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07.01.2015

06:35 Uhr

Trends von der CES

Verführung im Wohnzimmer

VonChristof Kerkmann

Den „verführerischsten Fernseher aller Zeiten“ können Besucher der Technikmesse CES bestaunen. Doch bei der Bedienung der Geräte hakt es oft noch. Inspiration suchen die Firmen auf den ganz kleinen Bildschirmen.

Künstliche Intelligenz

Zukunftsvisionen auf der CES

Künstliche Intelligenz: Zukunftsvisionen auf der CES

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Las VegasSuperlative gehören zum Standardvokabular der TV-Hersteller. Größer, dünner, schärfer sind gängige Begriffe, wenn es darum geht, neue Fernseher anzupreisen. Doch Samsung setzt auf der Technikmesse CES noch einen drauf: Der koreanische Konzern bewirbt ein neues Gerät als den „verführerischsten Fernseher aller Zeiten“ – auch wenn der die vielleicht nicht ganz so attraktiven Abkürzung SUHD trägt. Immerhin hat das Gerät dank gebogenen Displays Kurven.

Auch wenn nicht alle so fantasievolle Slogans erfunden haben: Die Bildqualität steht bei den TV-Herstellern im Mittelpunkt. Samsung und LG, Sony, Sharp und Panasonic, aber auch die chinesischen Hersteller Haier und TCL kündigen neue Technologien und zahlreiche Geräte mit der besonders hohen 4K-Auflösung an. Und sie gehen ein Problem an, das viele Zuschauer im Moment womöglich mehr stört als das Bild: die Bedienung. Betriebssysteme, die bislang auf Smartphones zum Einsatz kommen, sollen auch die Fernseher intuitiver machen.

Ultrascharf als neuer Standard

Als die TV-Hersteller in den vergangenen Jahren Fernseher mit extrem hoher Auflösung vorstellten, fragten sich viele, was sie mit so einem Gerät machen sollen. Heute stellt sich die Frage nicht mehr: Ultra-HD oder 4K – wie die Technologie auch genannt wird – entwickelt sich zum Standard. Auf der CES zeigen die Hersteller zahlreiche neue Modelle. Und das zu erschwinglichen Preisen.

Kleines Fernseh-Glossar

Technologie verkauft Fernseher

Die TV-Hersteller arbeiten permanent an neuen Verfahren, um die Bildqualität weiter zu verbessern und die Funktionen zu erweitern – Technologie verkauft Geräte. Welche Schlagwörter sind derzeit angesagt?

Ultra HD (4K)

Ultra HD – oft auch als 4K bezeichnet – ist ein TV-Format mit sehr hoher Auflösung. Diese beträgt 3840 x 2160 Pixel, also 8,3 Megapixel. Das ist vier Mal so viel wie bei einem HD-Bild. Es mangelt noch an passenden Inhalten, allerdings werden herkömmliche Bilder hochgerechnet. Da die Geräte immer billiger werden, eignen sie sich langsam für den Massenmarkt.

8K

Einige Hersteller arbeiten bereits an der nächsten Generation: Nach 4K soll irgendwann 8K kommen. Die Auflösung der Bilder ist erneut um den Faktor vier höher und beträgt 33,2 Megapixel. Damit erlaubt sie noch größere Bildschirme. Allerdings sind die technischen Voraussetzungen noch mangelhaft – so gibt es kaum passende Kameras, auch an geeigneten Komprimierungsverfahren fehlt es. Abgesehen davon stellt sich die Frage, wie groß das Wohnzimmer für solche Fernseher sein muss.

Quantum Dots

Eine vergleichsweise neue Technologie sind Quantum Dots, deutsch: Quantenpunkte. Dabei handelt es sich um winzig kleine Nanokristalle, die Licht sehr exakt in bestimmten Wellenlängen ausstrahlen können. So lassen sich sehr satten Farben erzeugen. Quantum Dots ermöglichen es, die Bildqualität von herkömmlichen LCD-Displays weiter zu verbessern.

OLED

OLED steht für Organic Light Emitting Diode, es handelt sich also um organische Leuchtdioden. Diese Technologie ermöglicht ein sehr kontrastreiches Bild und weite Blickwinkel, zudem verbraucht sie wenig Strom. Allerdings ist die Produktion der Paneele kompliziert und somit noch vergleichsweise teuer. Daher ist der Marktanteil der OLED-Geräte gering.

Gebogene Displays

Früher mussten Fernseher unbedingt flach sein – geht es nach einigen Herstellern, geht es heute nicht ohne gebogenes Display. Samsung, LG & Co. versprechen ein besseres Bild mit weniger optischen Verzerrungen. Der Vorteil liegt indes wohl eher im Design als im Seherlebnis. Dafür müssen Verbraucher einen hohen Preis in Kauf nehmen.

Smart TV

Fast alle neuen Fernseher sind inzwischen „smart“: Sie können nicht nur die herkömmlichen Kanäle, sondern auch Inhalte aus dem Internet darstellen, beispielsweise das Videoportal Youtube, Online-Videotheken oder extra für den großen Bildschirm programmierte. Dazu braucht es nur einen Breitbandanschluss. Allerdings nutzen viele Zuschauer diese Funktionen noch nicht. Zudem hapert es teils noch an der Bedienung – eine Kopplung mit Smartphone und Tablet soll Verbesserungen bringen.

DVB-T2 HD

Das digitale Antennenfernsehen DVB-T wird weiterentwickelt: Über DVB-T2 HD bekommen Zuschauer mehr Kanäle mit zumeist besserer Auflösung. Für den Empfang der Privatsender wird dann allerdings eine Abogebühr fällig, die bisher mit einem einstelligen Eurobetrag taxiert wird.

Mit dem Angebot wächst auch die Nachfrage: Nach Einschätzung des US-Hightechverbandes CEA werden in diesem Jahr gut 23 Millionen Geräte abgesetzt, davon allein 13 Millionen in China. Die Marktforscher rechnen damit, dass die Ultra-HD-Geräte sehr schnell den Markt dominieren werden. Der Gesamtmarkt erholt sich leicht und dürfte um zwei Prozent auf 251 Millionen Stück anwachsen.

„Der TV-Markt ist wieder in einem klassischen Ersatzzyklus“, sagt Paul O'Donovan, Analyst beim Marktforscher Gartner. „Wenn der Fernseher sieben Jahre alt ist, kaufen sich viele Verbraucher ein neues Gerät, meist mit einem größeren Bildschirm.“ Zudem sei das Angebot attraktiver geworden: „Der Preisaufschlag beträgt vielleicht 10 oder 20 Prozent.“

Bisher fehlt es indes an Inhalten in 4K-Auflösung (auch wenn ein Chip im Fernseher Videos mit niedrigerer Auflösung hochrechnet und so besser aussehen lässt). Auf der CES kündigten daher namhafte Elektronikhersteller, Hollywood-Studios und TV-Anbieter an, eine Allianz zu bilden, um Standards für 4K-Inhalte zu definieren. Zu den Mitgliedern zählen 20th Fox, Warner Bros., Disney, Netflix, Panasonic, Samsung, Sharp und Sony.

Viele Inhalte könnten allerdings von den Nutzern selber kommen: Smartphones und Camcorder haben die nötige Auflösung, um Fotos und Videos auf den großen Bildschirmen glänzen zu lassen. „Die Menschen schaffen ihre eigenen Inhalte“, sagt O'Donovan. „Das war anders, als die ersten HD-Fernseher herauskamen.“

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