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29.02.2004

16:22 Uhr

Streit um geplante Domain-Wartelisten

Icann handelt sich noch eine Klage ein

VonBernd Kupilas

Die Internet-Organisation Icann gerät immer stärker unter Druck: Nach einer Klage des Web-Dienstleisters Verisign haben nun auch etliche US-Domainregistrare den Netz-Verwalter verklagt – und zudem verklagen sie auch gleich Verisign.

DÜSSELDORF. Die klagenden Domain-Registrare werfen Icann und Verisign unter anderem unfaire Handelspraktiken und die Absicht zur Monopolbildung vor. Sie wenden sich damit gegen die geplante Einführung von Wartelisten für frei werdende .com- und .net-Domains (Waiting List Services). Bei diesem Angebot können sich Kunden für die Registrierung einer aktuell bereits vergebenen Internet-Domäne kostenpflichtig vormerken lassen.

Verisign hatte bei Icann auf die Schaffung dieser Wartelisten gedrungen und in seiner Klage gegen Icann argumentiert, die Internet-Organisation verhindere die Einführung solcher neuen Dienstleistungen. Gegen die Einführung von Wartelisten wenden sich nun Verisigns Kontrahenten, denn sie sehen darin einen für den Konsumenten nutzlosen Service. Ein Wartelisten-Dienst wäre in den meisten Fällen bedeutungslos, weil die vorgemerkten Domains ohnehin nicht zu erhalten sein würden, heißt es in der Klageschrift. Eine Vereinbarung über Wartelisten würde es zudem Icann und Verisign erlauben, Gebühren einzunehmen, indem unwissende Konsumenten gegeneinander ausgespielt würden, so die Argumentation der Kläger.

Unterdessen hat Icann sich erstmals zu der Klage von Verisign geäußert. Man sei enttäuscht, dass Verisign den Weg der Konfrontation gehe, heißt es in einer kurzen Mitteilung.

Mit der neuen Klage bekommt der jüngste Streit um die Internet-Organisation Icann zusätzliche Brisanz. Einseits verklagt Verisign Icann, weil es angeblich neue Dienstleistungen verhindere. Andererseits wendet sich die Konkurrenz von Verisign gegen ebensolche Dienstleistungen – und gleichzeitig gegen Icann. Die Organisation selbst gerät damit in eine Zwickmühle. Beiden Klägern kann sie es unmöglich recht machen.

Der Streit um die Domain-Wartelisten wird auch bei dem Icann-Treffen in Rom eine wichtige Rolle spielen, das am Dienstag beginnt.

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