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21.03.2011

13:52 Uhr

Twitter wird fünf

Revolution in 140 Zeichen

Vor fünf Jahren startete der Online-Kurznachrichtendienst und ist inzwischen extrem populär. Wenn jetzt nur noch die Twitter-Macher wüssten, wie man damit Geld verdienen kann.

Heute nur noch selten zu sehen: Der „Fail Whale“, der eine Überlastung des Dienstes signalisiert. Quelle: dpa

Heute nur noch selten zu sehen: Der „Fail Whale“, der eine Überlastung des Dienstes signalisiert.

DüsseldorfDie Idee entstand auf einer Rutsche, danach ging es aber nur noch bergauf: Vor fünf Jahren erfanden ein paar Technikfreaks den Web-Kurznachrichtendienst Twitter. Er war zunächst nur ein Abfallprodukt ohne Ambitionen und Geschäftsmodell, entwickelte sich aber schnell zu – ja, zu was eigentlich?

Auch wenn diese Frage nicht so einfach zu beantworten ist: Heute sind die Texthäppchen für Millionen von Nutzern nicht mehr wegzudenken. Sie haben Börsenkurse bewegt und Diktatoren Angst eingejagt. Nur ein belastbares Geschäftsmodell für Twitter fehlt immer noch.

Die Idee entstand bei einem Brainstorming der Firma Odeo, die von San Francisco aus einen Podcasting-Dienst entwickeln wollte - die Mitarbeiter saßen auf einer Kinderrutsche im Park. Der Entwickler Jack Dorsey schlug vor, kurze Statusmeldungen an alle Teammitglieder per SMS zu senden, damit jeder weiß, woran die anderen arbeiten. In zwei Wochen entstand ein Prototyp, am 21. März 2006 schickte Dorsey die erste Nachricht: „inviting coworkers“.

Bald öffnete die Firma ihr Nebenprojekt für alle Nutzer - und war überrascht vom Erfolg. Ein gutes Jahr nach dem ersten Tweet gründete Dorsey daher gemeinsam mit Biz Stone und Evan Williams eine eigene Firma unter dem heutigen Namen Twitter Inc.

Der Dienst an sich ist simpel: Nutzer veröffentlichen Nachrichten von maximal 140 Zeichen Länge - weniger, als in eine SMS passt. Dank Hyperlinks können sie aber auf längere Texte, Bilder oder Videos verweisen. Wen das interessiert, der kann als „Follower“ die „Tweets“ abonnieren und über den PC oder ein internetfähiges Handy abrufen.

Anders als zu Beginn spielen SMS heute nur noch eine untergeordnete Rolle. Was Twitter genau ist, hängt davon ab, was man daraus macht. Wer Tweets von Medienhäusern, Bloggern und Promis abonniert, stellt sich einen Nachrichtenticker zusammen, in dem sich Eilmeldungen, Analysen und Tratsch mischen.

Augenzeugenberichte lassen Menschen in aller Welt an Katastrophen wie in Japan oder Revolutionen wie in Ägypten teilhaben. Und wer Freunde hat, die ihr Frühstück oder den „Tatort“ kommentieren - beides keine Seltenheit -, hat ein Befindlichkeits-Barometer.

Gerade das private Geschwätz irritiert viele Beobachter, auch heute noch. Es hat Twitter einen Beinamen eingebracht, ohne den es anfangs nicht ging: „Quasselbude“. Die Faszination stellt sich oft erst mit dem Herumspielen ein. „Die Mischung schafft eine Medienerfahrung, die sich von so ziemlich allem unterscheidet, was es vorher gegeben hat“, schrieb das Magazin „Time“ 2009.

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