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04.02.2005

12:45 Uhr

Straftätern und Pädophilen auf der Spur

„Streife im Internet“

Dieser Job ist nichts für schwache Nerven: Seit Anfang des Jahres klicken sich tagtäglich fünf Beamte des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg durch die düsteren Seiten des Internets.

LKA-Streife im Internet

Beamte des Landeskriminalamtes recherchieren in der Behörde nach Kinderpornografie im Internet

dpa STUTTGART. Sie suchen nach möglichen Sexualtätern, Pädophilen und Verbrechern wie Waffenschiebern oder Wirtschaftskriminellen. Bei ihrer „Streife im Internet“ - auch anlassunabhängige Recherche genannt - gehen die Cyber-Polizisten stichprobenartig vor.

„Das ist wie bei einer normalen Polizeistreife mit dem Auto im richtigen Leben. Wir sind mal hier und mal dort. Fahren am Bahnhof vorbei oder schauen mal gezielt auf einen Spielplatz“, erklärt der Chef der fünfköpfigen Truppe, Kriminalhauptkommissar Achim Traichel. Auch im Internet sind die Orte, die die Streife absurft, vielfältig: „Wir interessieren uns für Auktionshäuser ebenso wie für Tauschbörsen, Newsgroups oder Chaträume.“

Einer der Schwerpunkte der virtuellen Polizisten liegt im Bereich der Sexualdelikte und Kinderpornografie. Die Datenflut, die die Kriminalisten und EDV-Spezialisten dabei zu Gesicht bekommen und auswerten müssen, ist mitunter nur sehr schwer zu verdauen: Nackte Kinder in eindeutiger Position, Bilder geschändeter Kinder oder Sex mit Tieren. „Es gibt nichts, was es nicht gibt“, sind sich die Beamten einig. Und wenn den einen oder anderen Beamten die Bilder und das Gesehene auch mal über die Arbeitszeit hinaus verfolgen, dann ist Traichel gefordert: Er hat sich vor sechs Jahren zum Konfliktberater ausbilden lassen und unterstützt seine Kollegen in kritischen Momenten mit einem professionellen Gespräch.

Welche Früchte die „Streife im Internet“ tragen kann, verdeutlicht ein Fall aus Bayern: Münchner Polizeibeamten waren bei einer virtuellen Streife im Jahr 2001 Bilddateien eines Mannes aufgefallen, auf denen der sexuelle Missbrauch drei- bis vierjähriger Mädchen gezeigt wurde. Ein Hinweis an die australische Polizei führte schließlich zu einer Festnahme. Dieser Fall zeigt, dass Internet- Straftäter auch über Ländergrenzen hinweg effektiv verfolgt werden können.

Mit der Möglichkeit der verdachtsunabhängigen Recherche im Internet sei das „Maßnahmenpaket Internet“ des Landes nun erweitert worden, erzählt Traichel weiter. Denn bereits seit Mitte 2004 ziehen im präventiven Bereich Polizei und Internetanbieter im Kampf gegen Schund und Kriminelle an einem Strang. Dazu hatten sich einige Internetanbieter verpflichtet, Seiten mit kinderpornografischen Inhalten zu sperren und die Polizei bei den Ermittlungen gegen deren Anbieter und Nutzer zu unterstützen.

Der Grund: Mit der wachsenden Nutzung des Internets hat auch der Besitz und die Verbreitung von Kinderpornografie rasant zugenommen. Bundesweit ermittelte die Polizei im Jahr 2000 in mehr als 2 600 Fällen gegen etwa 2000 Tatverdächtige. In Baden-Württemberg haben sich die Zahl dieser Straftaten nach offiziellen Angaben im gleichen Zeitraum von fast 300 auf 350 und die Zahl der Tatverdächtigen von rund 260 auf 320 erhöht. Die anlassabhängige Recherche, zum Beispiel auf Grund von Hinweisen aus der Bevölkerung, gibt es schon seit 1997.

„Mit unserer Arbeit wollen wir das Entdeckungsrisiko für Straftäter im Internet erhöhen, die Täter sollen sich nirgendwo mehr sicher fühlen“, betont Traichel. Bei ihrer Recherche gehen die Ermittler in der Regel nach dem gleichen Muster vor: „Im Internet suchen wir uns meist eine Plattform heraus, wo wir wissen, dass sich dort auch Sexualstraftäter tummeln. Dann recherchieren wir“, erklärt der Spezialist für Kinderpornografie, Rüdiger Kottmann. Angesichts des Ausmaßes und der schnellen Verbreitung im Internet weiß er aber auch, dass er und seine Kollegen an eine natürliche Grenze stoßen: „Wir können nicht das ganze Internet sauber halten.“

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