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22.03.2012

12:39 Uhr

Sechs Jahre Twitter

Wo die CSU-Politikerin mit dem Piraten flirtet

VonStephan Dörner

In den sechs Jahren seit seiner Gründung hat Twitter Revolutionen angeheizt, Gerüchte verbreitet, eine neue Kommunikationskultur der Eliten geprägt - kurz: die Welt verändert. Doch die Kurznachricht bleibt unverstanden.

Twitter hat die Welt verändert, bleibt von vielen jedoch unverstanden. dpa

Twitter hat die Welt verändert, bleibt von vielen jedoch unverstanden.

DüsseldorfVor sechs Jahren, am 21. März 2006, schickte Twitter-Gründer Jack Dorsey den ersten Tweet um die Welt. Heute ist er um mehrere Millionen Dollar und der Kurznachrichtendienst um viele Millionen Nutzer reicher.

Nicht zuletzt einige spektakuläre Tweets haben den Dienst berühmt gemacht. So wurde das Foto von der Landung eines Linienflugzeugs auf dem Hudson-River zuerst über Twitter verbreitet. Auch beim Amoklauf von Winnenden kamen die ersten Infos von Augenzeugen über den Kurznachrichtendienst.

Twitter

Zwischen Infotainment und Belanglosigkeit

Twitter: Was Twitter bringt, wie es funktioniert

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Doch anders als Facebook ist Twitter nicht zum Massenphänomen geworden – und hat sich gerade so eine Nische gegenüber dem alles dominierenden sozialen Netzwerk gesichert. Twitter ist in erster Linie ein persönlicher Nachrichtenfeed, kein soziales Netzwerk zum Pflegen von Freundschaften. Der Nutzer abonniert die Kurznachrichten von Personen, die ihn interessierten – egal ob das Bill Gates ist, ein großes Nachrichtenmedium oder der eigene Nachbar. Es herrscht das Follower-Prinzip statt dem Freunde-Prinzip – die Abonnements müssen nicht auf Gegenseitigkeit beruhen. „Auf Facebook sind wir mit den Leuten vernetzt, mit denen wir aufs College gegangen sind – auf Twitter mit denen, mit denen wir gerne aufs College gegangen wären“, brachte ein Twitter-Nutzer die beiden Konzepte einst auf den Punkt.

Twitter für alle, die etwas zu sagen haben oder zuhören wollen

Deshalb ist Twitter ein so attraktiver Platz für alle, die entweder selbst etwas zu sagen haben oder wichtigen Personen gerne zuhören wollen. Dementsprechend ist die Twitter-Gesellschaft im Vergleich zu Facebook auch elitär geprägt: Politiker, Medienmacher, Prominente, große Unternehmen und Institutionen bestimmen das Bild. Das hat auch die Gesellschaft der Mächtigen verändert. Denn sie rücken so näher an die Menschen heran. Jeder ist jederzeit ansprechbar. Der Merkel-Vertraute und parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion, Peter Altmaier, stellt sich den Fragen ganz normaler Nutzer. Die stellvertretende CSU-Generalsekretärin Dorthee Bär flirtet offen mit dem Piraten-Politiker Christopher Lauer – und immer häufiger auch seinen Positionen. Andere wie der Regierungssprecher Steffen Seibert nutzen Twitter eher wie einen alten Nachrichtenkanal - als Verlautbarungsmedium ohne Feedback. Für Twitter-Interviews werden eigens Zeiten eingerichtet.

Twitter-Glossar

Was ist Twitter?

Twitter ist ein Online-Zwitter: Einerseits ist es ein Kurznachrichten-Dienst, andererseits ein soziales Online-Netzwerk wie Facebook. Die Benutzer können sich aussuchen, welche Nachrichten sie lesen wollen.

Dabei werden keine gegenseitigen „Freundschaften“ geschlossen. Stattdessen herrscht das Follower-Konzept. Nur weil man die Nachrichten eines anderen liest, muss dieser das noch längst nicht tun.

RT - Retweet

Ein Retweet (kurz RT) ist das Wiederholen einer Kurznachricht eines anderen Nutzers. Die Retweet-Funktion ist inzwischen in alle Twitter-Clients und im Webdienst von Twitter eingebaut.

URL-Shortener

Auf Twitter sind sogenannte URL-Shortener beliebt. Dabei wird eine Webadresse auf eine Umleitung gekürzt, um Platz zu Sparen – 140 Zeichen sind das Maximum bei Twitter. Eine Kurz-URL sieht dann beispielsweise so aus: http://bit.ly/xpXqOY. Bei Twitter müssen sie seit einiger Zeit die Adressen nicht mehr kürzen – das macht Twitter nach dem Abschicken der Nachricht automatisch.

Sie können den von Twitter verwendeten URL-Kürzer Bit.ly aber dennoch nutzen: Hängen Sie an die Bit.ly-Adresse einfach ein „+“ – und schon sehen Sie Statistiken zur Ihrem Link. Wie viele haben die Adresse aufgerufen, aus welchen Ländern kamen sie, wer hat den Link auf Twitter weiterverbreitet – all das verrät Ihnen Bit.ly durch das Plus-Zeichen am Ende der Adresse. Werden verschiedene Bit.ly-Links für denselben Inhalt aber verschiedene Kanäle generiert, lässt sich messen, welcher davon wie erfolgreich war.

Warum 140 Zeichen?

Bevor Smartphones zum Massenphänomen wurden, nutzen viele Twitter-User den Dienst auch per SMS. Eine SMS besteht aus maximal 160 Zeichen. Damit Platz für den maximal 20 Zeichen langen Nutzernamen bleibt, wurde der Microblogging-Dienst auf 140 Zeichen begrenzt.

MT

MT steht für „Modified Tweet“. Ein vorangestelltes MT zeigt, dass der Tweet eines anderen Nutzers verändert wurde. Das wird beispielsweise getan, um einen anderen Tweet kommentieren zu können, ohne die Grenze von 140 Zeichen zu überschreiten.

Twitter-Clients

Wer Twitter professionell einsetzen möchte, sollte statt des Website-Interfaces einen Twitter-Client wie Tweetdeck oder HootSuit einsetzen. Damit lassen sich unter anderem mehere Accounts gleichzeitig verwalten.

Twitter-Beziehungen unter der Lupe

Twiangulate ist ein mächtiges kostenloses Online-Tool für die Analyse von Twitter-Nutzern und ihre Beziehungen. Zwei mögliche Beispielanwendungen: Die Eingabe eines Twitter-Nutzernamens und dem Aufruf des Reiters „Inner circle“ enthüllt in vielen Fällen einige der engsten Vertrauten eines Twitter-Nutzers. Dabei zeigt das Tool diejenigen Twitter-Nutzer an, die selbst am wenigsten Abonnenten (Follower) haben. Der Twitter-Nutzer wird diesen Nutzern also aus gutem Grund folgen.

Eine andere mögliche Anwendung ist das Herausfinden von Schnittmengen. So lassen sich bis zu drei Twitter-Nutzer angeben, um deren Schnittmenge bei Followern und Freunden (gegenseitiges folgen) anzeigen zu lassen.

Twitter für Eilige

Schon die Adresse ist kurz t4bp.com steht für „Twitter for busy People“ – und bietet eine Verdichtung von Tweets an. Nach dem Login via Twitter-Account gibt die Website eine Übersicht über die Twitter-Aktivitäten der Freunde und Interaktionspartner „auf einen Blick“ und chronologisch sortiert. Nun lässt sich schnell mit dem Maus-Cursor über die Nutzer fahren – und so auf einen Blick erfahren, was ihn gerade bewegt. Ein Vorteil: Jeder Nutzer taucht nur ein Mal auf. So werden weniger aktive Nutzer nicht von den sehr aktiven Nutzern verdrängt. Erst ein Klick auf den Benutzernamen enthüllt Details.

Professionelle Twitter-Suche

Twitter kann ein gutes Recherchetool sein. Twitter selbst ermöglicht eine einfach Volltextsuche über die nach bestimmten Themen oder Hashtags gesucht werden kann. Deutlich mehr bietet das kostenlose Social-Media-Tools Twitterfall. Twitterfall sucht Tweets nach Twitter-Listen und Orten – außerdem lassen sich auch Suchworte ausschließen. Optisch werden die gefundenen Twitter-Nachrichten ansprechend dargestellt – sie fallen wie ein Wasserfall herunter.

Gerüchte und Nachrichten

Das Medium verleitet zum Plaudern – auch zum Ausplaudern. Unvergessen ist der Tweet der CDU-Politikerin Julia Klöckner. Knapp 15 Minuten vor der offiziellen Verkündung twitterte sie 2009 den Wahlsieg von Horst Köhler zum Bundespräsidenten in die Welt heraus. Journalisten wurden bei solchen und ähnlichen Ereignissen hellhörig. Sind Online-Journalisten mit Twitter schneller als Konkurrenz und Agenturen? Manchmal ja. Ein berühmt gewordenes Beispiels ist das Bild des abgestürzten Airbus im Hudson River vor New York, das über Twitter verbreitet wurde, lange bevor die Nachricht über die großen Newsnetzwerke verbreitet wurde.

Kommentare (1)

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22.03.2012, 13:04 Uhr

Aha, sechs Jahre Twitter - sechs Jahre Kommunikationskrücke!

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