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25.04.2012

12:19 Uhr

Vater des Internets Vint Cerf

„Ich hätte mehr Sicherheit eingebaut“

VonStephan Dörner

ExklusivVint Cerf gilt als ein „Vater des Internets“. Im Interview spricht er darüber, was er heute beim Internet anders machen würde – und bei welchem Thema er seinem Arbeitgeber Google widerspricht.

Vint Cerf gilt als einer der Väter des Internets. Als Programm-Manager war er in den 1970er Jahren für das ARPA-Net der US-Militärforschungseinrichtung DARPA zuständig. PR

Vint Cerf gilt als einer der Väter des Internets. Als Programm-Manager war er in den 1970er Jahren für das ARPA-Net der US-Militärforschungseinrichtung DARPA zuständig.

Handelsblatt Online: Sie werden als einer der Väter des Internets bezeichnet. Hätten Sie damals gewusst, was Sie heute wissen – was würden Sie anders machen?

Vint Cerf: Ich kann Ihnen sagen, was ich gerne anders gemacht hätte – ohne zu wissen, ob ich es damals die Entscheidung wirklich so hätte treffen können. Ich hätte von vorne herein mehr Sicherheit in das gesamte System eingebaut. Ich hätte etwas in das System eingebaut, was Rückschlüsse auf Identitäten zulässt. Das bedeutet nicht, dass jeder, der das Internet nutzt, sich ausweisen muss – darum geht es nicht. Es geht darum, die Werkzeuge zu schaffen, damit jeder frei entscheiden kann, ob er mit jemanden anderen nur unter der Bedingung kommuniziert, dass sich die Gegenstelle klar ausweist.

War das damals keine Überlegung?

Doch, tatsächlich haben wir damals darüber nachgedacht. Aber Mitte der 1970er Jahre, als sich alles langsam zu entwickeln begann, war sämtliche Technologie, die eine Identitätsprüfung über das Netz mittels Kryptografie ermöglicht hätte, geheim, weil sie militärisch genutzt wurde. Obwohl ich an einem Entwurf gearbeitet habe, der genau solche Technologien nutzte, konnte ich all meinen Kollegen an den Universitäten, die vom Militär keiner entsprechenden Geheimhaltungsstufe zugeteilt waren, nicht davon berichten. Heute haben wir diese Technologie natürlich öffentlich verfügbar – und sie wird auch genutzt. Dadurch wird das Netz heute sicherer.

Sicherheitstipps für PC und Mac

Datensparsamkeit

Nutzer von Internetdiensten sollten sparsam mit Daten umgehen und nur so viel Informationen preisgeben wie nötig. Man kann sich durchaus auch mit einem Anbieter in Verbindung setzen und fragen, warum er unbedingt eine bestimmte Information braucht.

Überlegen Sie sich grundsätzlich, ob es notwendig ist, sich bei einem bestimmten Dienst mit Daten anzumelden. Verlangen Sie von Diensten, die Sie nicht mehr nutzen die Löschung Ihrer personenbezogenen Daten. Sofern das Unternehmen die Daten – beispielsweise für Abrechnungen – nicht mehr benötigt, ist es dazu verpflichtet, die Daten auf Wunsch zu löschen. Sie können sich dabei auf das Bundesdatenschutzgesetz berufen.

Software-Updates einspielen

Wenn Sicherheitslücken ausgenutzt werden, befinden sich diese heutzutage nur noch selten im Betriebssystem selbst, sondern viel häufiger in installierter Standard-Software wie dem Webbrowser, Adobe Acrobat Reader oder Adobe Flash. Die drei genannten und besonders gefährdeten Anwendungen können selbst aktiv Inhalte ausführen und sind daher für Attacken beliebt. Achten Sie daher darauf, dass nicht nur das Betriebssystem regelmäßig aktualisiert wird, sondern auch Ihr Webbrowser sowie die installierte Standard-Software wie PDF-Betrachter und Flash-Plugin.

Sämtliche installierte Software auf Aktualität und Sicherheitslücken zu prüfen, ist ohne Hilfe natürlich eine Herkulesaufgabe. Zum Glück gibt es die kostenlose Software Secunia Personal Software Inspector (PSI). PSI sucht automatisch nach veralteter Software. Mit dem Menüpunkt „Secure Browsing“ lässt sich außerdem nach veralteten Browser-Erweiterungen suchen. Übrigens sind diese Erweiterungen auch der häufigste Grund für Abstürze von Browsern – weniger ist daher meist mehr.

Anti-Viren-Lösung

Viren und Würmer gefährden die Daten-Sicherheit. Daher sind Präventionsmaßnahmen angeraten. „Viel hilft viel“ ist hier allerdings nicht angesagt, da sich verschiedene Anti-Viren-Scanner gegenseitig stören. Optimal ist daher die Kombination aus drei Schutzarten. Installieren sollte man eine Personal Firewall, die ein- und ausgehende Verbindungen kontrolliert und einen Virenscanner, der mit seinen Virensignaturen bekannte Schädlinge stoppt; außerdem sollte die Schutz-Software heuristische Methoden einsetzen, die auch unbekannte Schädlinge aufgrund des Verhaltens erkennt. Anti-Virus-Lösungen gibt es nicht nur für Windows-Rechner, sondern auch für Macs.

Verhalten

Mac und Windows

Noch wichtiger als ein stets aktueller Virenschutz ist allerdings das Verhalten des Nutzers: Führen Sie keine Dateien aus dubiosen Quellen aus und öffnen Sie keine Anhänge von E-Mails, die Ihnen seltsam vorkommen.

Festplatte verschlüsseln

Mac und Windows

Wenn wichtige geschäftliche oder private Daten in falsche Hände geraten, können große Schäden entstehen. Die Gefahr ist insbesondere bei mobilen Rechnern groß. Von daher ist es ratsam, sensible Daten zu verschlüsseln. Als besonders sicher gilt die kostenlose Software TrueCrypt, die für Windows, Linux und Mac OS X verfügbar ist. Damit können sowohl einzelne Ordner als auch die gesamte Festplatte verschlüsselt werden. Selbst das FBI hat sich an TrueCrypt schön die Zähne ausgebissen: Nach fast einem Jahr musste die US-Behörde die Festplatte eines brasilianischen Bankiers zurückgeben – nach wie vor verschlüsselt. 

Haupteinfallstor E-Mail-Account

Jedem ist bewusst, dass die Nutzerkonten bei Amazon, Ebay oder Paypal durch ein langes und sicheres Passwort geschützt sein sollten. Der beste Schutz dort nützt aber nichts, wenn nicht auch das E-Mail-Konto gut abgesichert ist. Hat sich ein Angreifer Zugang zum Posteingang verschafft, kann er auch ohne großen Aufwand auf alle weiteren Nutzerkonten zugreifen, indem er sich einfach neue Passwörter zuschicken lässt – egal ob bei Ebay oder anderen Services im Web.

Passwörter

Grundsätzlich ratsam ist es, nicht nur sichere Passwörter zu verwenden, sondern auch immer unterschiedliche bei verschiedene Diensten. Mit den einmal geklauten Login-Informationen lassen sich ansonsten Benutzerkonten auf Einkaufs-Websites, bei Reiseanbietern oder anderen Dienstleistern öffnen und widerrechtlich nutzen.

Wie so häufig beim Thema Sicherheit steht dabei jedoch die Bequemlichkeit im Weg: Wie nur soll man sich mehrere Passwörter merken, die auch noch sicher sind – das heißt keine Wörter, die man im Duden findet und möglichst noch mit Sonderzeichen?

Dafür gibt es einen Trick: Statt eines kryptischen Wortes merken Sie sich einfach einen sinnvollen Satz, der für Sie eine Bedeutung hat. Das Passwort besteht dann auf den jeweiligen Anfangsbuchstaben des Satzes – bei Beachtung der Groß- und Kleinschreibung. Ein Beispiel wäre der Satz: Meinen Rechner mache ich mit einem komplizierten Passwort sicher. Als Passwort wird daraus: MRmimekPs – ein Wort, das Sie garantiert in keinem Lexikon finden.

Auf sichere Datenübertragung achten

Wann immer sensible Informationen im Web übertragen werden, sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass es sich um eine verschlüsselte SSL-Verbindung handelt. Das erkennen Sie daran, dass die Webadresse im Adressfeld mit https:// beginn statt http://. Aktuelle Versionen der gängigen Browser Firefox, Internet Explorer, Chrome, Opera und Safari überprüfen dabei automatisch, ob der Anbieter der verschlüsselten Verbindung auch der ist, für den er sich ausgibt. Wichtig ist dabei, die jeweils neueste Version des Browsers zu verwenden. Diese haben einen Phishing-Schutz eingebaut, der die meisten Websites erkennt, die nicht das sind, was sie vorgeben.

Würden Sie noch etwas anders machen?

Klar, wir würden natürlich direkt den viel größeren 128-Bit-Raum für Internet-Adressen nutzen – so wie beim kommenden Internet-Standard IPv6. Sogar darüber haben wir damals diskutiert – 1976. Wir nutzten damals 32 Bit, weil wir glaubten, die meisten Computer sind Großrechner, die viele Leute gleichzeitig bedienen. Wir dachten, es würde nur wenige große Netzwerke geben, weil sie teuer sind. 4,3 Milliarden Kombinationen, von dem jeder 1000 Nutzer oder mehr versorgt, sollten mehr als ausreichen – dachten wir. Was wir nicht vorhergesehen haben waren Smartphones, Laptops, iPads und all das. Hätte ich das damals gewusst, hätte ich gleich 128 Bit gewählt – angesichts der Tatsache, wie schwierig die Umstellung gerade ist. Anderseits: Wir haben das damals diskutiert. Niemand konnte sich damals vorstellen, wofür man so viele Adressen bei einem wissenschaftlichen Experiment jemals gebrauchen könnte. Denn genau das war das Internet damals.

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