Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.07.2013

12:30 Uhr

Sicherer E-Maildienst

„Woanders zahlen Sie mit Ihren Daten“

VonTill Simon Nagel

Schutz vor Prism und Tempora: Das Unternehmen Surfboard Holding ermöglicht mit seinen Diensten Ixquick und Startpage die Internetsuche ohne Spuren. Für ein paar Euro will es künftig auch verschlüsselte Mails anbieten.

Das Briefgeheimnis ist im Netz nicht gewährleistet. Oft werden die Nachrichten zu Werbezwecken oder zur „Terrorabwehr“ analysiert. Reuters

Das Briefgeheimnis ist im Netz nicht gewährleistet. Oft werden die Nachrichten zu Werbezwecken oder zur „Terrorabwehr“ analysiert.

DüsseldorfDie großflächige Überwachung des Internets durch Geheimdienste hat viele Netznutzer aufgeschreckt. Manch einer sucht nun nach Wegen, sich ein Stück Privatsphäre zurückzuholen – diskrete Suchmaschinen wie DuckDuckGo oder Ixquick, die Nutzerdaten weder speichern noch vermarkten, haben Hochkonjunktur. Die Ixquick-Macher wollen dieses Modell bald auch auf den E-Mail-Verkehr ausdehnen.

Die Berichte über die Überwachungsprogramme Prism und Tempora bescheren den kleinen Google-Konkurrenten einen Boom. „Wir haben derzeit rund vier Millionen Suchanfragen am Tag“, sagt Jörg Bauer, Projektleiter für den deutschsprachen Raum bei den Suchmaschinen Startpage und Ixquick. Bevor der ehemalige NSA-Mitarbeiter Edward Snowden die Überwachungsprogramme öffentlich gemacht hatte, waren es nur halb so viele Zugriffe. „Es geht extrem nach oben“, sagt er. „Besonders in den USA, wo die Angst um die Daten größer ist.“ Trotzdem sind Google und auch Bing weiter in anderen Dimensionen unterwegs.

Das Geschäftsmodell der anonymen Suche im Netz will das Unternehmen, das zur niederländischen Surfboard Holding gehört, bald auch auf den E-Mail-Verkehr ausdehnen. Startmail heißt das Angebot, das derzeit in den USA in der Beta-Testphase ist. Die Idee: Startmail bietet die Infrastruktur für ungestörten E-Mail-Verkehr – sonst nichts. Es soll keine Auswertung der Nachrichten geben, keine Werbevermarktung, keine Datenerhebung, keine Nutzerprofile.

„Die Nachfrage war schon länger da“, sagt Alex van Eesteren, Projektleiter von Startmail. Seit zwei Jahren arbeiten er und sein Team an dem Mailsystem. „Der Fall Snowden hat die Sache nur beschleunigt.“

Sichere Suche und verschlüsselte E-Mails

Startpage

Die Suchmaschine Startpage des niederländischen Betreibers Surfboard nimmt Suchanfragen entgegen, anonymisiert sie und leitet sie an Google weiter. Der Nutzer sieht also Ergebnisse von Google, sie sind aber nicht anhand eines Nutzerprofils abgestimmt. Für Google kommt die Anfrage von einer Adresse in den Niederlanden. Finanziert wird Startpage durch bezahlte Suchtreffer, die über- und unterhalb der Ergebnisse eingeblendet werden.

Ixquick

Bei Ixquick, ebenfalls betrieben von Surfboard, handelt es sich um eine Meta-Suchmaschine, die Suchresultate mehrerer Suchmaschinen bündelt und anhand eines eigenen Rankings ausspielt. Laut Auskunft der Betreiber werden dabei künstlich gekaufte Platzierungen entfernt und die Ergebnisse nach Relevanz sortiert. Ein Ergebnis, dass viele verschiedene Suchmaschinen als relevant bewerten, landet automatisch weiter oben in der Ergebnisliste. Auch Ixquick speichert keine Daten der Nutzer und finanziert sich durch Werbeeinblendungen.

DuckDuckGo

Auch der US-amerikanische Suchanbieter DuckDuckGo (Betreiber ist der Programmierer Gabriel Weinberg) bietet seinen Nutzern eine anonyme Suche an. IP-Adressen werden nicht gespeichert, eine Auswertung oder ein Verkauf der Nutzerdaten erfolgt nicht. Die Suchmaschine arbeitet nach dem Prinzip der Metasuche.

Metager 2

Die Metasuchmaschine Metager 2 leitet Anfragen an mehrere Suchmaschinen weiter und erstellt daraus eine eigene Liste. Sie verzichtet ebenfalls darauf, personenbezogene Daten zu speichern. Betreiber ist der deutsche Verein Suma e.V.

Ende-zu-Ende-Verschlüsselung

Damit der Inhalt von E-Mails wirklich geheim bleibt, muss er auf dem gesamten Weg vom Absender bis zum Empfänger verschlüsselt sein. Daher spricht man von Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Eines der gebräuchlichsten Verfahren für Privatanwender ist PGP, kurz für „pretty good privacy“, deutsch. „Ziemlich gute Privatsphäre“. Beim Verschlüsseln mit Nachrichten nach dem PGP-Verfahren kommt ein Schlüsselpaar zum Einsatz. Die Nachricht wird mittels eines öffentlichen Schlüssels kodiert und mittels eines beim Empfänger hinterlegten privaten Schlüssels dechiffriert. Nachrichten können auch signiert werden, um ihre Herkunft einwandfrei anzuzeigen.

Beim Schreiben von E-Mails droht nicht nur die Gefahr, dass die Nachrichten von Geheimdiensten abgefangen werden. Viele Anbieter von kostenlosen E-Mailadressen analysieren Nachrichten auf werberelevante Inhalte, erstellen Nutzerprofile und speichern diese zu Werbezwecken. Ein Geheimnis machen die Anbieter daraus nicht – das lassen sie sich in den Geschäftsbedingungen gestatten. Trotzdem sorgt es nicht selten für Unbehagen.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

IchWillUeberwachtWerden

01.07.2013, 15:13 Uhr

"Kein Schwein ruft mich an, keine Sau interessiert sich für mich..."
Das lässt sich ändern: Meine Signatur enthält ab sofort folgende "Zuckerl" mit der Schriftfarbe des Hintergrundes (bei mir weiß): Obama, Dschihad, Plutonium, Allah.
Damit weiß ich, dass meine Mails endlich gelesen werden.

Gebt den paranoiden Orwell Brüdern, was sie verdienen: SPAM

Account gelöscht!

02.07.2013, 05:41 Uhr

Wäre die beste Idee, mal auszutesten durch Milliarden von Mails mit allen Schlüsselwörtern, wann wir dann die NSA Rechner zum Absturz bringen können.
USA greifen uns an - Wann schlagen wir zurück, und schlagen sie mit ihren eigenen Mitteln?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×