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14.03.2006

16:30 Uhr

UMTS hält Einzug in die Medizin

Röntgenbilder per Handy verschicken

VonEdgar Lange

Auf dem Endkundenmarkt hat die schnelle Übertragungstechnik UMTS den Durchbruch noch nicht geschafft - dennoch steigt die Zahl an neuen Anwendungen. Etwa in der Medizintechnik: Dank UMTS kommt das Röntgenbild jetzt aufs Handy. Und auch in der Notfallmedizin bietet die Technologie neue Möglichkeiten.

DÜSSELDORF. Übertragungsraten von bis zu 384 Kilobit pro Sekunde machen es möglich: Erstmals lässt sich jetzt ein Austausch von Bilddaten zwischen Ärzten und Kliniken bewältigen. Dies reicht von der Übertragung der Röntgenbilder, über 24-Stunden-Echtzeit-EKGs, Bilder für die Wundnachsorge bis hin zum Patientendatentransfer aus dem Krankenwagen in die Notaufnahme. Sogar Fotos oder Filme vom Unfallort lassen sich ins Krankenhaus übertragen.

Acht deutsche Kliniken haben sich für einen von Vodafone unterstützten Feldversuch zusammen geschlossen, um die technischen Einsatzmöglichkeiten der neuen Mobilfunktechnik UMTS in der Telemedizin zu erforschen. Bisher ergab das Projekt, dass es möglich ist, Röntgenbilder mit einem Kamera-Handy zu fotografieren und per MMS-Message zur Konsultation an einen Arzt zu verschicken, etwa wenn sich dieser in dem Moment in anderen Kliniken oder im Bereitschaftsdienst befindet. Die Bildaufnahmen werden dazu einfach vor Ort abfotografiert. "UMTS überzeugt gegenüber den Vorgängertechniken durch hohe Bildqualität und bietet vor allem in der bildgebenden Diagnostik sowie Notfalldiagnostik Vorteile, wo es schnell gehen muss", sagt Thomas Eichmann, Leitender Oberarzt der beteiligten Klinik für Neurochirurgie am Diakoniekrankenhaus Rotenburg.

Neurochirurgen wie er stehen besonders bei Notfällen unter hohem Zeitdruck. Gerade wenn ein Patient mit Hirnblutungen oder Schädelverletzungen in die Klinik eingeliefert wird, sind sie oft auf schnelle Konsultationen mit Kollegen und Spezialisten angewiesen. Bislang verging oft wertvolle Zeit, bis hinzugezogene Experten aus anderen Kliniken Einsicht in die Bildaufnahmen nehmen konnten. "Meist werden wichtige Diagnostik-Bilder noch mit dem Taxi in unsere Klinik gebracht", so Eichmann.

In einem früheren Projekt hatten das Berliner Universitätsklinikum Charité, das Medizintechnikunternehmen Vitaphone sowie Vodafone bereits Übertragungen von EKG-Daten zur Diagnostik von Herz-Rhythmusstörungen per UMTS erfolgreich durchgeführt. Ein mobiles Diagnosegerät, das die EKGs ständig aufzeichnet und per UMTS-Handy an ein medizinisches Service-Center überträgt, macht eine Überwachung rund um die Uhr möglich. Das Handy am Puls des Patienten soll in Zukunft einen erheblichen Beitrag zur Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen leisten, aber auch Kosten senken: "Durch moderne Telemedizin sind Einsparungen von knapp einem Drittel möglich", sagt Harald Korb von der VDE-Initiative Mikromedizin und Direktor der Personal HealthCare-Telemedicine Services.

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