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26.09.2011

15:38 Uhr

Studie

560.000 Internetsüchtige in Deutschland

Fluch und Segen zugleich: Das Internet ist kaum mehr aus dem Leben zu denken - im Beruf und auch in der Schule. Doch vor allem Jugendliche können internetsüchtig werden.

In sozialen Netzwerken wie Facebook erfahren Jugendliche soziale Bestätigung. Das kann zu Sucht führen. dpa

In sozialen Netzwerken wie Facebook erfahren Jugendliche soziale Bestätigung. Das kann zu Sucht führen.

BerlinSie verweilen in sozialen Netzwerken oder verlieren sich stundenlang in Onlinespielen: Besonders junge Menschen sind laut einer Studie von Internetsucht betroffen. Sie sind im Alter zwischen 14 und 24 Jahren, zum Teil haben sie die Kontrolle über ihre Internetnutzung verloren. Im Extremfall werden Schule, Beruf und echte soziale Kontakte vernachlässigt - auch wenn die überwiegende Mehrzahl nicht internetsüchtig ist. „In der virtuellen Welt finden sie Erfüllung und Anerkennung, die ihnen möglicherweise im wirklichen Leben verwehrt bleiben“, sagte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, am Montag in Berlin.

Nach der vom Bundesministerium für Gesundheit in Auftrag gegebenen Studie gelten bundesweit insgesamt 560.000 Menschen als abhängig - das sei etwa ein Prozent der 14 bis 64-Jährigen. Demnach verbringen Internetsüchtige am Tag durchschnittlich vier Stunden im Netz. Viel größer ist die Zahl der „problematischen Internetnutzer“: In Deutschland gelten rund 2,5 Millionen Menschen als gefährdet. Am Tag sind sie etwa drei Stunden online. Die Zahl der Internetsüchtigen sei vergleichbar mit der Zahl der Cannabis-Abhängigen.

Bei den 14- bis 24-Jährigen sind es 2,4 Prozent, die als internetsüchtig eingestuft werden. 13,6 Prozent sind gefährdet - das heißt, dass die Gefahr sehr groß ist, in die Abhängigkeit zu rutschen. Sie verbringen dabei die meiste Zeit in sozialen Netzwerken und bei Onlinespielen.

Besonders überraschend: In der Altersgruppe der 14- bis 16-Jährigen sind Mädchen häufiger abhängig und gefährdet als Jungen. „Wir vermuten, dass Mädchen und junge Frauen besonders empfänglich sind für die Bestätigungen, die man in sozialen Netzwerken findet“, erklärte Fachmann Hans-Jürgen Rumpf von der Universität Lübeck. Doch die extremen Fälle wie körperliche Verwahrlosung gebe es vor allem bei den jungen Männern, die süchtig nach Spielen im Internet seien und zum Teil gar nicht mehr aus dem Haus gingen.

Die vorliegende Studie gebe einen ersten repräsentativen Überblick über die Häufigkeit der Problemfälle. Bisher sei die Datenlage sehr gering gewesen, sagte die Drogenbeauftragte Dyckmans und sprach von einer „neuen Erkrankung“, die erst erforscht werden müsse. Eine Nachfolgestudie solle vor allem die Folgen und das Ausmaß der Sucht näher beleuchten. Zudem stellte Dyckmans eine neue Broschüre für Eltern vor. Sie soll bei der Aufklärung und im Umgang mit internetsüchtigen Kindern und Jugendlichen helfen.

Bei der von den Universitäten Lübeck und Greifswald durchgeführten Studie wurden mehr als 15.000 Menschen im Alter von 14 bis 64 Jahren befragt. Die Internetabhängigkeit wurde dabei über eine Reihe von Merkmalen bestimmt. Dazu gehören unter anderem die Verweildauer im Internet, die Pflege von echten sozialen Kontakten und Entzugserscheinungen.

Von

dpa

Kommentare (1)

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MartinLorber

27.09.2011, 12:13 Uhr

Bereits im Februar hatte die Landesanstalt für Medien NRW eine Studie zum Thema exzessives Computerspielen veröffentlicht (http://www.lfm-nrw.de/aktuell/pressemitteilungen/pressemitteilungen-detail/article/neue-lfm-studie-zu-chancen-und-risiken-von-computerspielen.html). Hier kam man zu dem Ergebnis, dass Computerspiele in Deutschland nur zu einem ganz kleinen Teil von Spielern exzessiv genutzt werden. Genauer gesagt, 99,5 Prozent der Spieler sind nicht abhängig von Spielen. Im Blog für digitale Spielkultur von EA findet man zu diesem Thema einen ausführlichen Beitrag mit Hintergrundinformationen und Interviews (http://spielkultur.ea.de/kategorien/forschung/landesanstalt-fur-medien-nrw-relativiert-das-suchtproblem-bei-computerspielen-deutlich).

Martin Lorber (www.spielkultur.ea.de)

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