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06.01.2006

12:11 Uhr

Videoclips und Fußballspiele auf das Handy

Fernseher in der Tasche

VonChris Löwer (Axel Postinett)

„Weg vom Kabel“, heißt die Devise der Telekommunikationsbranche für das Jahr 2006. Entertainment wird mobil –es geht dabei um einen riesigen Markt, um den sich Mobilfunkbetreiber, Telekom-Firmen, Internet-Provider und Branchenneulinge streiten werden. Neue Übertragungstechniken wie Wimax, HSDPA, DVB-H oder DMB spielen dabei die Schlüsselrolle: Sie sollen den Eintritt in das Geschäft mit der mobilen Kommunikation erleichtern.

Neue Funktechniken übertragen Videoclips und Fußballspiele auf das Handy. Quelle: dpa

Neue Funktechniken übertragen Videoclips und Fußballspiele auf das Handy.

HB DÜSSELDORF. Die Nachricht hinterließ Eindruck auf den Telekom-Märkten: Das kalifornische Örtchen Mountain View will seine Laternenpfosten vermieten. Und zwar an den Web-Riesen Google, der dort WLan-Sender anbringen wird, um den gesamten Ort mit – zunächst sogar kostenlosem – Wireless Internet zu versorgen. Auch San Francisco liegt ein entsprechendes Angebot vor.

Erleichtert werden solche Vorhaben durch Wimax (Worldwide Interoperability for Microwave Access), den Nachfolger des heute als „WLan“ bekannten „802.11b/g“-Standards. Analysten wie Klaus Felsch vom Beratungsunternehmens Diamond Cluster bezeichnen Wimax schon als „Luft gewordenes Kupfer“. Der Vorteil: Die neuen Sender werden eine viel größere Reichweite haben und der Nettodatendurchsatz kann, je nach Umgebung, bis zu achtmal höher als bei „802.11b“ sein – das konkurriert schon mit DSL-Anschlüssen.

Erste Wimax-Netze werden auch bei uns aufgebaut, etwa in Berlin und Düsseldorf. In Berlin wirbt der Heidelberger Betreiber Deutsche Breitband Dienste (DBD), der mit O2 Genion kooperiert, schon mit dem Slogan: „Kappen Sie Ihre Telekom-Leitung“. Die Deutsche Telekom ist gewarnt, die Tochter T-Com erprobt in St. Augustin bei Bonn ebenfalls schon Wimax. Und Arcor ist in Kaiserslautern aktiv.

Die letzten technischen Hürden für die Festlegung des Standards speziell für mobile Anwendungen wie Handys oder Laptops (802.16e-2005) sollen Anfang 2006 genommen sein. Dann kann ein so genanntes „Handover“ zwischen Wimax und UMTS stattfinden. Die Geräte schalten unbemerkt von Netz zu Netz, je nachdem, wo es besseren Empfang gibt. Klaus-Dieter Kohrt von Siemens IC Mobile Networks hält Wimax für eine Ergänzung zu UMTS: „Idealerweise wird ein Handy oder Notebook beide Techniken nutzen, ohne dass der Kunde merkt, womit er gerade online ist.“ Intel will bis Ende 2006 Notebooks serienmäßig mit Wimax-Chips ausrüsten, der Technologie-Konzern Siemens bringt Anfang 2006 erste Sender und Empfänger in den Handel.

Doch die Mobilfunkkonzerne haben auch andere Pläne: Sie verfügen bereits weltweit über eine fast lückenlose Netzabdeckung und rüsten 2006 ihre 3G-Netze (UMTS) mit HSDPA (High Speed Downlink Packet Access) auf, das derzeit knapp 4 Megabit/Sekunde übertragen kann und später auf 14 MB/sec. ausgebaut werden soll. Das reicht dann sogar für TV-Empfang auf dem Handy in Top-Qualität, diese Anwendung ist aktuell das attraktivste Zugpferd der Mobilfunkunternehmen.

Die erfolgreichsten Handy-TV-Angebote sind dabei Musik-Videos, gefolgt von Soaps und Sport. Derzeit schauen deutsche Vodafone-Kunden über fünf Millionen Handy-TV-Minuten monatlich, sagt Erik Friemuth, verantwortlich für das Inhaltegeschäft bei Vodafone. „HSDPA wird 2006 eine wichtige Rolle beim Mobil-TV spielen“, so Friemuth. Zusätzlich hält er Mobil-TV über DVB-H für wahrscheinlich, als Massenmarkt aber eher in 2007 oder 2008.

Doch Friemuths Optimismus für DVB-H (Digitales Fernsehen für Handys, ähnlich dem digitalen Antennenfernsehen DVB-T) wird nicht überall geteilt. DVB-H und DMB (der Video-Ableger des Digitalradios DAB) kämpfen derzeit heftig darum, wer zur Fußballmeisterschaft 2006 in Deutschland die Fans in den Stadien mit Videobildern live versorgen wird. DMB hat dabei den Vorteil, dass es relativ schnell auf vorhandene DAB-Radio-Sendeanlagen aufgesetzt werden kann. DVB-H kann dagegen mehr TV-Kanäle transportieren als DMB. Welche dieser Techniken letztlich das Rennen machen wird, ist derzeit noch völlig offen, auch auf politischer Ebene herrscht Uneinigkeit. Derzeit laufen die Ausschreibungen für die diversen Feldversuche. Die Medienanstalt Berlin Brandenburg etwa sucht jetzt Betreiber für beide Systeme, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg dagegen nur für DMB.

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