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14.09.2011

16:20 Uhr

Start-Up Amen

Die neue Geschmackspolizei im Internet

VonStephan Dörner

In oder out – Top oder Flop: Das Berliner Start-Up Amen plant den ganz großen virtuellen Schulhof als Trendsucher im Web. Auch zwei Hollywood-Stars machen mit. Handelsblatt Online hat den Dienst ausprobiert.

Ashton Kutcher (links) und seine Frau Demi Moore sind auf dem Meinungsmarktplatz Amen aktiv. ap

Ashton Kutcher (links) und seine Frau Demi Moore sind auf dem Meinungsmarktplatz Amen aktiv.

Düsseldorf„Lean Back“ ist der beste Tanzschritt für Männer – das zumindest meint derzeit die Mehrheit des Tester-Kreises, der Amen bereits ausprobieren darf. Kein Wunder: US-Schauspieler Ashton Kutcher hat den Tanzstil als den coolsten auserkoren und damit viel Zustimmung bekommen. Er ist sozusagen das „cool Kid“ auf der derzeit meistgehypten Plattform des Internets, an der er selbst als Investor beteiligt ist.

Das Prinzip ist schnell erklärt: Die Nutzer bewerten Mode, Musik, Menschen, Dinge und Orte mit einem einfachen Satz. Die meisten der Sätze sind nach dem immer selben Muster aufgebaut: „Nichts ist so sexy wie ein französischer Akzent“, „Die New York Yankees sind das beste Baseball-Team“ oder „Led Zepplin ist die beste Rockband der Welt“. Die anderen Nutzer können diese Aussage mit einem zustimmenden „Amen“ unterstreichen. „Amen verbindet die Einfachheit von Twitter und das Status-Update von Facebook mit dem menschlichen Grundbedürfnis auf Meinung“, erklärte Mitbegründer Felix Petersen der Nachrichtenagentur dpa.

Widerspruch möglich

Anders als bei Facebook („Gefällt mir“) ist bei Amen allerdings auch Widerspruch möglich – aber bitte konstruktiv: Wer die Meinung eines anderen Nutzers mit den markigen Worten „Hell no!“ zurückweist, muss dafür einen Gegenvorschlag machen, dem dann wiederum zugestimmt werden kann. Wer also die Aussage zurückweist, der französische Akzent sei der attraktivste, muss dann zumindest sagen, dass er den wienerischen oder britischen besser findet.

Von Twitter übernommen hat Amen dabei das Follower-Prinzip. Amen-Nutzer können die Status-Meldungen anderer abonnieren – und sind so beispielsweise jeweils darüber informiert, was Ashton Kutcher, seine Frau Demi Moore oder andere Teilnehmer des Trend-Netzwerks für angesagt halten. Das alles klingt ziemlich banal – und das ist es auch.

Doch auch die Idee des Kurznachrichtendienst Twitter („Was machst du gerade?“) ist nicht weniger simpel und dennoch ein Welterfolg. Und so wird das in Berlin ansässige Start-Up derzeit als eines der heißesten der Welt gehandelt. Berichte im einflussreichen US-Blog Techcrunch haben es geadelt, Investoren reißen sich um die Berliner. Interessant werden könnte Amen natürlich für Marktforscher. Darauf spekulieren wohl auch die zahlreichen Investoren aus Übersee.

Rund 3000 Nutzer fanden die Idee des Berliner Startup-Unternehmens so interessant, dass sie sich an dem geschlossenen Beta-Test beteiligt haben. Das Geld kommt neben Kutcher unter anderem von der Investmentgesellschaft Index Ventures und Madonna-Manager Guy Oseary.

Auch die deutschen Macher von Amen sind keine Unbekannten - zumindest in der Internet-Szene. Einer der beiden Gründer, Geschäftsführer Felix Petersen, hatte mit Plazes schon einmal den richtigen Riecher: 2005 gründete er mit Plazes einen der ersten ortsbezogenen Dienste (Location Based Services) und verkaufte diesen drei Jahre später an Nokia.

Im Quartett der vier Gründer findet sich auch Florian Weber, einer der ersten Entwickler des Internet-Kurzmitteilungsdienstes Twitter. Weber schrieb 2006 von Deutschland aus einen wesentlichen Teil der Software für den Start von Twitter. 2007 schied er aus, wirkte dann eine zeitlang bei Xing mit - und bringt jetzt Amen voran.

Kommentare (4)

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aha

14.09.2011, 16:53 Uhr

Geschmackspolizei.
Noch dazu im Internet.

Sehr fein: so macht man aus einem Wirtschaftsorgan eine internetfähige Geschmackspolizei.

Ladies^^

jiha

14.09.2011, 17:01 Uhr

Wie wäre es mit "Gescmäcklerpolizei"?

das wäre doch weitaus angemessener - nicht wahr?

Auch da ist das Handelsblatt an vorderster Front.

stagerbn

21.10.2011, 15:05 Uhr

schade nur, dass die Gründer die gute Idee an sich ruinieren...

http://www.severint.net/2011/10/21/wie-felix-petersen-gerade-amen-ruiniert/

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