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08.11.2011

12:20 Uhr

US-Computerbauer Apple

Was am Apfel faul ist

VonStephan Dörner

Lange haben Apple-Nutzer nur die strahlende Seite des kreativen Computerbauers gesehen. Doch in letzter Zeit hat das Unternehmen einiges dafür getan, sich Sympathien zu verscherzen.

Das Apple-Logo. Reuters

Das Apple-Logo.

DüsseldorfDer Mythos Apple lebt zu einem guten Teil von der Geheimniskrämerei: Wenn vor der Präsentation neuer Geräte Erwartungen und Spekulationen heiß gelaufen sind, findet der Konzern die perfekte Bühne vor, um der Welt die nächste Revolution vorzustellen.

Entsprechend ruppig geht der Konzern traditionell mit jenen um, die diesem Nimbus gefährlich werden könnten. Jetzt ist Apple dabei aber offenbar doch etwas zu weit gegangen: Apple-Sicherheitschef John Theriault muss US-Medienberichten zufolge gehen. Zuvor war bekannt geworden, dass Theriault, ein Ex-Polizist mit Kontakten zum FBI, die guten Kontakte zu seinem ehemaligen Arbeitgeber offenbar missbräuchlich ausgenutzt hat.

Theriault soll in seinem Eifer, einen verloren gegangenen iPhone-Prototypen wiederzufinden, seine Kompetenzen massiv überschritten haben. Apple-Sicherheitsleute hatten das in einer Bar verlorene Gerät in einem Wohnhaus in San Francisco vermutet und sich an einer Hausdurchsuchung beteiligt, die eigentlich nur von Polizisten hätte durchgeführt werden dürfen.

Das Prinzip Apple

Alles aus einer Hand

Konsistenz ist Teil der Designphilosophie von Apple. Dazu gehört ein möglichst einheitliches Nutzererlebenis. Apple bietet dazu vom Smartphone bis zum ausgewachsenen Profi-PC alle Gerätklassen an. Auf den kleinen Geräten iPhone und iPad läuft dabei das mobile Betriebssystem iOS, auf den Laptops und Desktop-Rechnern Mac OS X. Die Programme sind untereinander nicht kompatibel, allerdings bietet Apple viele eigene Applikationen für beide Plattformen an, etwa die Office-Suite iWork. Über die App Stores verkauft Apple außerdem noch Software für beide Plattformen online – bei iPhone und iPad sogar der einzig legale Weg, Software zu installieren.

Apples Gefängnis und Ausbruch-Tools

Apples Stärke ist zugleich auch der größte Kritikpunkt: Weil alles aus einer Hand kommt, behält Apple die volle Kontrolle. Im App Store schöpft Apple satte 30 Prozent der Umsätze ab, sowohl von gekauften Apps als auch von Käufen, die innerhalb von Apps getätigt werden. Immer wieder kommt der Konzern in die Schlagzeilen, weil Apps aus teilweise wenig nachvollziehbaren Gründen aus dem Store entfernt werden. So gelten dank Apple beispielsweise weltweit amerikanische Moralvorstellungen: Medien müssen nackte Haut zensieren. Ein Weg aus dem Apple-Gefängnis ist entweder ein sogenannter Jailbreak. Dabei führen iPhone- und iPad-Anwender ein Programm aus, das Sicherheitslücken in den Geräten nutzt, um das Gerät aus der Apple-Kontrolle zu befreien. Nach einem Jailbreak können alle Programme wie auf einem PC oder Mac installiert werden. Eine andere Alternative sind Programme, die im Browser laufen – auf das Internet haben auch iPhones und iPads freien Zugriff.

Mobile Geräte im Fokus

Apple betont regelmäßig, in erster Linie ein Hersteller mobiler Geräte zu sein. Erstens machen iPhone und iPad längst den Löwenanteil der Apple-Umsätze aus, zweitens sind auch die meisten verkauften Macs inzwischen Laptops. Das zeigte sich auch beim jüngsten Update des Mac-Betriebssystems Mac OS X. Die aktuelle Version Lion betont die Gestensteuerung, die vor allem bei Trackpads sinnvoll ist, die in Laptops verbaut werden.

iCloud löst iTunes als Zentrale ab

Zentrale Schnittstelle zwischen allen Apple-Geräten war bisher das Programm iTunes, über das die Geräte als „Hub“ auf Mac oder PC synchronisiert werden. Allerdings zeichnet sich mit der Einführung der iCloud eine Ablösung von iTunes als zentrales Hub ab – die Daten wandern nun in die "Wolke", also das Internet. Mit der iCloud soll das Internet zur zentralen gemeinsamen Schnittstelle aller Apple-Geräte werden. Dokumente werden im Netz gespeichert und können über sämtliche Plattformen synchron gehalten werden. iPad und iPhone sollen auch ohne Mac oder PC verwendbar sein.

„Es funktioniert einfach“

Apple war eine der ersten IT-Firmen, die Interessen und Wünsche des normalen Nutzers in den Mittelpunkt rückten. Nicht der Mensch soll sich der Bedienung des Computers anpassen, sondern der Computer dem Menschen – so zumindest die Idee. Entsprechend profitiert der Konzern auch vom Trend der „Consumerization“ der IT. Damit wird der derzeitige Trend beschrieben, dass Konsumenten-Produkte wie iPhone und iPad zunehmend auch die Unternehmen erobern, weil Menschen einfache und intuitive Bedienungen auch im Geschäftsleben schätzen. Kritiker meinen andererseits, dass Apple im Bemühen um eine möglichst intuitive Bedienung den Nutzern bei vielen Fragen zu wenig Freiheit lässt.

Das scharfe Vorgehen gegen alle, die Apples Geheimnisse gefährden könnten, hat bei dem Unternehmen Tradition. Schon 2005 verklagte Apple den damals erst 19-Jährigen Betreiber der Gerüchte-Website ThinkSecret.com. Der Blogger hatte in seinem Blog über einen noch geheimen Apple-Computer berichtet.

Mit Anwälten gegen Blogger

Das Blog gehörte damals zu den einflussreichsten Gerüchte-Websites über Apple. Doch auch gegen weniger bedeutende Vertreter der Bloggosphäre ging Apple nicht selten mit schweren juristischen Geschützen vor. So bekamen Blogger, die über Möglichkeiten berichteten, die Benutzeroberfläche von Windows Mobile oder PalmOS wie ein iPhone aussehen zu lassen, Post von Apple-Anwälten – mit Aufforderung, derartige Berichterstattung zu unterlassen.

Mindestens zweifelhaft ist, ob die reine Berichterstattung über solche Tools schon gegen Gesetze verstößt. Doch nicht wenige Blogger ließen sich von den wichtig erscheinenden Anwaltsschreiben einschüchtern. Die US-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) nahm sich der Sache an und unterstützte zahlreiche Betroffene in juristischen Auseinandersetzungen, weil sie die Pressefreiheit in Gefahr sah.

Showdown im Café

Kurios: Apple streitet mit Apfelkind

Showdown im Café: Kurios: Apple streitet mit Apfelkind

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Kommentare (26)

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Account gelöscht!

08.11.2011, 12:48 Uhr

Kompliment, guter Artikel!

silicium

08.11.2011, 12:51 Uhr

Tja, derjenige der das Monopol inne hat muss sich ständig mit solchen Berichten herumärgern.
Konkurrenten wie Samsung werden ihre Mitarbeiter sicher auch nicht mit Samthandschuhen anfassen.
Aber das wird ja bewusst verschwiegen. Apple ist der Böse, Samsung der Gute.
Lachhaft!

Account gelöscht!

08.11.2011, 13:13 Uhr

Kaum ist der Zauberer tot, fällt sein Reality Distortion Field in sich zusammen und alle erkennen, was Apple wirklich ist: Eine obskure Ausbeuterbude, die Leuten für Geld, was sie eigentlich nicht haben, überteuerte Dinge verkauft, die sie nicht brauchen. Abgesehen davon, dass Magier Jobs nichts von dem erfunden hat, was er verhökerte, sondern abkupferte: Vom GUI von Xerox bis zu den Gehäusen der deutschen Fa. Braun. Apple hat einen sensationell niedrigen F&E-Etat und zahlt keine Dividende. Ich denke, es klingelt gerade bei den Fanboys aus den Medien.

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