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16.07.2012

16:02 Uhr

Verbrechensbekämpfung

Facebook überwacht Chat-Nachrichten

VonRobert Clausen

Offenbar scannt Facebook automatisch Chat-Nachrichten seiner Nutzer, um Hinweise auf Straftaten zu erhalten. Sollte sich ein Verdacht bestätigen, geht Facebook aktiv auf die Behörden zu - auch in Deutschland.

Unter der Lupe: Facebook scannt automatisch Chat-Nachrichten seiner Nutzer. Reuters

Unter der Lupe: Facebook scannt automatisch Chat-Nachrichten seiner Nutzer.

Ein Mann aus Florida chattet über Facebook mit einem 13-jährigen Mädchen. Im Laufe der Konversation plant er schließlich, sich mit ihr nach der Schule zu treffen. Nur kurze Zeit später steht die Polizei vor seiner Tür und verhaftet ihn. Dies ist kein entworfenes Szenario, sondern Realität. Möglich wurde der Zugriff der Behörden durch ein von Facebook entwickeltes System, mit dem Chat-Nachrichten zwischen den Mitgliedern automatisch auf Schlüsselwörter gescannt werden.

Erscheint eine Nachricht verdächtig, wird sie an einen Facebook-Mitarbeiter weitergeleitet. Dieser kann dann, wie im aktuellen Fall geschehen, die Polizei benachrichtigen.

Laut Facebook handelt es sich dabei um ein „komplexes System“. Die Kriterien, nach denen eine Nachricht als verdächtig eingestuft wird, sind zwar nicht transparent, Facebooks Sicherheitschef Joe Sullivan sagte aber gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, Grundlage des Systems sei ein Archiv an Chat-Nachrichten, die sexuellen Übergriffen vorausgegangen seien.

Wie Facebook dieses Archiv aufgebaut hat und wie eine Zuordnung zwischen Nachrichten und Straftaten möglich war, konnte auf Nachfrage von Handelsblatt Online nicht beantwortet werden. Allerdings wurde versichert, dass das System speziell zum Schutz von Kindern konzipiert wurde.

Allerdings werden wohl nicht alle Chat-Verläufe gleichermaßen überwacht; Facebook selber analysiert laut Joe Sullivan die Beziehung zwischen den Nutzern, eine Rolle spielt dabei unter anderem der Altersunterschied. Es scheint wahrscheinlich, dass ein Kontaktverhältnis, das bereits länger besteht, als weniger verdächtig eingestuft wird.

Auch die Anzahl der gemeinsamen Freunde könnte ein Indikator dafür sein, ob Facebook die Freundschaft als „persönlich bekannt“ einstuft und in diesem Fall eher nicht überwacht.

Auf Anfrage von Sueddeutsche.de erklärte das Unternehmen, dass auch deutsche Nutzer von der Technik betroffen seien. Sollte Facebook von einer Straftat erfahren, würde man auch in Deutschland „proaktiv“ auf Behörden zugehen.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

16.07.2012, 16:42 Uhr

Wer das Wort ESM benutzt, wird sofort automatisch Überwacht und in die Rasterfahndung aufgenommen.

Erlaubt sind weiterhin die Worte: Bildzeitung, Fussball und DSDS.

Gedankenmacher

16.07.2012, 16:48 Uhr

Gegen Straftaten gegenüber Minderjährigen präventiv vorzugehen ist löblich.

Aber ganz ehrlich... in was für eine Zukunft/ totale Überwachungsgesellschaft bewegen wir uns?

Wenn jemand gegen so etwas protestiert(Überwachung/Freiheitsrechte), wird von behördlicher und/oder politischer Seite das Schreckgespennst Terrorismus oder sonstige Angstmacherei aufgefahren. Mit diesen sollen die Bevölkerungen rund um den Globus eingeschüchtert werden, damit solche und weitere Überwachungen als "legales" und "angemessenes" Mittel verkauft werden können.

Eine erschreckende Entwicklung geht hier vor sich.... .

black

16.07.2012, 17:37 Uhr

alter Schwede; was für´n Laden! Überwachung pur. Und FB wird nicht der einzige Kriecher vor der Heimatschutzbehörde sein. Das haben die vor über 10 Jahren geschickt eingefädelt.

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