Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.06.2012

12:03 Uhr

Tumminellis Designkritik

Ballmers Imperium schlägt zurück

VonPaolo Tumminelli

Wer hätte das gedacht: Die Software-Schmiede Microsoft versucht den Einzug in den hart umkämpften Tablet-Markt. Das erste Modell des „Surface“ kommt für diesen gewaltigen Schritt erstaunlich reduziert daher.

Paolo Tumminelli ist Designprofessor an der FH Köln. Goodbrands

Paolo Tumminelli ist Designprofessor an der FH Köln.

Lange galt Apple im Schatten der Microsoft-Macht als die „neue Hoffnung“, deren Schicksal dem spektakulären Kinostreifen „Krieg der Sterne“ folgt: Zuerst räumt man dem lustigen Outsider keine Chance ein, dann entpuppt sich der lustige Outsider als Held und Genie, und das Volk folgt begeistert. Doch Hollywood wäre nicht Hollywood, hätte eine Saga keine Überraschungseffekte. Der Held stirbt - ob in Realität oder Fiktion ist egal - und „Das Imperium schlägt zurück“.

Auf einer Hollywood-Theaterbühne, deren Standort bis zur letzten Minute geheim gehalten wurde, brachte Microsoft-Chef Steve Ballmer eine Geheimwaffe auf die Oberfläche des IT-Planeten. Das Tablet „Surface“ ist das erste große und harte Produkt des Weichwarenkonzerns. Urplötzlich entdecken wir eine dunkle Seite der Macht, die man so nicht kannte: Microsoft baut das neue Produkt „auf 30 Jahren Unternehmenserfahrung in der Hardware-Herstellung auf“. Ach so! Das Timing ist irgendwie erschreckend: Rechnet man mit branchenüblichen Entwicklungszeiten, dürfte die Attacke ziemlich genau an dem Tag geplant worden sein, als Apple-Chef Steve Jobs starb.

Surface-Tablet: Wie Microsoft cool wurde

Surface-Tablet

Wie Microsoft cool wurde

Microsoft steht im mobilen Markt mit dem Rücken zur Wand – und macht das einzig Richtige. Ein Tablet mit einem interessanten Konzept, das auf das Herz der Kunden zielt. Ob die Wette aufgeht, ist dennoch nicht sicher.

Apple steht seitdem in der Pflicht, weitere aufregende Produktneuheiten vorzustellen. Und jetzt muss sich ein Steve Ballmer nicht mehr mit dem Held in dessen fantastischem Mutterschiff messen, sondern mit einem Tim Cook von Apple. Obgleich die Charaktere nicht unterschiedlicher sein könnten, spielt das Duell nun auf normalsterblicher Ebene und ist definitiv uninteressanter geworden. Was zählt, sind Marke und Produkt. Microsoft versus Apple, Surface versus iPad, Windows 8 versus iOS.

Microsoft erfindet sich in der Rolle des Herausforderers neu. Es beginnt mit dem Markenauftritt. Ein galaktisches Schwarz - Samsung lässt grüßen - dominiert die Szene. Das Windows-Logo erscheint flach und perspektivisch verzerrt auf der Oberfläche und verrät nichts Liebenswürdiges. Auch versucht es sich nicht als Birne, Banane oder Hawai-Ananas. Es ist technoid, reduziert, direkt, cool. Damit auch Surface so wirkt, erscheint der mega-uncoole Markenname nirgends. Das pechschwarze Ding ist aus feinstem Metall, ist scharf geschliffen, seine Abrundungen auf ein Minimum reduziert.

Sämtliche iPad-Schwächen wurden angegriffen. Es gibt ein faltbares Cover, aber hier integriert sich eine ultraflache Tastatur. Glaubt man den Abbildungen, so glänzt Surface mit jener hochwertigen Haptik, die man beim iPad so schätzt. Wenn nicht, dann hat Microsoft den Krieg schon verloren.

Unter der Oberfläche werkelt das neue Windows 8. Dem Namen treu, ermöglicht es unter anderem Multitasking mit mehreren Fenstern. Statt kleinen App-Ikonen gibt es große farbcodierte Fenster, deren Grafik zweidimensional gehalten wird. Von Dekoration weit und breit keine Spur. Im Vergleich sieht Apples iOS etwas bieder aus. Microsoft Surface ist ein erwachsenes Tablet, das ein Notebook problemlos ersetzt. Sicher, Microsoft muss viel mehr tun, als ein cooles Produkt bauen, um Apple ernsthaft anzugreifen. Doch die Positionen sind bereits klar: hier Darth Vader, dort Luke und Leia. Ein spannendes Duell.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

21.06.2012, 14:47 Uhr

Ich vermute Microsoft hat diverse Schutzrechte an dem Gerät, auch was das gelungene Design betrifft. Aus meiner Sicht macht es keinen Sinn seinen Softwarekunden mit einem Gerät Konkurrenz zu machen. Wenn das Gerät erfolgsreich sein sollte, was ich glaube, so könnte MS Lizenzen für seine Schutzrechte an Hersteller vergeben, die dann natürlich MS Software für ihre Tablet verwenden müssen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×