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19.12.2011

15:42 Uhr

TV-Pläne

Der Apple-Fernseher kommt

Die vielen Hinweise lassen kaum noch Raum für Zweifel: Apple arbeitet offenbar an einem großen Vorstoß im Fernsehbereich. Der Apple-TV soll ohne Fernsteuerung auskommen.

Apple-Monitor in einem Apple Store in San Francisco. Der Konzern steht vor dem Einstieg in den Fernsehmarkt. AFP

Apple-Monitor in einem Apple Store in San Francisco. Der Konzern steht vor dem Einstieg in den Fernsehmarkt.

New YorkDie Pläne von Apple für den Vorstoß ins TV-Geschäft nehmen immer mehr Gestalt an. Apple-Manager hätten in den vergangenen Wochen die Vision des Konzerns für die Zukunft bereits mehreren großen Medienunternehmen vorgestellt, berichtete das „Wall Street Journal“ am Montag unter Berufung auf informierte Personen. Zugleich bekräftigten die Quellen, dass Apple an einem eigenen TV-Gerät arbeite.

Apple will demnach das Fernsehen stärker personifizieren. So solle die Technologie Nutzer quer über diverse Geräte wie iPhones, iPad-Tablets und Fernseher erkennen. Zudem habe Apple in einem der jüngsten Treffen eine Technologie beschrieben, mit der man sein TV-Gerät per Stimmeingabe und Gesten steuern könne.

Diesen Ansatz verfolgt auch Microsoft mit der Kinect-Steuerung für seine Spielekonsole Xbox. Zuletzt baute Microsoft das Angebot an Fernsehinhalten auf der Xbox stark aus. Laut früheren Berichten könnte bei Apple eine Version des „persönlichen Assistenten“ Siri vom neuen iPhone 4S auf den Fernseher kommen.

Das Prinzip Apple

Alles aus einer Hand

Konsistenz ist Teil der Designphilosophie von Apple. Dazu gehört ein möglichst einheitliches Nutzererlebenis. Apple bietet dazu vom Smartphone bis zum ausgewachsenen Profi-PC alle Gerätklassen an. Auf den kleinen Geräten iPhone und iPad läuft dabei das mobile Betriebssystem iOS, auf den Laptops und Desktop-Rechnern Mac OS X. Die Programme sind untereinander nicht kompatibel, allerdings bietet Apple viele eigene Applikationen für beide Plattformen an, etwa die Office-Suite iWork. Über die App Stores verkauft Apple außerdem noch Software für beide Plattformen online – bei iPhone und iPad sogar der einzig legale Weg, Software zu installieren.

Apples Gefängnis und Ausbruch-Tools

Apples Stärke ist zugleich auch der größte Kritikpunkt: Weil alles aus einer Hand kommt, behält Apple die volle Kontrolle. Im App Store schöpft Apple satte 30 Prozent der Umsätze ab, sowohl von gekauften Apps als auch von Käufen, die innerhalb von Apps getätigt werden. Immer wieder kommt der Konzern in die Schlagzeilen, weil Apps aus teilweise wenig nachvollziehbaren Gründen aus dem Store entfernt werden. So gelten dank Apple beispielsweise weltweit amerikanische Moralvorstellungen: Medien müssen nackte Haut zensieren. Ein Weg aus dem Apple-Gefängnis ist entweder ein sogenannter Jailbreak. Dabei führen iPhone- und iPad-Anwender ein Programm aus, das Sicherheitslücken in den Geräten nutzt, um das Gerät aus der Apple-Kontrolle zu befreien. Nach einem Jailbreak können alle Programme wie auf einem PC oder Mac installiert werden. Eine andere Alternative sind Programme, die im Browser laufen – auf das Internet haben auch iPhones und iPads freien Zugriff.

Mobile Geräte im Fokus

Apple betont regelmäßig, in erster Linie ein Hersteller mobiler Geräte zu sein. Erstens machen iPhone und iPad längst den Löwenanteil der Apple-Umsätze aus, zweitens sind auch die meisten verkauften Macs inzwischen Laptops. Das zeigte sich auch beim jüngsten Update des Mac-Betriebssystems Mac OS X. Die aktuelle Version Lion betont die Gestensteuerung, die vor allem bei Trackpads sinnvoll ist, die in Laptops verbaut werden.

iCloud löst iTunes als Zentrale ab

Zentrale Schnittstelle zwischen allen Apple-Geräten war bisher das Programm iTunes, über das die Geräte als „Hub“ auf Mac oder PC synchronisiert werden. Allerdings zeichnet sich mit der Einführung der iCloud eine Ablösung von iTunes als zentrales Hub ab – die Daten wandern nun in die "Wolke", also das Internet. Mit der iCloud soll das Internet zur zentralen gemeinsamen Schnittstelle aller Apple-Geräte werden. Dokumente werden im Netz gespeichert und können über sämtliche Plattformen synchron gehalten werden. iPad und iPhone sollen auch ohne Mac oder PC verwendbar sein.

„Es funktioniert einfach“

Apple war eine der ersten IT-Firmen, die Interessen und Wünsche des normalen Nutzers in den Mittelpunkt rückten. Nicht der Mensch soll sich der Bedienung des Computers anpassen, sondern der Computer dem Menschen – so zumindest die Idee. Entsprechend profitiert der Konzern auch vom Trend der „Consumerization“ der IT. Damit wird der derzeitige Trend beschrieben, dass Konsumenten-Produkte wie iPhone und iPad zunehmend auch die Unternehmen erobern, weil Menschen einfache und intuitive Bedienungen auch im Geschäftsleben schätzen. Kritiker meinen andererseits, dass Apple im Bemühen um eine möglichst intuitive Bedienung den Nutzern bei vielen Fragen zu wenig Freiheit lässt.

Insgesamt habe Apple bei den TV-Plänen aber wenig Details zu Geräten und Zeiträumen preisgegeben, schrieb die Zeitung. Auch habe es keine Anfrage nach neuen Inhalte-Lizenzen gegeben. Einige der Pläne wären auch mit der heutigen Settop-Box Apple TV machbar, die Filme und Musik aus Apples Online-Plattform ins Wohnzimmer bringt.

Die Spekulationen über Apples TV-Pläne haben sich in den vergangenen Wochen immer mehr verdichtet. Zuletzt sagte ein Branchenanalyst nach einer Japan-Reise sogar, die Produktion könne bereits im Februar beginnen, mit einem Marktstart Mitte 2012. Partner sei der japanische Elektronik-Konzern Sharp, der auch Displays für die nächsten iPad-Tablets und das iPhone liefern solle.

Gerüchte über einen Apple-Fernseher gab es schon lange, an Glaubwürdigkeit gewannen sie in diesem Herbst, als das Thema in der Biografie des kürzlich verstorbenen Apple-Gründers Steve Jobs vorkam. Jobs hatte seinem Biografen Walter Isaacson erzählt, er habe eine Idee, wie man die Bedienung von TV-Geräten radikal vereinfachen könne. Isaacson sagte jüngst in einem Interview, er wisse mehr über die Pläne, habe aber Details zurückgehalten.

Die Sprachsteuerung solle bei Apple auch bei der Kommunikation mit künftigen kleinen Geräten zum Einsatz kommen, die man am Körper trage, berichtete die „New York Times“ am Montag. So habe Apple an einem iPod-Player mit gebogener Glasoberfläche gearbeitet, den man wie ein Armband tragen könne. Die verschiedenen Mini-Geräte kommunizierten über das Smartphone miteinander. Auch Google forsche in dieser Richtung.

Von

dpa

Kommentare (5)

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19.12.2011, 17:08 Uhr

Die Zeit für den Apple-Fernseher ist einfach reif und es wird ein Lehrstück für die etablierten TV-Hersteller werden. Denn was die einem an Bedienung zumuten ist an Ignoranz nicht zu überbieten.

Account gelöscht!

19.12.2011, 17:36 Uhr

Da die Samsung Smartphones immer besser waren als die iphones, habe ich mir einen Samsung-Fernseher gekauft, der viel von dem heute schon hat, was Apple erst noch entwickeln will.

Account gelöscht!

19.12.2011, 19:10 Uhr

Wofür viel Geld für ein neues Fernsehgerät von wer weiß welchem Hersteller ausgeben?

Um Frauentausch mit 200" Bilddiagonale in SuperHDD+++3DFxschlagmichtot zu sehen?

Fernsehen macht nachweißlich dumm. Filme und Nachrichten kann ich auch im Internet sehen allerdings ohne Werbung und ich bin nicht gezwungen mir GEZ finanzierte Propaganda anzuhören.

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