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24.01.2014

12:39 Uhr

Vater erhält Horror-Werbung

An Herrn Seay, dessen Tochter bei Autounfall starb

VonStephanie Dittebrand

Die Datensammelwut von Unternehmen für Marketingzwecke kennt anscheinend keine Grenzen. Auch keine moralischen. Das musste jetzt der Amerikaner Mike Seay an der eigenen Haut erfahren. Seine Geschichte schlägt Wellen.

Der Büroartikelhersteller Office Max hat Kundendaten gekauft - und ist damit nicht gerade vorsichtig umgegangen, wie der Fall Mike Seay zeigt. ap

Der Büroartikelhersteller Office Max hat Kundendaten gekauft - und ist damit nicht gerade vorsichtig umgegangen, wie der Fall Mike Seay zeigt.

DüsseldorfMike Seay lebt mit seiner Frau in der Stadt Lindenhurst im US-Bundesstaat Illinois. Als der 46-Jährige vor einigen Tagen seine Post durchsieht, ist auch ein Werbebrief des Büroartikelherstellers Office Max dabei. Eigentlich etwas Alltägliches. Seay bekommt viel Werbung. Doch bei der Adresszeile stockt ihm der Atem: „Mike Seay, Daughter Killed In Car Crash, or Current Business.“ (zu deutsch: „An Mike Seay, Tochter starb bei Autounfall, oder gegenwärtig-ansässiges Unternehmen“).

Tatsächlich hat der Amerikaner mit seiner Frau eine Tochter, tatsächlich ist die damals 17-Jährige ein Jahr zuvor bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Mike Seay ist verwundert: Wie kommt die Firma Office Max an diese Daten? Welche Relevanz hat diese Information für einen Büroausstatter? Und warum erscheinen diese persönlichen Informationen in einem offiziellen Anschreiben?

Gleich am nächsten Tag wendet sich Seay telefonisch an Office Max. Doch da erlebt er eine böse Überraschung: Das Unternehmen beschuldigt ihn, er habe sich die ganze Geschichte nur ausgedacht. Seay gibt nicht auf und wendet sich an die Presse. „Ich bin kein großer Office-Max-Kunde“, sagt er der Los Angeles Times. „Und ich würde niemals dort hingehen und jemandem von dem Unfall erzählen. Das ist nicht deren Angelegenheit.“ Der Büroausstatter sieht aber weiter keinerlei Schuld bei sich. Die Liste mit Adressen sei von einer Firma gekauft worden, darin enthalten auch persönliche Daten und Vermerke. Bei Mike Seay war es eben der Tod der Tochter. Wo genau die Daten herstammen, gibt das Unternehmen nicht preis.

Der Fall von Mike Seay, der persönliche Informationen verbunden mit einem traumatischen Erlebnis plötzlich in Werbeschreiben wiederfindet, zeigt: Die Datensammelwut von Unternehmen nimmt mitunter groteske Züge an. Marketing-Expertin Yvette Schwerdt sieht darin die Gefahr und auch die Blamage von Big Data, die von Unternehmen über ihre Kunden angesammelt und für Marketingzwecke unbedacht genutzt werden.

Im Netz schlägt das Ereignis große Wellen. Mike Seay und viele Facebook-Nutzer fragen sich, wofür gerade ein Hersteller für Büroartikel diese Informationen braucht. Nathan K. fragt, warum gerade der Tod von Familienangehörigen vermerkt wird und was der mögliche Grund dafür sein kann. Von Office Max hat er auf diese Frage bisher keine Antwort bekommen.

Das öffentliche Echo der Familie und Nutzer hatte jetzt zur Folge, dass sich das Unternehmen bei den Seays entschuldigte. Auf der offiziellen Facebook-Seite heißt es, ein Mitarbeiter habe mit der Familie gesprochen und der Fall werde nun genauer untersucht. Für den 46-Jährigen nur ein geringer Trost, der im Netz nun als Mann, der einen der gruseligsten Brief aller Zeiten bekommen hat, um die Welt geht.

Etliche Internetnutzer verlangen von der Office-Max-Chefetage, sich persönlich bei der Familie zu entschuldigen. Darren M. fordert: „Diese Entschuldigung wird nicht solange nicht akzeptiert, bis der Chef selbst die Familie angerufen hat. Schämt euch alle.“ Außerdem ist sich niemand sicher, welche persönlichen Ereignisse in den Datenbanken der Firmen dieser Welt schlummern.

Kommentare (2)

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kuac

24.01.2014, 13:32 Uhr

Was hat Mike Seay für ein Problem? Wir haben alle ja nichts zu verbergen. Oder stimmt das nicht?

Account gelöscht!

24.01.2014, 14:38 Uhr

Also war Ihr erster Post ironisch gemeint!?
Ich meine, es ist im Endeffekt hochpeinlich für Office Max was dort passiert ist. Mal davon abgesehen wie sie an die Daten gekommen sind wurde hier anscheinend in irgendeine Adresszeile der Vermerk mit der verstorbenen Tochter eingetragen und die schicken dann automatisch generierte Werbebriefe raus und überprüfen die Daten nicht mal auf Plausibilität.

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