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26.01.2005

14:20 Uhr

Unix-Pionier versucht, mehr Entwickler für seine Systemsoftware zu gewinnen

Solaris von Sun Microsystems soll „Open Source“ werden

VonRudi Kulzer (Handelsblatt.com)

Sun Microsystems will mit der Vorstellung aufräumen, dass es sich bei seiner Flaggschiff-Software Solaris um ein teures System für teure Computer handelt. Durch eine Öffnung von Solaris als „Open Source“ sollen größere Teile der Programmierergemeinde gewonnen werden, die zunehmend auf das verwandte System Linux setzen.

HB MÜNCHEN. Der Primus der Anbieter von Unix-Servern steht mit dem Rücken an der Wand. In den vergangenen Jahren hat der Silicon-Valley-Pionier aus Palo Alto, heute mit Geschäftssitz in Santa Clara, erhebliche Anteile im Servermarkt an die Rivalen Dell Computer und Hewlett-Packard verloren. Das liegt nach Ansicht zahlreicher Branchenexperten vor allem daran, dass bei preiswerten Serverrechnern im unteren und mittleren Leistungsbereich neben Windows das offene System Linux eingesetzt wird. Dort punkten vor allem Suns Mitbewerber. Dazu kommt erschwerend, dass gerade die Entwickler-Gemeinde dem quelloffenen und an der Basis kostenlosen Linux immer mehr Beachtung schenkt. Gerade bei Studenten ist Linux mit seinem Maskottchen, dem Pinguin, weit verbreitet. Das hat starke Auswirkungen im späteren Berufsleben der jungen Leute, die dann auf die Gestaltung von IT-Umgebungen Einfluss nehmen werden. Das war ursprünglich auch bei Unix so.

Zwar hatte sich auch Sun schon seit geraumer Zeit zu Linux bekannt, dies aber nur halbherzig umgesetzt. Das sollte sich nun unter dem starken Druck der Markentwicklung ändern. So hat Sun am Dienstag in den USA erklärt, dass sein Unix-Betriebsystem Solaris 10 in den nächsten Wochen in raschen Schritten als „Open Source“ geöffnet werden soll. Praktisch bedeutet das, dass Elemente von Solaris als offener Quellcode jedermann zugängig sind. Sie können nach Belieben übernommen und für andere Programmvarianten verändert werden. Dies ist auch beim Kern des verwandten Betriebssystem Linux so. Wie die Linux-Spezialisten Red Hat und Novell-Suse hofft auch Sun Microsystems, sein Geld im Bereich Systemsoftware durch die Unterstützung der Programmierer und nicht durch die direkten Lizenzen zu verdienen.

Im Rahmen seiner Öffnungspolitik für Solaris hat Sun Microsystems am Dienstag in den USA erste Komponenten von Solaris unter den OSI-(Open Source Initiative) geöffnet. Dabei handelt es sich um die Komponente „DTrace", eine wichtige neue Funktion von Solaris 10. Diese bietet ein Verfahren, um die Laufzeiteigenschaften von Anwendungen zu untersuchen, um so Leistungsengpässe im System oder Netzwerk aufzuspüren. Es läuft im Moment nur unter Solaris. Als Lizenz für DTrace soll die eigens von Sun entwickelte Common Development and Distribution License (CDDL) zum Einsatz kommen. Die CDDL hat erst kürzlich den Segen der Open Source Initiative (OSI) erhalten. Eine Download-Version von Solaris 10 soll ab Ende Januar verfügbar, ein DVD ab dem 7. März im Handel erhältlich sein. Bis sämtlicher Code im Rahmen von OpenSolaris einsehbar ist, wird es nach Aussagen von Sun aber noch bis zum zweiten Quartal dauern.

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