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16.04.2012

14:13 Uhr

Sergey Brin

Google-Gründer teilt gegen Apple und Facebook aus

VonStephan Dörner

Google beschwört die Gefahr des Endes des freien Netzes. Als Feinde des freien Internets macht Google dabei nicht nur China und Iran aus, sondern auch Apple und Facebook. Dahinter steht auch ein Kampf um Web-Daten.

Google-Mitgründer Sergey Brin. dpa

Google-Mitgründer Sergey Brin.

DüsseldorfGoogle-Mitgründer Sergey Brin hat vor zunehmenden Einschränkungen der Freiheit des Datenverkehrs im Internet durch Firmen und Regierungen gewarnt. Der Unternehmer sagte in einem Interview der britischen Tageszeitung Guardian am Sonntag, das Prinzip von Offenheit und universellem Zugang zu Daten sei noch nie so stark gefährdet gewesen wie zurzeit.

Das freie Web ist Google ein Herzensanliegen – und das hat keineswegs selbstlose Gründe. Das offene Web ist die Grundlage für Googles Geschäftsmodell. Derzeit verdient die unangefochtene Nummer eins bei der Websuche vor allem durch Online-Werbung bei der Websuche und auf Websites Geld.  Je mehr Inhalte im offen durchsuchbaren Web sind, desto besser für Google. Jede Website ist zudem ein potentieller Werbeplatz für Googles Werbe-Netzwerk AdSense – während Inhalte bei Facebook von dem sozialen Netzwerk selbst vermarktet werden.

Nun hat Google auch die Feinde des freien Webs ausgemacht: Die Diktaturen China, Saudi-Arabien und Iran zählt Google-Mitgründer Sergey Brin ebenso dazu wie Facebook, Apple oder neue restriktive Internet-Gesetzesvorhaben wie Sopa in den USA. Heute bauten Firmen wie Apple und Facebook wieder virtuelle Mauern auf, sagte Brin – und machten Inhalte und Daten nur den eigenen Kunden zugänglich. „Ich meine, unsere Freunde bei Facebook haben viele, viele, viele Gmail-Adressen importiert und zugleich selbst keine Adressen rausgelassen“, kritisierte der Google-Manager. Gleichzeitig mache es die Firma von Mark Zuckerberg den Anwendern nicht leicht, ihre Daten von Facebook zu einem anderen Dienst wie Google+ umzuziehen. Laut Brin sei das Prinzip von Offenheit und universellem Zugang zu Daten noch nie so stark gefährdet gewesen wie zurzeit.

Glossar

ACTA

Das Anti-Counterfeiting Trade Agreement, kurz ACTA, ist ein internationales Handelsabkommen das derzeit zwischen 39 Ländern - darunter auch die 27 EU-Staaten - verhandelt wird. ACTA soll internationale Standards im Kampf gegen Produktpiraterie und Urheberrechtsverletzungen setzen.

Netzaktivisten befürchten, ähnlich wie bei PIPA und SOPA in den USA, dass die Haftung für Inhalte durch ACTA auf Provider und Plattformanbieter verlagert würde, wodurch Überwachung und Zensur von Inhalten gefördert würde. Das EU-Parlament muss dem Abkommen zustimmen, damit es in der EU in nationales Recht umgesetzt wird.

Sopa

Stop Online Piracy Act, kurz Sopa, hieß ein gegen Internet-Piraterie geplante Gesetz, das im Repräsentantenhaus diskutiert wurde - inzwischen aber auf Eis liegt. Das Repräsentantenhaus ist neben dem Senat eine der beiden Kammern des US-Parlaments. Beide Kammern des Parlaments werden gemeinsam als Kongress bezeichnet.

Der Gesetzentwurf wurde am 26. Oktober 2011 vom republikanischen Abgeordneten Lamar Smith aus Texas vorgelegt.

Pipa

Der Protect IP Act, kurz Pipa, war ein ganz ähnlicher Gesetzesvorschlag wie Pipa, der im Senat diskutiert wurde - der zweiten Kammer des US-Parlaments. IP steht dabei für Intellectual Property, also geistiges Eigentum. Der Senat stimmt am 24. Januar zunächst über Verfahrensfragen bei der Behandlung von Pipa ab. Inzwischen hat das Gesetz keine Chance mehr auf eine Mehrheit. Eingebracht wurde Pipa vom demokratischen Senator Patrick Leahy in Vermont.

DNS-Sperren

Ursprünglich waren sowohl in PIPA als auch in SOPA Netzsperren für Inhalte im Auslands vorgesehen. Inzwischen scheinen diese Vorschläge vor allem aus IT-Sicherheitserwägungen vom Tisch. Die Netzsperren sollten über Manipulationen am Domain Name System (DNS) umgesetzt werden. Das DNS sorgt dafür, dass eine bestimmte Webadresse einer bestimmten IP-Adresse zugeordnet wird. So wird beispielsweise http://www.wiwo.de in http://217.110.229.130 umgewandelt. Eine Manipulation dieser Einträge, um den Zugriff auf ausländische Seiten mit illegalen Inhalten zu sperren, steht im Widerspruch zu Bemühungen Manipulationen an DNS-Einträgen durch technische Maßnahmen zu verhindern. Die Manipulation von DNS-Einträgen wird auch von Cyberkriminellen genutzt, um Nutzer auf falsche Websites zu lotsen.

Kampf um die Daten im Web

Dass der alte Internet-Gigant Google gegen den Blitz-Emporkömmling Facebook schießt, ist kein Zufall. Zwischen beiden Web-Riesen schwelt schon lange ein Streit um die Hoheit über die Daten im Netz. Google sperrte im Herbst 2010 dem weltgrößten Online-Netzwerk den Zugang zur Auswertung von E-Mail-Adresslisten - um Druck auf Facebook auszuüben und das Unternehmen dazu zu drängen, seine Datenbestände zu öffnen. Facebook bietet Nutzern an, ihre Kontaktlisten bei großen E-Mail-Anbietern wie Gmail oder Hotmail zu durchsuchen, um schneller ihre Bekannten auch bei dem Sozialen Netzwerk zu finden.

Google selbst hatte die Facebook-Konkurrenz Google+ gegründet und bewirbt den Dienst derzeit unter anderem weltweit mit TV-Spots. Mit dem sozialen Netzwerk will Google vor allem wertvolle Daten sammeln, um die Websuche besser auf individuelle Vorlieben, Interessen und das soziale Umfeld des Nutzers anzupassen.

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