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19.07.2012

15:12 Uhr

Superrechner

Mit 155.000 Prozessoren die Welt berechnen

Er ist so groß wie ein halbes Fußballfeld und soll die wichtigsten Rätsel der Wissenschaft lösen helfen: Am Freitag wird in Garching der viertschnellste Superrechner der Welt eingeweiht.

SuperMUC braucht rund 500 Quadratmeter Platz und wiegt 100 Tonnen. dpa

SuperMUC braucht rund 500 Quadratmeter Platz und wiegt 100 Tonnen.

MünchenDeutschlands neuster Superrechner steht in München. Mit seinen 155.000 Prozessoren ist SuperMUC derzeit sogar die Nummer eins in Europa. Diesen Status wird der Neuling am Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) vermutlich nicht lange behalten. Denn wegen der Unmengen an Daten, die in Astronomie, Atomphysik, Medizin- oder Klimaforschung heutzutage verarbeitet werden müssen, entstehen weltweit immer leistungsfähigere Riesenrechner.

Die Fläche des Rechenzentrums musste verdoppelt werden, damit SuperMUC überhaupt Platz fand. Etwa 83 Millionen Euro haben der Bund und das Land Bayern in den neuen Superrechner investiert. Inzwischen sind die ersten Tests des Herstellers IBM beendet, und die durch gelbe Kabeltrassen verbundenen Prozessoren in den fast zwei Meter hohen Schränken warten auf Forschungsarbeit. Der Andrang der Wissenschaftler sei riesig, sagt LRZ-Mitarbeiter Ludger Palm: „Der Bedarf an Höchstleistungsrechnern ist auf absehbare Zeit gar nicht zu sättigen.“

Schwindelerregende drei Billiarden Rechenoperationen - drei „Petaflops“ - schafft der Supercomputer in der Sekunde. Das entspricht der Leistung von mehr als 110.000 normalen Personalcomputern – der der von drei Milliarden Menschen, die mit einem Taschenrechner eine Million Rechenoperationen pro Sekunde ausführen. In der erst kürzlich wieder veröffentlichten Liste der 500 stärksten Supercomputer der Welt rangiert der Garchinger Rechner damit auf Platz vier hinter Konkurrenten aus Japan und den USA.

Gebraucht werden die enormen Rechenleistungen etwa bei Simulationen des Klimageschehens, bei denen Einflussgrößen wie Temperatur, Lokalwetterlagen oder Geographie und verschiedenste Wechselwirkungen verarbeitet werden. Die Suche nach dem Elementarteilchen Higgs-Boson, dessen wahrscheinliche Entdeckung jüngst am Genfer Forschungszentrum CERN gefeiert wurde, wäre nicht möglich gewesen, wenn nicht Superrechner europaweit die bei den Teilchenbeschleuniger-Experimenten gewonnenen Datenmassen analysiert hätten.

Kommentare (3)

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21.07.2012, 14:03 Uhr

Welche Petaflops, single oder double precision?
Zum Faktor 100.000 gegenüber PCs: Mittlerweile bringen neue Grafikkarten über 5 GFlops, da sind wir nur noch bei Faktoren um die 500.
Wie hoch ist denn die Leistungsaufnahme des Clusters bei Vollast?
GraKa mit 5 GFlops - 300W
Wasserkühlung ist nicht ganz so neu, das gibt's sogar für PCs mittlerweile von der Stange.
Braucht man eigentlich überhaupt solche teuren Rechenzentren?
Die meisten PCs dümpeln bei 3-5% CPU-Auslastung rum, auch wenn die User lange Mails damit schreiben.
http://en.wikipedia.org/wiki/FLOPS
Bsp. Projekt SETI@Home, verteilte Suche nach Ausserirdischen:
540 TFLOPS.
Oder:
"The entire BOINC network averages about 6.1 PFLOPS as of April 15, 2012."
6.1 ist doppelt so viel wie die IBM-Kiste.

Account gelöscht!

21.07.2012, 14:05 Uhr

Nachtrag, GraKa nicht 5GFLOPS sondern 5TFLOPS, z.B. GTX 690 von Nvidia.

holgerroessler

23.07.2012, 19:16 Uhr

Ich kann nicht verstehen, warum Supercomputer (da wird ja nicht wirklich aufs Geld geachtet), heute mit extrem vielen CPUs ausgerüstet werden, da z.B. die Tesla Karten von Nvidia DEUTLICH mehr Leistung haben, als jede Verfügbare CPU auf der Welt.

Das Projekt "Folding@Home" zeigt zudem, wie durch Spenden von Rechenzeit gewaltige Rechennetze entstehen können, die locker jeden aktuellen Superrechner in Puncto Rechenleistung schlagen können und dies auch tun!

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