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30.01.2007

09:38 Uhr

Vista-Konkurrenz

Microsoft-Rivalen scharren mit den Füßen

VonJens Koenen

Es mutet paradox an, aber nur auf den ersten Blick: Analysten etwa der Gartner Group schließen nicht aus, dass gerade die Microsoft-Konkurrenten vom Start des lang ersehnten Microsoft-Betriebssystems Vista profitieren werden, wenngleich aus unterschiedlichen Gründen.

Apple-Chef Steve Jobs bei der Ankündigung von "Leopard". Die neue Version des Betriebssystems Mac OS X soll im Frühjahr auf den Markt kommen. Foto: dpa dpa

Apple-Chef Steve Jobs bei der Ankündigung von "Leopard". Die neue Version des Betriebssystems Mac OS X soll im Frühjahr auf den Markt kommen. Foto: dpa

SAN FRANCISCO. Da ist zum einen der Erzrivale Apple. Das Unternehmen hat mit seinem Betriebssystem Mac OS X längst das vorweggenommen, was Microsoft mit Vista auf den Markt bringt. Derzeit arbeitet die Entwicklertruppe von Apple-Chef Steve Jobs an einer neuen Version mit Werkzeugen etwa zur Datensicherung. Komme Apples „Leopard“ schnell genug, könne es den Vista-Verkauf durchaus stören, glauben die Experten von Gartner.

Derzeit ist das Marktgefüge aus Microsoft-Sicht noch in Ordnung. Windows dominiert mit über 90 Prozent die Rechner. Apple liegt mit Mac OS knapp unter fünf Prozent. Es gilt eher als unwahrscheinlich, dass es in dieser Rangfolge in den nächsten Monaten zu massiven Verschiebungen kommen wird. Doch konnte Apple alleine in den zurückliegenden zwei Quartalen die Verkaufszahlen seines iMacs um jeweils 30 Prozent steigern. Das liegt vor allem an der Umstellung auf die Prozessoren von Intel. Damit können die Anwender nun auch Windows aufspielen. Die Software „Boot Camp“ erleichtert das Betreiben der zwei Welten auf dem iMac. Die Strategie von Apple-Chef Jobs scheint aufzugehen. Etwa 50 Prozent der neuen iMac-Kunden haben nach Apple-Aussagen zuvor mit Windows gearbeitet.

Damit nicht genug. Mittlerweile können Apple-Rechner nahtlos in ein Windows-Netzwerk eingebunden werden. Damit werden die iMacs zunehmend auch für Unternehmenskunden interessant, zumal die schicken weißen Rechner eine wachsende Fangemeinde verzeichnen. „In Zukunft wird das Design eine immer größere Rolle spielen, denn bei der Technologie sind die Unterschiede nur noch marginal“, glaubt Meike Escherich von Gartner.

Dell lässt den Kunden die Wahl

Auch ein anderer Rivale scharrt bereits mit den Füßen: Der US-Konzern Novell, Anbieter des alternativen Linux-Systems. „Wir glauben, dass wir wegen der Einführung von Vista und Office 2007 Chancen haben, den einen oder anderen Kunden von Microsoft zu gewinnen“, sagt Volker Smid, Europachef von Novell.

„Wer auf Vista gehen will, muss nicht nur prüfen, ob seine Anwendungen weiterlaufen. Er muss auch neue Hardware kaufen und in die Schulung der Mitarbeiter investieren. Unter dem Blickwinkel der Gesamtkosten sind Alternativen wie Linux günstiger“, sagt Smid.

Er hat vor allem die zahllosen Office-Anwender im Blick. Zwar hat Microsoft bei der Renovierung der Bürosoftware Wert auf die Benutzerfreundlichkeit gelegt. Doch viele Knöpfe und Befehle sind nicht mehr an der gewohnten Stelle zu finden. Microsoft selbst schätzt den Aufwand für die Umgewöhnung auf bis zu zwei Wochen. Mit der Linux-Variante Open Office können die Anwender laut Smid dagegen weiter arbeiten wie gewohnt. „Wir werden demnächst sicherlich einige bekannte Namen nennen können, die einen Umstieg auf Linux prüfen“, sagte Smid.

Eine völlig andere Alternative bietet der PC-Bauer Dell. In den USA können die Kunden Computer ohne Betriebssystem kaufen. Das hat mehrere Vorteile: Einerseits sind die Geräte billiger, weil die Lizenzgebühren von Microsoft entfallen. Andererseits können die Nutzer ein Betriebssystem ihrer Wahl aufspielen. Eine Dell-Sprecherin sagte, dass diese Systeme auch in Deutschland erhältlich seien, falls Kunden sie ausdrücklich haben wollen.

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