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04.01.2017

15:01 Uhr

Trump und Twitter

Teile und herrsche

VonJohannes Steger

Was Donald Trump denkt, erfährt Amerika zumeist über Twitter. Der designierte US-Präsident setzt dort auf gewohnt scharfe Töne. Damit hat er die US-Konzerne bereits vor seiner Amtsübernahme fest im Griff. Eine Analyse.

Der designierte Präsident bleibt seiner Kommunikationsstrategie treu. dpa

Twitter-Account von Donald Trump

Der designierte Präsident bleibt seiner Kommunikationsstrategie treu.

DüsseldorfDonald Trump regelt seine Angelegenheiten am liebsten selbst. Das ist Teil seines wohl gepflegten Images des erfolgreichen Selfmade-Mannes. Auch bei seiner Kommunikationsstrategie setzt der designierte US-Präsident auf die Do-it-Yourself-Strategie. Wer braucht schon Pressesprecher, wenn es Twitter gibt?

Die Methode ist nicht neu für den Republikaner. Schon im Wahlkampf setzte Trump auf den Kanal. Politische Forderungen, Kritik oder das Abwatschen von Konkurrenten und Journalisten – alles verpackt in 140 Zeichen. Damit war dem Kandidaten die Aufmerksamkeit sicher. Kaum war ein Tweet abgesetzt, sprach Amerika und oft auch der Rest der Welt über dessen Inhalt.

Die Twitter-Gründer

Drei plus eins

In der offiziellen Geschichtsschreibung von Twitter spielen drei Gründer die Hauptrolle. Es gibt aber noch einen, der sich aus dem Kreis zu Unrecht ausgeschlossen fühlt. Die vier Köpfe im Kurzporträt.

Jack Dorsey

Der erste Chef der Firma gilt als Twitter-Erfinder. Doch er war 2007 laut Erinnerungen von Weggefährten dem Job nicht gewachsen. Für böses Blut soll etwa gesorgt haben, dass er sich am frühen Nachmittag zu Yoga-Kursen oder Zeichen-Stunden aufmachte. Dorsey, der sich auch schon als Masseur versucht hatte, verlor den Job, verließ Twitter und gründete den Mobil-Bezahldienst Square. Dort reifte er als Manager, so dass er seit 2015 mit Twitter und Square zwei börsennotierte Unternehmen gleichzeitig führen darf.

Evan Williams

Williams war schon vor Twitter ein bekannter Internet-Unternehmer. Er stand hinter der Blog-Plattform Blogger, die 2003 von Google gekauft wurde. Das die Begriffe „Blog“ und „Blogger“ populär wurden, ist auch Williams zu verdanken. Danach gründete er gemeinsam mit Biz Stone die Podcasting-Firma Odeo. Weil die Idee mit den Podcasts nicht so recht zünden wollte, gab es auch ein kleines Nebenprojekt - Twitter. Dorsey wurde erster Chef, im Oktober 2008 wurde er aber im Chefsessel durch Williams ersetzt. Zwei Jahre später ging der CEO-Posten an Dick Costolo weiter. Williams verließ Twitter, auch wenn er einer der größten Aktionäre blieb. 2012 gründete Williams die Medienplattform Medium, auf der jeder Artikel veröffentlichen kann.

Biz Stone

Stone (42) arbeitete für Google, bevor sich auf das Podcasting-Projekt mit Williams einließ, aus dem schließlich Twitter hervorging. Im Gegensatz zu seinen Mitgründern hatte Stone keine Ambitionen auf den Chefposten. Aber er versuchte sich als Wagniskapitalist und investierte unter anderem in Dorseys Bezahldienst Square, den Anbieter vernetzter Thermostate Nest und den Uber-Konkurrenten Lyft. 2012 gründete er eine neue eigene Firma Jelly - eine Plattform, bei der Nutzer alle möglichen Fragen stellen und beantworten können.

Noah Glass

Glass verkündet in seinem Twitter-Profil immer noch schlicht „I started this“ - „ich habe das in Gang gesetzt“. In einem Interview mit dem Blog „Business Insider“ erzählte Glass, er sei als einer der Odeo-Mitgründer von Anfang an auch maßgeblich bei Twitter involviert gewesen - und habe auch den ursprünglichen Namen „Twttr“ vorgeschlagen. Ihm sei auch die Leitung des Projekts in der Anfangszeit übertragen worden. Aber auch Glass bestreitet nicht, dass die Grundidee für Twitter von Dorsey kam.

Twitter ist für Trump äußerst praktisch: Die Zielgruppe für seine Inhalte findet sich von selbst – ganz ohne Pressekonferenz, Mitteilung oder die Zuarbeit von Journalisten. Am 20. Januar wird Trump als 45. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt. Und wer dachte, dass sich der Republikaner ganz präsidial von Twitter verabschieden und verhaltenere Töne anschlagen würde, der hat sich getäuscht. Donald Trump verschont keinen – und das in einem Sprachduktus, der an Wahlkampfzeiten erinnert. Das kann gerade für Unternehmen gefährlich werden.

„America first“ ist eines von Trumps zentralen Wahlkampfversprechen: US-Unternehmen, die ihre Produktion ins Ausland verlegen und damit amerikanische Arbeitsplätze vernichten, passen da natürlich nicht in das Programm des gewählten Präsidenten. Schon im Wahlkampf hatte Trump angekündigt, diese Unternehmen mit höheren Steuern zu bestrafen. Wie sich jetzt zeigt: Die Tweets waren kein reiner Wahlkampf sondern durchaus ernst gemeint.

Am Dienstag richtete Trump eine Botschaft an den Autobauer General Motors: „General Motors schickt in Mexiko gefertigte Modelle des Chevy Cruz steuerfrei über die Grenze zu US-Händlern. Produziert in den USA oder zahlt hohe Einfuhrsteuern!“

Der präsidiale Tweet zeigte Wirkung, so scheint es zumindest. Konkurrent Ford verkündete wenige Stunden nach der Ankündigung, dass man auf ein neues Werk in Mexiko verzichten werde. Pläne für eine 1,6 Milliarden Dollar teure Fabrik seien gestoppt worden, stattdessen sollen nun 700 Millionen Dollar in eine bestehende Fertigungsstätte in Michigan investiert werden. Daraus entstünden 700 neue Jobs.

Einen Bezug zu den Äußerungen Trumps stellte das Unternehmen allerdings nicht her und will auch weiter an der Produktion in Mexiko festhalten. So soll die neue Generation des Focus in einem bereits bestehenden Werk in Hermosillo produziert werden. Dennoch scheint Trump die Äußerung als Sieg zu verbuchen: Via Twitter teilte er einen Bericht des US-Senders „Fox News“, nachdem sich Ford Donald Trumps Politik füge.

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