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09.01.2001

16:24 Uhr

dpa/jgo STUTTGART/ESCHBORN. Das Stuttgarter Landgericht hat eine einstweilige Verfügung gegen die in den Niederlanden ansässige Internet-Apotheke 0800Doc Morris aufgehoben. Das bestätigte die Justizbehörde am Dienstag auf Anfrage. Die Gehe AG (Stuttgart), Europas größter Pharmahändler, wollte dem Unternehmen damit den Online-Versand von apothekenpflichtigen Medikamenten in Deutschland untersagen. Das Pharmaunternehmen hatte die einstweilige Verfügung Anfang November gegen Doc Morris erwirkt. Die Pharmagroßhandlung hatte zugleich im November ein Internetportal für die deutschen Apotheken angekündigt. Auf diese Weise könnten die 22 590 Apotheken in Deutschland ihre eigene Leistungsfähigkeit demonstrieren, hatte das Unternehmen mitgeteilt. Bei Gehe war heute zunächst niemand erreichbar.

Der Apotherverband ließ unterdessen verlautbaren, eine einstweilige Verfügung des Landgericht Frankfurts vom November, die es der Internetapotheke untersage, Arzeimittel nach Deutschland zu versenden, habe weiterhin Gültigkeit. Der Vorsitzende des Verbandes, Hermann Stefan Keller, bezichtigte Doc Morris, jedwede Gelegenheit zu nutzen, um in die Presse zu gelangen und den Eindruck zu erwecken, die Rechtsprechung habe sich geändert.

Zwischen den Jahren hat derVerband nach eigenen Angaben beim Frankfurter Landgericht ein Ordnungsgeld gegen die Internetapotheke beantragt. Lutz Tisch, Jurist beim Apothekerverband, sagte im Gespräch mit Handelsblatt.com: „Doc Morris handelt gezielt, bewusst und offen rechtswidrig.“ Testkäufe hätten gezeigt, dass sich die Internetapotheke nicht an die Einstweilige Verfügung des Frankfurter Landgerichts halte.
Die Logistik werde nach wie vor von Doc Morris organisiert, auch wenn dem Kunden eine Schweinwahl geboten werde. „Unserer Auffassung nach ist damit mindestens der Umgehungstatbestand erfüllt.“

Der Marketingdirektor von Doc Morris, Jens Apermann, appellierte an die deutschen Konkurrenten im stationären Handel, sich gütlich zu einigen. "Es wäre für alle Beteiligten sinnvoller, sich in einem friedlichen Wettbewerb außerhalb der Gerichte zu arrangieren." Herkömmliche Apotheken halten die Konkurrenz für illegal. Sollte sich Doc Morris durchsetzen, rechnen Branchenexperten mit zahlreichen Nachahmern.

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