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13.07.2012

11:46 Uhr

Student bekämpft Google

David gegen Googliath

VonTina Halberschmidt

Der Student Philip Matesanz zieht gegen Google in den Kampf. Um seinen Online-Dienst weiterbetreiben zu dürfen, hat der 21-Jährige eine Petition ins Internet gestellt. Fast 700.000 Menschen haben bereits unterschrieben.

Ein hilfloses Opfer - so fühlt sich der 21-jährige Student Philip Matesanz im Kampf gegen den Internetriesen Google. (Bild: Ioannis Milionis mycartoons.de/YouTube-mp3.org)

Ein hilfloses Opfer - so fühlt sich der 21-jährige Student Philip Matesanz im Kampf gegen den Internetriesen Google. (Bild: Ioannis Milionis mycartoons.de/YouTube-mp3.org)

Philip Matesanz fühlt sich missachtet. Seit Wochen versucht der 21-Jährige, mit Google in Kontakt zu kommen. Seitdem er im Juni einen Brief von dem US-amerikanischen Unternehmen bekommen hat, in dem er aufgefordert wurde, seinen Konvertierungsdienst Youtube-mp3.org vom Netz zu nehmen, habe er immer wieder um ein klärendes Gespräch gebeten, erklärt der Student. Resonanz – bisher Fehlanzeige.

Doch von vorne: 2009 stellte Philip Matesanz Youtube-mp3.org online, einen Dienst, mit dem Nutzer die Tonspur eines Youtube-Videos als mp3 auf den eigenen PC laden und später beispielsweise auf dem Smartphone anhören können. Pro Tag kamen Millionen Nutzer auf die Webseite und konvertierten Clip um Clip, resümiert Philip Matesanz. Seiner Meinung nach war diese Dienstleistung völlig legal: Schließlich funktioniere sein Dienst wie eine Art digitaler Kassettenrekorder, mit dem man Musik aus dem Internet aufnehmen könne.

Der Konzern Google, der 2006 das weltweit führende Video-Portal Youtube.com übernommen hat, sieht das anders: In einem offiziellen Brief, einem so genannten „Associate Product Counsel“, wurde Philip Matesanz schriftlich aufgefordert, seine Dienste einzustellen. „Als ich der Aufforderung nicht nachkam, sondern um ein Gespräch bat, wurden meine Server gesperrt“, erklärt Matesanz. „Das heißt, ich hatte plötzlich keinen Zugriff mehr auf Youtube.“

In den meisten Fällen blockiert Google inzwischen den Konvertierungsdienst youtube-mp3.org. Dieser Screenshot zeigt die Seite, die Philip Matesanz 2009 online gestellt hat.

In den meisten Fällen blockiert Google inzwischen den Konvertierungsdienst youtube-mp3.org. Dieser Screenshot zeigt die Seite, die Philip Matesanz 2009 online gestellt hat.

Inzwischen können die meisten Youtube-Clips auch nicht mehr via Youtube-mp3.org konvertiert werden. „In 60 Prozent der Fälle wird der Dienst von Google blockiert“, so Matesanz.

Der 21-Jährige hat sich deswegen an die Öffentlichkeit gewandt. Vor wenigen Tagen stellte er eine Internet-Petition online, mit der er Google die Erlaubnis abtrotzen will, Rekorder zu gestatten, mit denen Youtube-Videos für die private Nutzung aufgezeichnet werden dürfen. Rund 700.000 Menschen haben die Petition bereits unterzeichnet. „Ich finde es deswegen doppelt schade, dass Google sich nicht gesprächsbereit zeigt“, formuliert Philip Matesanz, der sich in einem Kampf „David vs. Goliath“ wähnt. „Ich kann mir gut vorstellen, dass gar nicht Google selbst das Interesse hat, Konvertierungsdienste zu verbieten, sondern dass dahinter die Lobbyisten der Musikindustrie stecken“, spekuliert der Student.

Kommentare (10)

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jeffy

13.07.2012, 12:04 Uhr

700.000 Menschen und Google will kein Wort mit ihm sprechen?

Account gelöscht!

13.07.2012, 12:22 Uhr

Ist ein Mitschnitt einer Veröffentlichung für private Zwecke legal? Ganz klar: Ja!

Hier wird das Recht gebeugt und illegale Selbstjustiz durchgeführt. Frei nach dem Motto: "Es ist zwar erlaubt aber wir teilen diese Rechtsauffassung nicht und machen unsere eigenen Gesetze."

Stellen Sie sich vor, dass würde jeder machen! Dann hätten wir ganz schnell eine Anarchie in der jeder das Recht nach seinen Vorstellungen beugt und auslegt.

Florian

13.07.2012, 12:27 Uhr

Es ist wieder mal eine Frechheit wie ein Großkonzern einen "David" in die Knie zwingen will.
Ich lade seit bestimmt 1-2 Jahren regelmäßig Lieder über diese Internetseite herunter, bzw. ich wandle sie ja nur um.
Ich hoffe das die Petition etwas bewirkt und er sich nicht unterkriegen lässt. Ich freue mich schon wenn er sich seines Informatikwissens ans Werk macht und die Sperre Googles aufhebt.
Deutsches Recht in Deutschland, wenn es kein Gesetzverstoß ist, dann Finger weg Google!

MfG

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