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04.01.2007

12:55 Uhr

Unterseekabel nach Beben zerstört

China entdeckt das Telefon wieder

VonAndreas Hoffbauer

Vor gut einer Woche hat ein schweres Seebeben die Küste Taiwans erschüttert, bei dem nicht nur zwei Menschen ums Leben kamen, sondern auch zahlreiche Breitband-Unterseekabel zerstört wurden. Für die Bewohner Chinas ist die Internetnutzung seitdem zur Geduldsprobe geworden. Viele von ihnen greifen wieder auf das altbewährte Telefon zurück.

PEKING. Chan Chi-keung hat nie etwas mit der Seefahrt zu tun gehabt. Doch seit ein paar Tagen interessiert sich der Hongkong-Chinese brennend für die Schiffe, die vor der Küste der Volksrepublik versuchen, die durch ein Erdbeben vor Taiwan zerstörten Breitband-Unterseekabel zu reparieren. „Meine Zukunft hängt schließlich an dieser Verbindung“, sagt der Besitzer des Internetcafes I-One. „Bleibt das Kabel kaputt, sind wir fertig.“

Normalerweise brummt sein Geschäft in der quirligen Hafenmetropole an den Feiertagen zum Jahreswechsel. Vor allem Touristen wollen Wünsche in die Heimat senden oder die Wettervorhersage abfragen. Doch in diesen Tagen ist es gespenstisch ruhig im I-One. Gut eine Woche nach dem Erdbeben, das mit der Stärke 6,7 sechs von sieben Glasfaserkabeln im Meer vor Taiwan beschädigt hat, sind die meisten Bildschirme dunkel.

Ob auf der südchinesischen Bade-Insel Hainan oder in der Hauptstadt Peking – China entdeckt das Telefonzeitalter wieder. Fast überall ist der E-Mail-Kontakt mit der Außenwelt schwer gestört. Vor allem, wenn die E-Mail-Adresse nicht in China angesiedelt ist und wenn man ausländische Seiten lesen will.

Auch Aktienhändler berichten verstärkt über Käufe und Verkäufe via Telefon und Fax. „Unsere Leitungen waren nach dem Beben überschwemmt von Anrufen“, heißt es beim Broker Tai Fook Securities. Nicht alle Kunden kamen zum Zuge, einige Transaktionen mussten abgebrochen werden. Wie in guten alten Zeiten studieren Anleger wieder mit einem Lineal die Börsenteile der Zeitungen.

Die meisten internationalen Konzerne in China melden allerdings kaum Probleme. Ob Volkswagen, Siemens oder BASF – es habe keine wirklich schwerwiegenden Störungen gegeben, heißt es auf Anfrage. Beim Chemiekonzern BASF wurde nur in Indonesien kurzzeitig die Produktion heruntergefahren, sagt eine Sprecherin. „Alle anderen 180 Standorte in der Region Asien-Pazifik waren nicht betroffen.“

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