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12.03.2016

10:04 Uhr

SXSW

„Das iPhone darf keine Black Box sein“

VonBritta Weddeling

US-Präsident Barack Obama wirbt auf der Digitalkonferenz „South by Southwest“ für sich und die Regierung, die sich mit Apple und ganz Silicon Valley verkracht hat. In der Sache allerdings bleibt er hart.

Präsident Barack Obama (Mitte) auf der Bühne mit Moderator Evan Smith AP

South by Southwest Festival (SXSW)

Präsident Barack Obama (Mitte) auf der Bühne mit Moderator Evan Smith

AustinDer US-Präsident versucht es mit einem Scherz. Lange habe er nach einem Vorwand für den Besuch in Austin gesucht, sagt Barack Obama und demonstriert krawattenlose Lässigkeit. Nun freue er sich riesig, besonders über die erbaulichen Gespräche mit „meinen Freunden aus dem Silicon Valley“, den Programmierern. „Ich bin gekommen, um Euch alle zu rekrutieren.“

Doch die Verhältnisse, sie sind nicht so. Ja, Obama ist der erste amtierende US-Präsident, der auf der Digitalkonferenz „South by Southwest“ spricht und Austin, die linke Enklave Texas', bekannt für Dive-Bars, Outdoor-Rock und großflächig tätowierte Hipster, in temporäre Alarmstimmung versetzt.

Aber nein, von der behaupteten Freundschaft kann wohl keine Rede sein. Und das wird jedem im Saal sofort klar, als der Mann vor den 2000 handverlesenen Gästen von Plattitüde auf Angriff schaltet.

Er habe sich vor seinem Auftritt mit den „Techies“ darüber unterhalten, wie „wir Extremisten bekämpfen können, die junge Leute online für sich rekrutieren“, sagt Obama. „Wir müssen dazu in der Lage sein, das zu sehen, und wollen dabei helfen, ihre Netzwerke zu infiltrieren.“ Und: „Wir wollen nicht, dass die Regierung bei diesem Problem die Führung übernimmt.“

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Aber eigentlich will er das doch. Genau darum geht es in dem aktuellen, historischen Streit zwischen FBI und Apple. Die Behörde will den Konzern dazu zwingen, ihm Zugang zum Dienst-iPhone eines der toten Attentäter von San Bernadino zu gewähren. Konzernchef Tim Cook hat die Anfrage zum Präzedenzfall für Hintertüren in Software erklärt und widersetzt sich hartnäckig. Fast die gesamte Branche hat sich inzwischen mit ihm solidarisiert. Der Streit ist zum öffentlichen Schlagabtausch geworden.

Die Privatwirtschaft habe leicht reden, verteidigt sich Obama. Sie müsse ja nicht herausfinden, wie sie die Gesellschaft vor Terroranschlägen schütze. Im aktuellen Fall will das Weiße Haus, dass Apple per Softwareeingriff die Funktion aushebelt, die den Inhalt eines Telefons löscht, wenn zehn Mal ein falsches Passwort eingegeben wird. Die Behörde hätte damit Zugriff auf alle Inhalte.

Er könne den aktuellen Streit nicht direkt kommentieren, sagt Obama. „Wir alle schätzen den Wert von Privatsphäre“, aber so wie Fahnder eine Hausdurchsuchung in der analogen Welt durchführen könnten, müsse dies dem FBI auch bei Smartphones möglich sein. „Es muss einen Weg geben, diese Geräte einzusehen. Das iPhone darf keine Black Box sein.“

Apple lehnt so einen Zugriff ab. Der Konzern fürchtet um die Produkt-Qualität und sieht die Gefahr des Missbrauchs eines solchen Schlüssels, sei es durch Kriminelle oder übereifrige FBI-Männer. Seit der NSA-Affäre geht das ohnehin regierungskritische Valley auf Abstand. Der letzten diplomatischen Aufwartung des Präsidenten vergangenen Februar an der Stanford University blieben die Granden von Google, Facebook und Co. demonstrativ fern.

Wie schon vor knapp einem Jahr warb Obama dennoch auch dieses Mal für mehr Zusammenarbeit zwischen Digital-Industrie und Washington. „Wir werden die Tech-Community dabei brauchen, dieses Problem zu lösen.“ Doch wie aussichtsreich sein Werben vor dem Hintergrund des aktuellen Streites ist, das muss sich erst noch zeigen.

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