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07.08.2015

13:41 Uhr

Sicherheitslücke Stagefright

Wie sich Android-Nutzer schützen können

VonChristof Kerkmann

Die Sicherheitslücke „Stagefright“ könnte Millionen von Smartphones und Tablets mit dem Google-Betriebssystem Android gefährden. Was Handybesitzer tun können – und welche guten Seiten die Lücke für Nutzer auch hat.

Die Sicherheitslücke „Stagefright“ gefährdet Millionen Android-Nutzer. dpa

Bedrohung für Android-Handys

Die Sicherheitslücke „Stagefright“ gefährdet Millionen Android-Nutzer.

DüsseldorfDie Entdecker nennen es die „Mutter aller Sicherheitslücken“: „Stagefright“ gefährdet Millionen von Smartphones und Tablets mit dem Google-Betriebssystem Android. Zahlreiche Nutzer fragen sich nun, ob sie gefährdet sind und wie sie die Schwachstellen schließen können. Wir geben einen Überblick und verraten, warum die Probleme auch ihr Gutes haben.

Was ist Stagefright?

Stagefright (deutsch: Lampenfieber) ist eine Funktion im Programmcode von Android, die der Ausführung von Multimediainhalten dient, etwa Videos im MP4-Format. Sicherheitsforscher der US-Firma Zimperium haben darin mehrere Sicherheitslücken entdeckt, über die Angreifer schädlichen Programmcode ausführen können. Der Name steht inzwischen auch synonym für die Schwachstellen.

Android-Sicherheitslücke: Google verspricht Updates – für Nexus-Handys

Android-Sicherheitslücke

Google verspricht Updates – für Nexus-Handys

Die jüngste grobe Sicherheitslücke hat Google geschlossen. Jetzt verspricht der Konzern den Nutzern seines mobilen Betriebssystems Android auch monatliche Updates. Leider gilt das nur für hauseigene Smartphones.

Die Forscher haben mehrere Möglichkeiten gefunden, Nutzern schädliche Dateien unterzujubeln, ob über E-Mail oder per Bluetooth übertragene Dateien. Das Perfide: In bestimmten Fällen reicht es bereits, dass eine MMS auf dem Gerät eingeht, ohne dass der Empfänger sie öffnet. Nach einem erfolgreichen Angriff könnten Hacker die Medienfunktionen des Gerätes ausnutzen, schreibt Zimperium im Firmenblog: „Ein Angreifer kann das Opfer ausspionieren, indem er den Unterhaltungen zuhört oder Videos aufnimmt.“ Das Smartphone wird zur Wanze.

Wie gefährlich sind die Lücken?

Die Sicherheitsforscher sprechen von „der Mutter aller Android-Sicherheitslücken“. Betroffen seien alle Geräte von Version 2.2 bis 5.1 und somit rund 95 Prozent aller Geräte – also rund 950 Millionen. Bei derartigen Superlativen ist allerdings Vorsicht geboten. Für Zimperium sind die Schlagzeilen kostenlose Werbung – die Firma ist schließlich auf die Sicherung von mobilen Geräten spezialisiert.

Google hält das beschriebene Ausmaß dagegen für überzogen: Mehr als 90 Prozent aller Android-Geräte seien mit einer Sicherheitstechnologie namens ASLR ausgestattet, die Angriffe deutlich erschwere, erklärte Google-Mitarbeiter Adrian Ludwig auf der Sicherheitskonferenz Black Hat.

Smartphone-Markt im Wandel

Samsung weniger dominant

Samsung ist der mit Abstand größte Hersteller von Smartphones, doch die Dominanz bröckelt. Im dritten Quartal 2014 verkaufte der südkoreanische Konzern 78,1 Millionen Smartphones und damit deutlich weniger als ein Jahr zuvor, als er 85 Millionen Geräte absetzte. Der Marktanteil sank von 32,5 auf 23,8 Prozent, wie der Marktforscher IDC ermittelt hat. Wegen niedrigerer Verkaufspreise sinkt auch der Profit.

Apple setzt auf Premium

Apple hält seinen Marktanteil mit 12 Prozent weitgehend stabil. Der Absatz stieg deutlich auf 39,3 Millionen Geräte, wozu die neuen Modelle iPhone 6 und iPhone 6 Plus einen deutlichen Beitrag leisteten. Weil der Konzern Premiumpreise verlangt, arbeitet er mit Margen, um die ihn die Konkurrenten beneidenk.

Xiaomi holt rasant auf

Im Westen ist Xiaomi kaum bekannt, doch in China ist der Smartphone-Hersteller äußerst populär. Dank dreistelliger Wachstumsraten ist das Unternehmen nun mit einem Marktanteil von 5,3 Prozent drittgrößer Hersteller. Im dritten Quartal verkaufte er 17,3 Millionen Handys, wozu vor allem das Highend-Gerät Mi4 beitrug. Die spannende Frage: Kann Xiaomi auch im Westen Fuß fassen?

Lenovo wächst mit Motorola

Lenovo hat sich als PC-Hersteller einen Namen gemacht, drängt aber auch in den wachsenden Smartphone-Markt. Im dritten Quartal 2014 verkaufte der Konzern 16,9 Millionen Geräte, vor allem in Asien, dem Nahen Osten und Afrika. Der Marktanteil betrug 5,2 Prozent. Mit der Übernahme von Motorola dürfte der Konzern weiter wachsen.

LG legt deutlich zu

Der koreanische Hersteller LG verkauft viele günstige Geräte, ist mit dem G3 aber auch im Premiumsegment vertreten. Im dritten Quartal verkaufte er laut IDC 16,8 Millionen Geräte und sicherte sich damit 5,1 Prozent des Smartphone-Marktes. Das Resultat: LG konnte zuletzt auch den Gewinn deutlich steigern.

Große Namen, kleiner Marktanteil

Jenseits der Top 5 finden sich viele bekannte Namen: Sony und Blackberry etwa, aber auch Microsoft als Käufer der Nokia-Gerätesparte. Auch der chinesische Hersteller Huawei zählt dazu. 48,6 Prozent des Marktes fallen in diese Sammelkategorie, die IDC nicht weiter aufschlüsselt.

Dass die Lücken erhebliche Gefahren bergen, steht aber außer Frage. Der Internetkonzern hat die Sicherheitslücke nach einem Hinweis der Sicherheitsforscher bestätigt und im Android-Programmcode zügig geschlossen. Dass der Konzern so schnell reagiert, zeigt, dass er das Thema ernst nimmt. Die Deutsche Telekom hat gar vorübergehend den automatischen Empfang von MMS eingestellt – Nutzer müssen die Nachrichten händisch herunterladen.

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