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06.03.2013

06:09 Uhr

Technologie-Branche wirbt

Vertraut in die Cloud!

VonChristof Kerkmann

Billiger, flexibler - aber weniger sicher? Viele Firmen haben Angst vor dem Cloud Computing. Auf der Cebit wirbt die IT-Branche um Vertrauen. Dafür sollten sie vielleicht den Energie-Riesen Shell engagieren.

An den Cebit-Ständen kombinieren die Aussteller das Wort Cloud mit vertrauenserweckenden Zusätzen. AFP

An den Cebit-Ständen kombinieren die Aussteller das Wort Cloud mit vertrauenserweckenden Zusätzen.

HannoverDer Zeitpunkt hätte nicht ungünstiger sein können. Kurz vor der Cebit – die Aussteller werkelten noch an ihren Ständen – drangen kriminelle Hacker in die Server des Online-Dienstes Evernote ein und stahlen die Daten von Millionen von Nutzern.

Das Unternehmen, auf dessen Servern Privatleute und Unternehmen Dokumente, Notizen und Fotos ablegen können, ist damit in illustrer Gesellschaft: Kurz zuvor vermeldeten auch die Technologie-Unternehmen Twitter, Facebook und Microsoft Cyber-Attacken, ebenso der Stahlkocher Thyssen-Krupp und der Rüstungskonzern EADS.

Vor- und Nachteile des Cloud Computing

Kosten

Wenn ein Unternehmen seine Kundendatenbank nicht im eigenen Rechenzentrum pflegt, sondern einen Online-Dienst wie Salesforce.com nutzt, spart es sich Investitionen in die Infrastruktur. Die Abrechnung erfolgt außerdem zumeist gestaffelt, zum Beispiel nach Nutzerzahl oder Speicherverbrauch. Geschäftskunden erhoffen sich dadurch Kosteneinsparungen.

Skalierbarkeit

Wer Speicherplatz im Netz mietet, kann flexibel auf die Nachfrage reagieren und den Bedarf unkompliziert und schnell erhöhen oder versenken. Wenn beispielsweise ein Startup rasant wächst, fährt es einfach die Kapazitäten hoch. Somit fallen auch niedrige Fixkosten an.

Einfachheit

Die Installation auf den eigenen Rechnern entfällt. Damit lässt sich ein neues System äußerst schnell einführen. Auch die Updates bereiten keine Probleme mehr, somit sinkt der Administrationsaufwand. Allerdings lassen sich die Cloud-Dienste in der Regel auch nicht so individuell konfigurieren.

Ortsunabhängigkeit

Zur Nutzung der Cloud-Dienste benötigen Mitarbeiter lediglich einen Internetanschluss – unabhängig von ihrem Aufenthaltsort und dem Gerät, das sie nutzen.

Sicherheit

Die Daten-Dienstleister werben damit, dass sie sich intensiver mit der IT-Sicherheit beschäftigen als einzelne Nutzer oder Unternehmen. Allerdings sind die Rechenzentren der Cloud-Anbieter aufgrund der große Datenmenge auch ein attraktives Ziel für Angreifer von Hackern. Auch Geheimdienste zeigen großes Interesse. Zudem ist von außen schwer nachzuvollziehen, ob der Anbieter die Daten ausreichend vor den eigenen Mitarbeitern schützt. Die Auslagerung bedeutet somit einen Kontrollverlust.

Abhängigkeit

Viele Unternehmen sind von ihrem Dienstleister abhängig, weil sie nicht ohne weiteres zu einem anderen Anbieter wechseln können. Das liegt etwa daran, dass sie ihre Systeme aufwendig an die Schnittstellen anpassen müssen. Auch Nutzer haben oft Schwierigkeit, wenn sie mit ihren Daten den Anbieter wechseln wollen. Eine weitere Frage: Was ist, wenn der Betreiber eines Dienstes pleite geht? Erst wenn es Standards gibt, die den Wechsel von einem zum anderen Dienstleister ermöglichen, sinkt die Abhängigkeit.

Diese Zwischenfälle stellen die Technologie-Branche vor Erklärungsnöte. Auf der Cebit in Hannover werben Anbieter wie Microsoft und Telekom, SAP und IBM groß für ihre Cloud-Dienste. Online-Speicher, Rechenleistungen oder Anwendungen aus dem Netz sollen die IT im Unternehmen einfacher, billiger, flexibler und – ja – auch sicherer machen. Doch angesichts der verschiedenen Zwischenfälle müssen die Firmen ihre potenziellen Kunden davon überzeugen, dass sie ihre Daten guten Gewissens in die Wolke geben können.

Das ABC des Cloud-Computing

Software as a Service (SaaS)

Bei diesem Konzept laufen Anwendungen – etwa für Textverarbeitung oder Kundenverwaltung –nicht auf dem eigenen Rechner, sondern auf den Servern des Dienstleisters. Aufgerufen werden sie übers Internet. Meist ist nicht mehr als ein Browser nötig. Bezahlt wird in der Regel per Abo. Daher ist auch von Miet-Software die Rede.

 

Infrastructure as a Service (IaaS)

Unternehmen können auch Rechenleistung oder Speicherplatz über die Cloud beziehen – in diesem Fall ist von Infrastructure as a Service die Rede. Gerade Startups können auf diese Weise schnell und unkompliziert ihre Website aufbauen und bei Bedarf die Kapazitäten auf Knopfdruck vergrößern.

Platform as a Service (Paas)

IT-Entwickler können auch eine virtuelle Computer-Plattform über die Cloud nutzen. Das erleichtert die Programmierung, weil sie selbst keine spezielle Hardware aufstellen müssen.

Public Cloud

Wenn Unternehmen ihre Cloud-Dienste öffentlich zugänglich anbieten, ist von der Public Cloud die Rede. Dabei handelt es sich oft um standardisierte und somit günstige Services. Der Zugriff erfolgt übers Internet.

Private Cloud

Wie bei Public-Cloud-Lösungen liegen die Daten oder Anwendungen auf Servern – diese betreibt das Unternehmen jedoch selbst. Der Zugang ist bei der Private Cloud auf die eigenen Mitarbeiter sowie autorisierte Geschäftspartner und Kunden beschränkt. Weil der Betreiber mehr Kontrolle hat, eignet sich diese Lösung für sensible Daten. Vor allem große  Unternehmen und öffentliche Einrichtungen setzen darauf.

 

Hybrid Cloud

Eine Mischung aus Public und Private Cloud – das Unternehmen setzt also beide Elemente ein.

Die Skepsis in Deutschland ist immer noch groß. Acht von zehn Unternehmen verzichten auf Cloud-Dienste, die meisten aus Angst vor Datenverlusten, wie der Cloud-Monitor im Auftrag von Bitkom und KPMG zeigt. „Wenn wir Cloud-Services verkaufen wollen, dann ist gerade bei den mittelständischen und kleinen Kunden die Frage: Sind meine Daten sicher bei einem anderen Anbieter?“, sagte Telekom-Chef René Obermann auf der Leitmesse in Hannover. Vertrauen sei das „wesentliche Thema“. Und ganz ähnlich klingt es an vielen anderen Ständen.

Diese Skepsis ist nicht gut für die Geschäfte der IT-Branche. Andere Länder seien deutlich offener gegenüber dem Cloud Computing, sagte Christian Illek, Chef von Microsoft Deutschland, im Gespräch mit Handelsblatt Online: „Bei Microsoft gibt es eine Daumenregel, dass Deutschland 12-18 Monate hinter anderen Ländern hinterherläuft.“ Immerhin wachse der Abstand nicht. Wenn die Branche um Vertrauen werbe, könne Deutschland aber aufschließen.

Kommentare (15)

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Account gelöscht!

06.03.2013, 07:03 Uhr

Der CLOUD vertrauen? Da gibt man seine Daten her in eine Wolke. Was wird damit gemacht, wie werden die ureigensten Daten dann ausgewertet? Mir kommt die Cloud nicht ins Haus. Meine Daten gehören mir, und wichtige Daten werden immer extern abgespeichert ohne Verbindung zum Netz!

Mark

06.03.2013, 07:19 Uhr

Der ideale Treff für dumme Schafe !

mini-me

06.03.2013, 07:20 Uhr

was ist wenn das internet ausfällt? dann schickt der cloud-nutzer seine ma nach hause. alle anderen können noch mit daten aus dem eigenen intranet weiter arbeiten.
- 1gb speicher auf festplatten kostet fast nix mehr
- server und rechner sind billig wie nie
- datenskandale gibt es immer wieder, oder sie merken es garnicht wenn in der cloud daten abgegeriffen werden
- das eigene intranet bzw. das lokal installierte programm arbeitet schneller als cloud-basierte anwendungen

* unabhängigkeit macht einfach frei *

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