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06.09.2013

13:36 Uhr

Ultra-HD-TV

Große Glotze, fade Filme

VonChristof Kerkmann

Fernseher mit Ultra-HD zeigen brillante Bilder, doch es mangelt an passenden Filmen und Sendungen. Auf der IFA zeigt die Technologiebranche, wie sie den Engpass beseitigen will. Das dürfte aber noch dauern.

Ultra-HD ist das Trendthema auf der IFA, fast alle TV-Hersteller haben Geräte mit der neuen Technologie entwickelt. Reuters

Ultra-HD ist das Trendthema auf der IFA, fast alle TV-Hersteller haben Geräte mit der neuen Technologie entwickelt.

BerlinBewerbungsgespräche sind selten ein Vergnügen. Erst recht, wenn im Hintergrund des potenziellen Chefs ein Meteorit auf die Erde kracht. Einen solchen Schock erlebten vier Bewerber, als sie sich beim Elektronikriesen LG vorstellten. Der herunterstürzende Himmelskörper war indes nicht echt, sondern auf einem Fernseher an der Wand zu sehen, der einem Fenster täuschend ähnlich sah.

Ob die Szene gespielt oder echt ist – die Botschaft, die jetzt per Werbeclip verbreitet wird, lautet: Dank der neuen Ultra-HD-Technik ist das TV-Bild ist so realistisch wie nie.

Ultra-HD, auch als 4K bekannt, ist dieser Tage eines der Trendthemen auf der Elektronikmesse IFA. Fast alle TV-Hersteller haben Geräte mit der neuen Technologie entwickelt, die vier Mal so detaillierte Bilder darstellen kann wie das heute gängige HD. Bei den Demonstrationen an den Ständen ist der Unterschied sichtbar: Mit jedem Schritt, den man näher rückt, erscheinen auf dem Bildschirm mehr Details, fast wie im echten Leben.

Wer sich einen der neuen Super-Fernseher ins Wohnzimmer stellt, wird jedoch von diesem Effekt nicht so viel sehen. Denn bislang werden noch wenige Filme und Sendungen in Ultra-HD produziert, auch die Übertragung der Inhalte ist derzeit schwierig bis unmöglich.

Warum Ultra-HD-TV?

Trend zu größeren Bildschirmen

Die Fernseher in deutschen Wohnzimmern werden immer größer. Die Mehrzahl der 2013 verkauften Geräte hat ein Display von mehr als 37 Zoll Diagonale, das sind stattliche 94 Zentimeter. Der Trend zeigt weiter nach oben. Ultra-HD spielt seine Stärken gerade auf großformatigen Bildschirmen aus – auch aus nächster Nähe sind keine Pixel zu sehen.

Innovationen verkaufen Geräte

Die Fernsehgeräte-Hersteller leiden unter Überkapazitäten und Preisverfall. Neue Technologien kurbeln die Nachfrage an – das war etwa bei der Verbreitung von HD-Fernsehern der Fall, die heute in fast jedem Wohnzimmer stehen.

Technologie wird immer billiger

Durch den harten Wettbewerb der Hersteller fallen die Preise schnell – erste Ultra-HD-Fernseher werden bereits für 2000 Euro angeboten, etliche Modelle sind mit Preisen von rund 5000 Euro noch sehr teuer, aber nicht unerschwinglich. „Mittlerweile entwickelt sich die Technologie in Richtung Massenmarkt”, sagt Sony-Manager Michael Willenborg. Das dürfte den Markt beflügeln. Die Unternehmensberatung Deloitte erwartet, dass 2016 rund 5 Prozent der verkauften Geräte die Technologie unterstützen.

Pay-TV-Sender setzen auf Wow-Effekte

Pay-TV-Sender investieren viel in Technologie, um sich von der Kostenloskonkurrenz abzusetzen. Nach HD und 3D dürfte nun Ultra-HD auf dem Programm stehen, sobald die nötige Technik zur Verfügung steht. Der Wow-Effekt soll die Nutzer dazu bewegen, ein Abo abzuschließen.

„Die Gerätehersteller wollen auf der Messe die Fähigkeiten der Displays demonstrieren“, sagt Stephan Heimbecher vom Bezahlsender Sky Deutschland. „Aber die Frage ist: Wie bekommen wir die UHD-Inhalte in dieser Qualität und wirtschaftlich sinnvoll zu den Kunden?“ Es dürfte noch einige Zeit dauern, bis die TV-Branche diesen Engpass beseitigt hat.

Die Produktion von Ultra-HD-Inhalten beginnt nicht bei null. Zum einen könnten analoge Aufnahmen von hoher Qualität im neuen Standard digitalisiert werden, sagt Klaus Böhm, Medienexperte von der Unternehmensberatung Deloitte – etwa viele Filmrollen der Hollywood-Studios. Zum anderen würden bereits Blockbuster und einige hochwertige Dokumentationen in Ultra-HD produziert – „mit diesen Produktionen will man ja auch in 20 Jahren noch Geld verdienen.“

Doch damit lässt sich momentan nur ein Bruchteil der Sendezeit füllen. Die Produzenten müssen daher ihre Technik kostspielig aufrüsten, von den Kameras über die Bearbeitungssoftware bis zum digitalen Archiv. Böhm hält es aber nur für eine Frage der Zeit, bis die meisten Firmen so weit sind: „Wer als Produzent investieren will, kommt zwangsläufig nicht an Ultra-HD vorbei. Das Equipment ist vorhanden.“ Allerdings ist es auch nicht billig.

Kommentare (4)

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TVRanitzky

07.09.2013, 17:32 Uhr

Es mangelt schon seit Jahren an gutem Filmmaterial! Was da über das TV flimmert, ist schon eine Zumutung ohne Ende! Am allerschlimmsten der Schrott aus Amerika mit Hexen und Vampiren und einer Untergangsfantasy nach der anderen. Wer braucht diesen MIST?

Wolfsfreund

07.09.2013, 18:59 Uhr

65 Zoll (165 cm)? Ach Du meine Güte! Da dreht sich ja das ganze Wohnzimmer nur noch um die Glotze!
Sorry, aber in meinem Wohnraum stehen an die tausend Bücher (so richtige aus Papier, in denen man bei einem Glas Wein und guter Musik schmökern kann), hängen Bilder an der Wand und die Glotze steht klein und mickrig in Form eines 19"-Gerätes in einer Ecke, was völlig reicht.

Dieser "immer breiter"-Trend samt der Dominanz über den Wohnraum bei den TV-Geräten hat was von der Verehrung des Goldenen Kalbes. Erschreckend!

Account gelöscht!

08.09.2013, 00:28 Uhr

"Was da über das TV flimmert, ist schon eine Zumutung ohne Ende!"

Stimmt, DAFÜR bräuchte man sowas sicher nicht! Aber es gibt ja noch DVD & Co. (:

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