay-Deutschlandzentrale im Europarc Dreilinden an der Stadtgrenze von Berlin. Von hier aus durchleuchten er und seine Kollegen den Online-Marktplatz, an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr im Schichtdienst. Jeder hat sein Spezialgebiet.

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