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31.08.2012

13:40 Uhr

Selbstversuch

Wenn Fernsehen auf Internet trifft

VonThomas Kuhn
Quelle:WirtschaftsWoche

Der Trend geht zum Fernseher mit Internetanschluss. Zeit für einen Selbstversuch. Der zeigt, dass ein starres Fernsehprogramm der Vergangenheit angehört, Twittern beim Tatort dagegen vorerst eine Zukunftsvision bleibt.

Wollte man sich früher Filme ausleihen, war der Gang zur nächsten Videothek unentbehrlich. Heutzutage holt man sich den Filmverleiher nach Hause. Im Netz findet man eine Fülle an Video-On-Demand (VoD) Anbietern. Die Nutzer können auf ein schier grenzenloses Angebot zurückgreifen und sparen sich den Ärger mit den Öffnungszeiten. In Deutschland begeistern sich immer mehr Menschen für VoD. Gut die Hälfte der Deutschen schaut bereits regelmäßig Videos im Internet und die Zahl der zahlungswilligen Kunden wächst beständig. dpa

Wollte man sich früher Filme ausleihen, war der Gang zur nächsten Videothek unentbehrlich. Heutzutage holt man sich den Filmverleiher nach Hause. Im Netz findet man eine Fülle an Video-On-Demand (VoD) Anbietern. Die Nutzer können auf ein schier grenzenloses Angebot zurückgreifen und sparen sich den Ärger mit den Öffnungszeiten. In Deutschland begeistern sich immer mehr Menschen für VoD. Gut die Hälfte der Deutschen schaut bereits regelmäßig Videos im Internet und die Zahl der zahlungswilligen Kunden wächst beständig.

Nach einem mittleren Hexenschuss, endlosem Kabel-Chaos und einem gerade noch abgewendeten Ehekrach kann die Zukunft des Fernsehens auch bei uns im Wohnzimmer beginnen. Seit Jahren versprechen die Hersteller neue TV-Geräte, die alles können sollen: Spielfilme zeigen, E-Mails senden und gleich noch die Klamotten der Hauptdarsteller des Films bestellen. Und immer mit im Bild: die Kommentare der Facebook- und Twitter-Freunde. Jetzt sind die angeblichen Superfernseher da.

Aber was bedeutet das für die Wohnzimmerunterhaltung? Wie passen die interaktive Welt des Internets und die Frontalunterhaltung des Fernsehens zusammen? Und: Was können die neuen Geräte wirklich? All das will ich per Selbsttest herausfinden. Denn am Freitag dieser Woche beginnt in Berlin die IFA, Europas wichtigste Messe für Heimelektronik. Und glaubt man den Experten, gibt es bei Elektronikkonzernen und TV-Sendern kaum ein wichtigeres Thema, als – Sie ahnen es – vernetzte Fernseher.

Deshalb steht ein solches Gerät seit zwei Wochen in unserem Wohnzimmer. Der Flachbildriese von LG hört auf das kryptische Kürzel 42LM670S und ist eines der Top-Modelle des koreanischen Elektronik-Konzerns. Seine Sat- und Kabel-Tuner liefern herkömmliche TV-Bilder. Zugleich öffnet der integrierte Internet-Anschluss den Weg ins Netz, den Zugriff auf Facebook-Konten, Internet-Mediatheken und eine wachsende Vielfalt von Online-Videoverleihern.

Damit kann ich sonntags nicht nur den Tatort am Bildschirm verfolgen, sondern zugleich sehen, wie meine Facebook-Freunde den Krimi bewerten. Und ich kann Sendungen und Spielfilme nach Gusto aus dem Netz abrufen.

Dafür habe ich nun jede Menge Platz: Mit ihrem knapp 110 Zentimeter großen Bildschirm nähert sich die neue Giga-Glotze den Ausmaßen unseres Küchentischs. Ihr entspiegeltes Display ist von einer elegant-glänzenden, nur wenige Millimeter breiten Metallkante eingefasst. Keine Spur mehr von der Klobigkeit älterer Geräte, deren zentimeterbreite Kunststoffrahmen die Flachbild-TVs an den Wänden wie schwarze Löcher erscheinen ließen.

Ich jedenfalls finde, der LG schmückt unser Wohnzimmer. Meine Frau teilt meine Begeisterung nicht so ganz. Das Einzige was sie bemerkt: „Er blockiert das Sideboard.“

Und auch sonst läuft es in unserem Wohnzimmer zunächst nicht gut für die Zukunft des Fernsehens. Meine Frau hält das alles für ziemlichen Blödsinn. Warum sollte man Tatort oder Talkshows mit seinen Twitter-Freunden diskutieren, wenn man es auch zu zweit im Wohnzimmer kann? Fernsehen, wie es war – war das nicht ganz in Ordnung? Und so bleiben Twitter und Facebook auf unserem neuen Fernseher erst mal ausgeschaltet.

Ähnliche Debatten dürfte es gerade in vielen Familien geben: Denn internetfähige Fernseher – auch Smart-TV genannt – entwickeln sich zu Verkaufsschlagern. Mitte des Jahres hatte schon jeder fünfte deutsche Haushalt so ein Gerät. Und bis Jahresende sollen sogar in jedem dritten Wohnzimmer Online-Fernseher stehen, rechnet der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie hoch. Und sie stehen nicht nur da. Die Technik wird auch genutzt. Zwei von drei Smart-TV-Geräten, ergaben Umfragen, sind tatsächlich mit dem Netz verbunden und regelmäßig online.

Zudem wird die Technik immer billiger.

„Ab etwa 500 Euro gehört der Internet-Zugang zur TV-Standardausstattung“, sagt Jörg Ehmer, Vorstandssprecher der Verbundgruppe ElectronicPartner (EP) in Düsseldorf. Preislich ist die vernetzte TV-Welt, die zur vergangenen IFA noch der Premium-Klasse vorbehalten war, damit im Massenmarkt angekommen.

Ob das auch für die Bedienbarkeit gilt, will ich ausprobieren. Wie leicht kann ich unser Smart-TV mit dem Internet verbinden? Wie komfortabel lassen sich Web-Seiten aufrufen, Online-Alben durchblättern, Tweets absetzen oder der Facebook-Status aktualisieren? Und – vor allem – gelingt es mir, die skeptische Gattin fürs vernetzte Fernsehen zu begeistern?

Die verdreht erst einmal die Augen, während ich den sperrigen 15-Kilo-Monitor aus der Verpackung wuchte und versuche, Gehäuse und Standfuß zusammenzuschrauben, ohne das Display zu zerdeppern. Fast 20 Minuten jongliere ich mit Antennen- und Verlängerungskabeln, Verteilersteckern und Signalverstärkern, bis Display, Videorekorder und Set-Top-Box fürs digitale Kabel harmonieren.

So weit ist die Fernsehwelt wie gehabt. Aber wo bitte geht's nun ins Internet? Ein Blick auf die Steckerfarm an der Rückseite des LG lässt Übles ahnen. Dort entdecke ich einen LAN-Anschluss, wie ich ihn von meinem Büro-Notebook kenne. Dumm nur, dass unser Wohnzimmer im Erdgeschoss liegt, der Router für den Internet-Zugang aber an der Wand meines Arbeitszimmers im Dachgeschoss verschraubt ist. Und an Leitungen für ein Computernetzwerk hat Anfang der Neunzigerjahre, als unser Haus gebaut wurde, niemand gedacht.

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