Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.10.2016

15:55 Uhr

Suizidprävention per Suchmaschine

Wie Google Leben retten könnte

Können Suchmaschinen Leben retten? Münchener Forscher haben einen Ansatz entwickelt, wie Google und andere Suchprogramme Hilfsangebote bei Suizidgefahr zielgerichteter als bisher einblenden könnten.

Suchanfragen können einen Hinweis geben auf eine mögliche Suizidgefahr. dpa

Suizidgefahr erkennen

Suchanfragen können einen Hinweis geben auf eine mögliche Suizidgefahr.

BerlinDurch ihre Anfragen bei Suchmaschinen verraten Internetnutzer nicht nur ihre Interessen und Vorlieben, sondern häufig auch ihren seelischen Zustand. Suchmaschinen wie die von Google folgen daher bereits Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation und blenden Hilfsangebote ein, etwa zur Telefonseelsorge, sobald nach Begriffen gesucht wird, die auf eine mögliche Selbsttötung schließen lassen.

Doch die Suchmaschinen könnten möglicherweise einen stärkeren Beitrag zur Suizidprävention leisten, wie eine aktuelle Studie von Forschern der Ludwig-Maximilians-Universität in München nahelegt. Momentan werden entsprechende Hilfsangebote nämlich nur in etwa 25 Prozent der Anfragen, die auf einen potenziellen Suizid hinweisen, angezeigt, wie Florian Arendt und Sebastian Scherr vom Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Münchener Hochschule aufgezeigt haben.

„Damit vergeben Suchmaschinen die Chance, einer großen Anzahl gefährdeter Personen zu helfen“, sagt Sebastian Scherr. Die Wissenschaftler schlagen nun einen Ansatz vor, der stärker berücksichtigt, in welchem Zusammenhang bestimmte Suchbegriffe eingegeben werden.

Entscheiden ist dabei die Erkenntnis, dass sich Suizide an bestimmten Tagen im Jahr häufen, zum Beispiel an Feiertagen wie Neujahr. Am Beispiel des Suchbegriffs „Vergiftung“ haben Arendt und Scherr den zeitlichen Verlauf von Google-Suchanfragen analysiert und nachvollzogen, an welchen Tagen und zu welchen Zeitpunkten dieses Wort besonders oft eingegeben wurde. Ihre Auswertung zeigt, dass die Suchanfragen genau an jenen Tagen zunehmen, an denen es auch deutlich mehr tatsächliche Suizidversuche gibt.

„Zumindest an solchen Tagen wäre es daher in einem ersten Schritt notwendig, Hilfsangebote vermehrt anzuzeigen“, fordert Scherr. In ihrer Pilotstudie schlagen die Forscher vor, den Algorithmus von Suchmaschinen laufend auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse anzupassen, um Risikofaktoren stärker zu berücksichtigen.

Mit einer gezielten Anpassung könnten Google und andere Suchmaschinen einen stärkeren Beitrag zur Suizidprävention liefern. „Die Betreiber von Suchmaschinen haben hier eine gesellschaftliche Verantwortung“, mahnt Arendt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×